Tierschutz
Die Amphibienretter aus dem Mettauertal haben immer weniger zu tun

Rudolf Bölle und seine Helfer retten Kröten und Frösche vor dem Tod durch Überfahren. Im Frühjahr 2021 haben sie bisher 60 Tiere gesammelt – deutlich weniger als zuvor, als es auch schon einmal 1100 waren. Warum die Zahl der Amphibien abnimmt, ist auch für die erfahrenen Tierschützer ein Rätsel.

Peter Schütz
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Meinrad Bärtschi und Rudolf Bölle (von links) kümmern sich in Mettauertal um Amphibien.

Meinrad Bärtschi und Rudolf Bölle (von links) kümmern sich in Mettauertal um Amphibien.

Peter Schütz

Dem Amphibienschutz im Mettauertal wird seit vielen Jahren grosse Beachtung geschenkt. Gerade jetzt im Frühling, wenn die fortpflanzungsfähigen Erdkröten, Grasfrösche und Bergmolche von ihren Winterquartieren aufbrechen, ist Rudolf Bölle, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Güch-Etzgen/Mettau, täglich gefordert. Seine Aufgabe: Die laichwilligen Amphibien vor dem Überqueren der Strasse zwischen Mettau und Etzgen vor dem Tod durch Überfahren bewahren.

Deutlicher Rückgang der Zahl an Amphibien

In dem Bereich nahe dem Weiher im Gewann Untere Chilhalde befinden sich Schutzzäune auf beiden Seiten der Strasse auf einer Länge von je rund 400 Metern. Die Amphibien wandern entlang dieser Hindernisse und fallen in eingegrabene Eimer. Bölle und seine Helfer sammeln sie ein und tragen sie in den Weiher, wo sie sicher ablaichen können. Was auch Bölles Job ist: Protokoll über die Anzahl der gesammelten Tiere führen. Das Ergebnis leitet er an die Sektion Natur- und Landschaft der Abteilung Landschaft und Gewässer vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt weiter. Schon jetzt zeichnet sich für den eifrigen Naturschützer ein deutlicher Rückgang der Amphibien ab. Bölle sagt:

«Wir müssen froh sein, wenn wir diesen Frühling 100 Tiere haben. Bis jetzt haben wir nur 60 gesammelt.»

Zum Vergleich: «Wir hatten Zeiten mit zwischen 700 und 800 Tieren», berichtet er, «oft mussten wir zwei volle Eimer tragen.» Einmal, blickt er zurück, wurden 1100 Tiere gesammelt – bis heute der Höchststand. Aber eben: «Seit zwei Jahren geht es rapide zurück», sagt Bölle.

Heisse Sommer schuld am Rückgang?

Das hat auch Meinrad Bärtschi, Präsident des Verbands Oberfricktalischer Natur- und Vogelschutzvereine (VONV), beobachtet. Über die Gründe können er und Bölle nur spekulieren. Möglicherweise liegt es daran, dass die beiden letzten Sommer überdurchschnittlich heiss waren und deshalb weniger Tiere im Sommerquartier überlebt haben. Der Teich zwischen Mettau und Etzgen wird vom Berghang gespeist und ist noch nie ausgetrocknet.

Hilfe vom kantonalen Strassenunterhaltsdienst

Bölle hat bei seinem Einsatz für die unter Naturschutz stehenden Amphibien Unterstützung vom für das Mettauertal zuständigen kantonalen Strassenunterhaltsdienst. Dieser errichtet den Schutzzaun, bevor Kröten, und Frösche sich in Bewegung setzen, und baut ihn wieder ab. Früher war der Natur- und Vogelschutzverein Güch-Etzgen/Mettau mit seinen aktuell 75 Mitgliedern selbst dafür verantwortlich. Doch mittlerweile ist der Aufbau des Zauns ab frühestens Februar fast ein Automatismus. Vorgesehen ist, dass er eine Woche nach Ostern abgebaut wird.

Bölle und seine Helfer sammeln die Tiere ein und tragen sie in den Weiher.

Bölle und seine Helfer sammeln die Tiere ein und tragen sie in den Weiher.

Peter Schütz

Die Tiere, die den Weg über die Strasse zum Laichgewässer geschafft haben, wollen sich in der Regel wieder ins Sommerquartier zurückziehen. Somit müssen sie die Strasse ein zweites Mal überqueren. Rudolf Bölle schaut deshalb genau hin, wo sie sich befinden. Denn er weiss: Werden über Jahre hinweg viele Tiere zu Tod gefahren, kann eine ganze Population erlöschen.