Das Pferd sass in der zwei Meter tiefen Grube fest. Es war abgehauen, eine Böschung hinaufgesprungen und dahinter in ein offenes Gewölbe der Burgruine gefallen.

«Die Besitzer versuchten zuerst, dem Pferd mit Heuballen eine Kletterhilfe zu bauen. Doch dabei fiel es zweimal wieder in die Grube zurück», erinnert sich Ueli Windisch, Einsatzleiter des Grosstierrettungsdienstes (GTRD) für die Nordwestschweiz.

Die amateurhaften Rettungsversuche der Besitzer scheiterten, während die Grosstierretter schon während der Fahrt vom Fricktaler Stützpunkt Densbüren den Hoflader eines Bauern organisierten. Mit dem Kranfahrzeug der Feuerwehr und einem speziellen Tragenetz wurde das Pferd dann ohne Blessuren aus der Grube befreit.

«Das sind natürlich die schönsten Fälle: Das Tier wird befreit; und die Besitzer können es gesund mit nach Hause nehmen», sagt Windisch. Frustrierender seien Fälle, wo der Tierarzt im Einverständnis mit dem Besitzer die Tötung des Tieres beschliesst.

Die spektakulären Fälle machen aber nur zehn Prozent der Einsätze der Grosstierretter aus: In der überwiegenden Mehrheit transportiert Windischs Team kranke oder verletzte Tiere. Ein solcher Transport kostet den Besitzer schnell mal 500 bis 1500 Franken oder mehr, je nach Distanz und Aufwand.

Der GTRD wurde vor 17 Jahren als Interessensgemeinschaft gegründet; die Mitarbeiter tun ihren Dienst ehrenamtlich.

Windisch arbeitet in Densbüren mit nur drei Kollegen zusammen. Er wäre deshalb froh über Verstärkung. Doch die Anforderungen sind hoch:

Die Tierretter müssen sehr flexibel sein, auch in der Freizeit – ebenso ihre Arbeitgeber: «Wir machen das aus reiner Liebe zum Tier. Wirtschaftlich gesehen lohnt sich der Einsatz nicht.»

Alarmiert wird der GTRD über eine eigene schweizweite Notruf-Nummer direkt vom Besitzer oder von der Feuerwehr des jeweiligen Kantons.

Stützpunkte für Grosstierrettungen gibt es derzeit ausser im Fricktal in den Kantonen Zürich, St. Gallen, Bern und Tessin. Ziel des GTRD ist es, in Zukunft die ganze Schweiz abzudecken.