Tierhaltung
Zuzger Hundehalter drehen den Spiess um: Rossbesitzer sollen ihren Mist auch wegräumen

Ihren Pferden eine «Windel» zu verpassen, so wie bei den Fiakern in Wien, kommt für Fricktaler Reiter wohl nicht in Frage. Und für Säckli sind die Hinterlassenschaften der Vierbeiner auch zu gross. So bleibt es nicht aus, dass Rossäpfel auf Strassen und Wegen landen und für Ärger sorgen – aktuell gerade in Zuzgen.

Hans Christof Wagner
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Pferdemist auf der Strasse sorgt immer mal für Ärger.

Pferdemist auf der Strasse sorgt immer mal für Ärger.

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Ein «Ärgernis» sieht der Gemeinderat Zuzgen in auf Strassen und Wegen liegendem Pferdemist und macht ihn jetzt zum Gegenstand in den aktuellen amtlichen Gemeindenachrichten. «Viele Reiter» bewegten sich mit ihren Pferden im Gemeindegebiet und räumten die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht weg. Der Gemeinderat unterstreicht:

«Gemäss Polizeireglement ist es verboten, Pferdemist auf öffentlichen Strassen und Plätzen liegenzulassen.»

Er müsse eingesammelt und entsorgt werden. Gemeindeschreiberin Sabrina Stalder erklärt, wie es zu dem Aufruf gekommen ist: «Einwohner machten uns darauf aufmerksam, nachdem wir in der letzten Woche die Mitteilung bezüglich Hundekot publiziert hatten.» Hundehalter waren darin zur Benutzung der Robidog-Behälter ermahnt worden. Sie fühlten sich wohl ungerecht behandelt und drehten den Spiess jetzt um: Wenn wir entsorgen müssen, dann die Reiter ja wohl auch. Wobei Zuzgen nicht zum ersten Mal an die Reiter appelliert. Laut Stalder war es auch schon 2017 und 2018 der Fall.

100 Franken Busse im unteren Fricktal

Für Zuzgen gilt das Polizeireglement der Repol des unteren Fricktals. Das schreibt den Pferdehaltern vor, den Kot ihrer Tiere «einzusammeln und zweckmässig zu beseitigen». Hinzu kommt der Passus Reinigungspflicht: «Wer öffentliche Strassen und Anlagen verunreinigt, hat umgehend den ordnungsgemässen Zustand wiederherzustellen.» Andernfalls drohen 100 Franken Busse. Allerdings ist im Bussentarif-Anhang des Polizeireglements nur von «befestigten Strassen in Siedlungsgebieten» die Rede. Die Pflicht zum Wegräumen begrenzt das Polizeireglement fürs obere Fricktal ebenso auf Bereiche «innerhalb des Baugebietes».

Aber unabhängig davon beschreibt Hansueli Loosli, Leiter der Regionalpolizei unteres Fricktal, ein Problem:

«Um zu büssen, müssten wir Ross und Reiter in flagranti erwischen. Und das ist wie allgemein beim Littering eben sehr schwierig.»

So ist das Hinterlassen von Pferdemist laut Loosli «bis jetzt nicht wirklich ein Thema» gewesen und auch noch nie gebüsst worden.

Gipf-Oberfrick: Den Reitern ein «gutes Kränzchen winden »

In Gemeinden, wo Pferdehaltung ein Thema ist, will man den Reitern ein «gutes Kränzchen winden», wie es Urs Treier, Gemeindeschreiber von Gipf-Oberfrick, formuliert. «In den meisten Fällen wird der Pferdemist von den Reitern zumindest im Baugebiet weggeräumt. Diesbezügliche Reklamationen sind in letzter Zeit selten eingegangen», berichtet Treier. «In Eiken machen wir die Erfahrung, dass der Pferdemist auf den Strassen durch die Reiter und Pferdebesitzer weggeräumt wird. Reklamationen aus der Bevölkerung sind selten», sagt Gemeindeschreiberin Claudia Müller.

Und was sagen die Reiter? Benno Mettauer von Mettauer Sportpferde in Gipf-Oberfrick betont:

«Wir machen die verunreinigten Wege nach einem Ausritt immer sauber. Aber wir reiten auch nur auf einer Strasse im Gemeindegebiet.»

Früher hätten die Menschen Pferdeäpfel nicht so sehr als Störung wahrgenommen, sie teils selbst als Gratis-Dünger für den Garten mitgenommen, sagt Mettauer. Aber heute kauften sie den lieber.

Die Forderung, Pferdemist zusammenzunehmen, wird oft laut.

Die Forderung, Pferdemist zusammenzunehmen, wird oft laut.

Nana Do Carmo

«Beschwerden waren bei uns noch nie ernsthaft ein Thema», sagt Simone Wanzenried vom Stall Burstel in Möhlin. «Bis jetzt hat von uns noch niemand verlangt, den Pferdemist wegzuräumen», betont sie: Wenn es anders wäre, würde man dem selbstverständlich nachkommen.

«Wir bemühen uns, den Pferdemist wegzuräumen, wo es nötig ist», sagt Ursula Hess, Vorstandsmitglied des Fricktalischen Reiterclubs in Eiken. Aber: «Das Wegräumen hat auch Grenzen. Einen Robidog für Pferde gibt es ja noch nicht.»