Gipf-Oberfrick

Thomas Kyburz-Boutellier wurde in Madagaskar mit grosser Armut konfrontiert

Thomas Kyburz-Boutellier (Pfeil) verbrachte zwei Wochen auf Madagaskar. zvg

Thomas Kyburz-Boutellier (Pfeil) verbrachte zwei Wochen auf Madagaskar. zvg

Madagaskar, der flächenmässig zweitgrösste Inselstaat der Welt wird von einem immer stärker werdenden Netzwerk von Spargruppen überspannt, die den Menschen ermöglichen, sich langsam aus der Armut zu befreien. Das Fastenopfer trägt dazu bei.

Die Sparguthaben verhindern, dass sich die Mitglieder an ausbeuterische Geldverleiher wenden müssen; zudem ist es ihnen unter anderem auch möglich, Nahrungsengpässe selber zu überbrücken, die Einschulung ihrer Kinder zu bezahlen oder sich auch Medikamente leisten zu können. Entscheidend trägt dazu Fastenopfer, das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz bei.

Eine Gruppe von Vertreterinnen und Vertretern der katholischen Kirche der Schweiz machte sich im Rahmen einer zweiwöchigen Projektreise direkt vor Ort ein Bild über die aktuelle Situation und die konkrete Umsetzung der Fastenopfer-Projekte. Co-Leiter der Reise war Thomas Kyburz-Boutellier (47) aus Gipf-Oberfrick, der sich im Gespräch mit der Aargauer Zeitung tief beeindruckt von den Menschen zeigt, die dort gemeinsam nach Lösungen für ihre täglichen Probleme suchen.

Bewundernswerter Wille

Diejenigen Menschen auf Madagaskar, welche trotz grösster Armut den bewundernswerten Willen zeigen, mit viel Ausdauer und Kreativität ihre Lebensbedingungen aus eigener Kraft verbessern zu können, seien trotz allem ebenso fröhlich und aufgestellt sowie sehr offen und gastfreundlich: «Im Gegensatz zu uns Menschen in der Schweiz geht es ihnen dort unten schlecht bis sehr schlecht, aber mit ihrer eigenen Art kommen sie durch und strahlen sogar eine gewisse Zuversicht aus, auch wenn sie wirklich mit sehr wenig auskommen müssen. Sie leben mit ihrem Schicksal, hadern aber nicht damit.»

Beeindruckt zeigte sich Thomas Kyburz-Boutellier, studierter Theologe und seit vier Jahren Bildungsverantwortlicher des Bistums Basel von der Motivation der Menschen: «Was mich besonders berührte, war beispielsweise, wie in den Gruppen pro Tag eine Tasse Reis gegessen und von jeder Tasse ein Esslöffel voll in eine Sparbüchse getan wird.»

Das Sparprogramm-Projekt von Fastenopfer habe sich als äusserst wertvoll erwiesen: «Bis heute sind bereits 10000 solcher Spargruppen gebildet, es wurde also quasi die Schallmauer durchbrochen. Von diesen Spargruppen können bereits um die 300000 Menschen profitieren, dies notabene in einem Staat mit heute um die 21 Millionen Einwohner.»

Neue Motivationen schaffen

Das Spargruppen-Projekt könne in etwa mit den Landwirtschaftlichen Genossenschaften in ihrer Gründungszeit verglichen werden. Die Bevölkerung werde nicht direkt materiell unterstützt.

In einem zweiten Schritt fördert das Fastenopfer-Projekt auf Madagaskar spezielle Netzwerke, in denen die Spargruppen ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsam Aktionen zur Verbesserung ihrer Situation durchführen können: «Dadurch setzen Menschen in ländlichen Gebieten aus eigener Kraft eine nachhaltige Entwicklung in Gang.»

Nicht nur der Einblick in die faszinierende bekannte Tierwelt der Insel, das aktive Mitwirken in Gottesdiensten, die Gespräche und Fachdiskussionen oder auch die auffallend vielen Bettler und fliegenden Händler in den grossen Städten haben bei Thomas Kyburz-Boutellier tiefe Eindrücke hinterlassen: «Einerseits stimmte mich der Verfall der Infrastruktur aus der Kolonialzeit sehr nachdenklich; auf der anderen Seite waren da die Berührung mit der Armut und die vielen Begegnungen, welche neue Motivationen für den Einsatz für eine gerechtere Welt schaffen.»

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