Kaiseraugst
Theater im Violahof: Was nach dem Tod bleibt

Der Theaterverein spielt «Das Gedächtnis des Wassers» – und regt damit zum Nachdenken an.

Ingrid Arndt
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Die drei Schwestern Teresa, Catherine und Anna müssen sich von ihrer Mutter verabschieden. Das weckt ganz unterschiedliche Erinnerungen. Ingrid Arndt

Die drei Schwestern Teresa, Catherine und Anna müssen sich von ihrer Mutter verabschieden. Das weckt ganz unterschiedliche Erinnerungen. Ingrid Arndt

Ingrid Arndt

In der Homöopathie wird gesagt, dass Wasser, mit Heilstoffen versetzt, auch in tausendfacher Verdünnung noch seine Wirkung entfaltet. Das Wasser habe ein Gedächtnis. Diese Art von Gedächtnis entdeckte die englische Autorin Shelagh Stephenson auch im menschlichen Gehirn und schrieb die schwarze Komödie «Das Gedächtnis des Wassers». Selbst, wenn Ereignisse Jahrzehnte zurückliegen, sie sind unlöschbar abgespeichert. Bei den einzelnen Personen allerdings höchst subjektiv und individuell.

Es ist ein anspruchsvolles Theaterstück mit grossen Herausforderungen an die Darsteller, die vom Theaterverein Kaiseraugst unter Regie von Nicolaia Marston fabelhaft gemeistert wird. Mit Humor, hochkochenden Emotionen und psychologischem Tiefgang gelingt es dem Ensemble, in hitzigen Dialogen die Spannung dieser Produktion von der ersten bis zur letzten Szene aufrecht zu halten. Denn vor allem davon lebt das Stück.

Drei unterschiedliche Frauen

Im Stück führt der Tod der Mutter Viola (Marina Herzog) deren drei Töchter zusammen. Die sehr unterschiedlichen Frauen treffen sich in der Wohnung der Mama, um die Beerdigung vorzubereiten. Teresa (Katja Widrig), angriffslustig, rustikal, auf ihre Art auch liebenswürdig, hat sich über all die Jahre um die kranke Mutter gekümmert. Sie ist verheiratet mit Frank (Benjamin Bürgi), der in dieser Ehe nicht allzu viel zu melden hat. Doch manchmal muckt er tüchtig auf.

Der kühl und recht kontrolliert wirkenden Anna (Samantha Freivogel) wird von den Schwestern vorgeworfen, sie sei unerträglich arrogant. Anna hat das Elternhaus früh verlassen, um sich in der Stadt eine Karriere als Ärztin aufzubauen. Sie ist glücklich unglücklich liiert mit dem Kollegen Mike (Thomas Hossli), der verheiratet ist und für den eine Scheidung wegen der Krankheit seiner Frau nicht infrage kommt.

Die Jüngste der drei Schwestern, Catherine (Martina Schneider), ist ein ziemlich schräger Vogel, lebenshungrig, gutgläubig, chaotisch in all ihren Partnerschaften.

Berührende Szenen

Vorerst versuchen die Drei, eine heile Fassade von ihrem Leben zu malen, die aber nicht lange hält. Wie geht jeder von ihnen mit dem Tod der Mutter um, wie beeinflusst er ihre gegenseitige Beziehung? Alte Erinnerungen werden aufgewärmt, völlig gegensätzlich erlebt. Familiengeheimnisse und andere Malessen werden portionsweise und spitzzüngig serviert. Aber auch Gemeinsamkeiten entdecken die Schwestern.

Herrlich die Szene, als sie den Kleiderschrank der Mutter ausräumen und ausgelassen die Sachen anprobieren. Berührend Annas Traum, in dem sie noch einmal alle Kämpfe mit der Mutter austrägt, erst danach trauern und ihr Leben neu ordnen kann.

Es ist eine Produktion, die zum Nachdenken anregt. Zum Beispiel zur Beantwortung der Frage, wie es jeder selbst hält mit Verstehen und Verzeihen. Die Erkenntnis der Autorin Stephenson: «Nichts verschwindet spurlos».

Das Gedächtnis des Wassers: 16., 17., 18. sowie 23., 24. und 25. November jeweils 20 Uhr; 19. November, 17 Uhr; Violahof Kaiseraugst.