Frick

Tempo runter, Lebensqualität rauf im Strassendorf

Gemeinderat Thomas Stöckli beim heutigen Busterminal, bevor es baulich an die Gelenkbusse angepasst wurde. twe

Gemeinderat Thomas Stöckli beim heutigen Busterminal, bevor es baulich an die Gelenkbusse angepasst wurde. twe

Die Gemeinde will das Zentrum aufwerten – und dazu den Verkehr durch das Dorf verlangsamen. Für Gemeinderat Thomas Stöckli ist auch Tempo 30 auf der Hauptstrasse eine Option.

Die Gemeinde Frick hat Anziehungskraft – auch auf den Verkehr: An Werktagen bahnen sich an die 16 000 Fahrzeuge den Weg durch das Dorf. «Das sind fast doppelt so viele Fahrzeuge wie vor 20 Jahren», sagt Gemeinderat Thomas Stöckli.

Der Mehrverkehr schafft gleich vier Probleme: Erstens gibt es in den Stosszeiten oft grössere Rückstaus vor Fussgängerstreifen und Abzweigungen. Zweitens kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Velofahrern und Fussgängern. Drittens leidet die Wohnqualität unter dem Lärm und den Abgasen. Viertens ist eine Strasse, auf der die Autos und Lastwagen im Sekundentakt vorbeidonnern, für die Detaillisten mässig attraktiv.

Der Gemeinderat will Gegensteuer geben – und sieht in der Sanierung der Kantonsstrasse, die in rund fünf Jahren ansteht, das optimale Zeitfenster dafür. Deshalb hat er im letzten Mai eine siebenköpfige Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Politik und Gewerbe eingesetzt. Diese soll ein Konzept für die Neugestaltung ausarbeiten – zusammen mit dem Kanton, dem die Strasse gehört.

«Natürlich sind die Interessen unterschiedlich», räumt Stöckli ein. «Doch ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden werden, die für alle Beteiligten stimmt.» Stöckli ist zuversichtlich, dass «spätestens Ende Jahr» ein Grobkonzept vorliegt.

Mit Tempo 30 durchs Dorf?

Aus Sicht der Gemeinde Frick bedeutet eine stimmige Lösung: Das Dorfzentrum aufwerten und den Verkehr verlangsamen. «Die Verkehrsmenge können wir nicht aktiv steuern», sagt Stöckli. «Aber wir können die Geschwindigkeit beeinflussen, mit der der Verkehr durch das Dorf fährt.» Stöckli vergleicht es mit einem Schwamm: «Er kann viel Wasser aufnehmen, lässt es aber nur langsam durchsickern.»

Eine solche Schwammwirkung könnte für Stöckli Tempo 30 haben. Der Fricker Baudirektor hat sich schon mehrfach dafür starkgemacht, die 1,1 Kilometer lange Hauptstrasse durch das Dorf in eine Tempo-30-Zone zu verwandeln. Das hat ihm einiges an Kritik eingetragen. Stöckli nimmt es gelassen. «Wir können den Lebensraum rund um die Hauptstrasse nur attraktiver machen, wenn wir Tempo rausnehmen.» Ob man dies am Schluss mit Tempo 30 oder mit baulichen Massnahmen erreicht, ist für Stöckli nicht so wichtig. «Das Ergebnis zählt.»

Bewusst ist sich Stöckli, dass jede Massnahme im Verkehrsbereich unliebsame Nebenwirkungen haben kann. Wie das Wasser suchen auch die Autofahrer geflissentlich nach Wegen, wo es besser fliesst. Im Fall von Frick könnte dies die Widengasse sein, die heute schon von manch einem als Kernumfahrung genutzt wird. «Es darf nicht sein, dass die Anwohner an der Widengasse die Leidtragenden sind», sagt Stöckli und verspricht: «Wir werden die Verkehrsentwicklung genau im Auge behalten und gegebenenfalls reagieren.»

Nutzen die Autofahrer indes eine weitere Umfahrungsmöglichkeit, ist dies ganz in Stöcklis Sinn: «Mit der Autobahn A3 haben wir eine natürliche Umfahrung von Frick», sagt Stöckli. «Sobald der Verkehr langsamer durch das Dorf rollt, werden viele die A3 nehmen. Und das ist gut so.» Eine spürbare Entlastung erwartet Stöckli zudem von der neuen Norderschliessung Bahnhof. Mit ihr soll der Verkehr, der von Eiken her kommt, direkt über den Kreisel Bölli nach Gipf-Oberfrick geführt werden und nicht mehr durch das Dorfzentrum oder über den Bahnhof fahren.

Aufenthaltsqualität steigern

Die Neugestaltung der Hauptstrasse soll indes nicht nur zu einer Verkehrsberuhigung führen, sondern auch zu einer Qualitätssteigerung für Passanten und Anwohner. «Früher finanzierten die Läden im Erdgeschoss die Wohnungen darüber», weiss Stöckli. «Heute ist das umgekehrt.» Das heisst aber auch: Die Wohnqualität muss stimmen.

Verhindern will Stöckli, was er in anderen Zentren beobachtet hat: Läden müssen schliessen, weil sie zu wenig Kunden haben und sich die Mietzinse nicht mehr leisten können. «Leere Läden schaden dem Dorf», weiss Stöckli. «Die Hauptstrasse muss für Shopper attraktiv sein.» Dazu gehören Sitzbänke, Cafés – und genügend Parkplätze. Wer nur schnell ein Brot holen will, soll Parkraum an der Strasse haben; wer länger shoppen will, soll sein Auto auf einem zentralen Parkplatz abstellen. Neben dem Widenplatz steht dafür künftig der Parkplatz beim «Rebstock» zur Verfügung. Die Gemeinde hat die Liegenschaft im Oktober gekauft.

Für Stöckli ist klar: «Der Verkehr gehört zu Frick.» Er sei eine Art Lebensnerv. Nur eben: Er muss den Nerv auch leben lassen.

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