Der Fricker Konditor Markus Kunz hat sich auf die Herstellung von Konfitüren spezialisiert. Hier kommt es nicht nur auf die richtigen Zutaten an, sondern auch auf das Rühren und den Zeitpunkt, die Konfitüre vom Herd zu nehmen.

In der Politik ist das nicht anders. Und so kochte Alt-Grossrat Markus Kunz am Mittwoch ein altes Thema neu auf: ein Fahrverbot für den Transit-Schwerverkehr über die Staffelegg. Ihn ärgern all die ausländischen Lastwagen-Fahrer, die den Pass als Abkürzung nutzen, um LSVA zu sparen. «Unter dem Verkehr leidet die Bevölkerung im Tal», ist er überzeugt.

Bereits vor 14 Jahre hatte Kunz im Grossrat eine Motion zum Thema eingereicht. Der Regierungsrat lehnte sie ab, weil sowohl rechtliche wie «funktionale Kriterien» gegen eine Sperrung sprechen. An dieser Position habe sich nichts geändert, sagt Giovanni Leardini vom Verkehrsdepartement.

Am Support aber schon. Auch Werner Müller (CVP), der Anfang Jahr für Martin Steinacher in den Grossrat nachrutschte, stört sich daran, dass internationale Speditionsfirmen mit ihren Sattelschleppern die Staffelegg als Abkürzung nutzen, nur um Kosten zu sparen. «Für den Transitverkehr ist die Autobahn da.» Er kann sich deshalb «sehr gut vorstellen», nochmals einen Vorstoss für ein Fahrverbot einzureichen.

Müller ist sich dabei bewusst, dass viele Fragen offen sind. Etwa jene, ob eine Sperrung rechtlich überhaupt machbar ist. Oder jene, wer mit seinem Lastwagen bei einem Verbot noch über die Staffelegg fahren darf. «Zumindest die Transporteure aus dem Staffeleggtal müssten vom Fahrverbot ausgenommen sein», sagt er.

Verkehr fast verdoppelt

Die Worte von Müller freuen einen ganz besonders: Thomas Treyer, Gemeindeammann von Herznach. Die Verkehrsbelastung habe in den letzten Jahren massiv zugenommen, sagt er. Das belegen die Zahlen: Gesamthaft fahren heute pro Tag knapp 10'600 Fahrzeuge über die Staffelegg – fast doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Die Zahl der Lastwagen stieg innerhalb der letzten 20 Jahre von 370 auf 545. Das merke man gut, sagt Treyer. «Wenn man im Sommer in der Nacht das Fenster offenlässt, hört man auch immer wieder Lastwagen mit Nachtfahrerlaubnis durch das Dorf fahren.»

Die drei Talgemeinden Ueken, Herznach und Densbüren sind deshalb vor kurzem beim Kanton vorstellig geworden. Das Ergebnis war ernüchternd. Massnahmen, um den Durchgangsverkehr zu drosseln, seien nicht möglich, beschied man den Gemeindevertretern an einer gemeinsamen Sitzung. Zum einen aus rechtlichen Gründen, zum anderen «sagte man uns, die Bevölkerungsdichte sei zu klein. Eine Umfahrung wäre deshalb unverhältnismässig.»

Treyer freut sich über die Bereitschaft von Müller, einen Vorstoss zu prüfen. «Auf unseren Support kann er zählen.» Andere Grossräte halten sich (noch) zurück. Elisabeth Burgener (SP) ist sich der «grossen Belastung», der das Tal ausgesetzt ist, bewusst. Sie präferiert jedoch eine gesamtregionale Lösung für das «generell grosse Verkehrsproblem». Es brauche eine Auslegeordnung, sagt sie. Ob sie einen Vorstoss unterstützen würde, «kann ich spontan nicht sagen. Dafür muss ich mich intensiver mit der Thematik befassen».

Tempo 30 statt Verbot

Für Christoph Riner (SVP) ist es derzeit zu früh, einen Vorstoss einzureichen. «Es braucht zuerst einen runden Tisch, an dem alle Betroffenen gemeinsam nach einer Lösung suchen.» Daniel Suter (FDP) hält ein Verbot in der Praxis für «nicht realistisch». Das Problem könne nur auf Bundesebene gelöst werden. Und das heisst: «Nur wenn es kostengünstiger ist, auf der Autobahn, anstatt auf den Landstrassen zu fahren, ist es möglich, den Verkehrsfluss zu steuern.» Mit der LSVA sei ein System vorhanden, das dafür ausgebaut werden könnte, glaubt Suter.

Ähnlich argumentiert Roger Fricker (SVP), Gemeindeammann von Oberhof und Postauto-Chauffeur. Nur wenn die LSVA für die gut 20 Mehrkilometer über die Autobahn vergütet respektive nicht verrechnet würden, sieht er eine Chance, den Schwerverkehr auf die Autobahn zu zwingen. «Die Vergütung braucht es, weil kein Kunde bereit ist, mehr zu zahlen, um ein Tal zu entlasten.» Eines ist für Fricker zudem klar: Sollte ein Verbot für die Staffelegg kommen, muss es auch für den Benken kommen. «Sonst verlagern wir einen Teil der Problematik einfach.»

«Wenn wir Tempo 30 innerorts einführen, löst sich das Problem von selbst. Der Schwerverkehr bleibt auf der Autobahn.»

Gertrud Häseli, Grüne-Grossrätin

«Wenn wir Tempo 30 innerorts einführen, löst sich das Problem von selbst. Der Schwerverkehr bleibt auf der Autobahn.»

Einen ganz anderen, radikalen Ansatz hat Gertrud Häseli (Grüne): Auf den Kantonsstrassen durch die Dörfer Tempo 30 einführen. «Dann löst sich das Problem von selber und der Transitverkehr bleibt auf der Autobahn.»