Arbeitsmarkt
Teilzeitarbeit: Im Fricktal sind viele nicht ganz hundert

Gemeinden haben viele Teilzeitpensen – auf dem Bau dagegen sind sie bislang eher unüblich. Eine Rundschau in der Region.

Marc Fischer
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Gemeinden suchen oftmals aktiv Teilzeitmitarbeiter.

Gemeinden suchen oftmals aktiv Teilzeitmitarbeiter.

Keystone

Vom Postauto-Chauffeur bis zur Assistenzärztin, vom Verkaufsberater Parfümerie bis zur Kundenberaterin bei einer Versicherung. Auf Online-Job-Portalen sind zahlreiche Teilzeitstellen ausgeschrieben. Das Bundesamt für Statistik hat derzeit die Zahlen bis Ende des dritten Quartals 2014 aufbereitet. Und diese zeigen, dass schweizweit 36 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weniger als 90 Prozent arbeiten. Die Frauen mit 59 Prozent deutlich öfter als die Männer (16 Prozent).

Die «Basler Zeitung» hat diese Woche geortet, dass Staatsangestellte Teilzeitarbeit lieben und «20 Minuten» sieht Teilzeitarbeit als Trumpf. Doch wie sieht es im Fricktal aus? Ein Blick auf grössere Gemeindeverwaltungen zeigt: Auch hier ist der Anteil der Teilzeitmitarbeiter hoch – höher gar als der nationale Wert.

In Rheinfelden etwa liegt er bei 38 Prozent, in Möhlin bei 45 Prozent und in Frick bei 47 Prozent der Angestellten, die unter das Personalreglement fallen. Hinzu kommen in Frick und Rheinfelden noch zahlreiche weitere Angestellte im Stundenlohn. In allen drei Gemeinden arbeiten deutlich mehr Frauen in Teilzeit als Männer.

Eine Tendenz hin zu mehr Teilzeitarbeit sehen der Möhliner Gemeindeschreiber Dieter Vossen und der Rheinfelder Stadtschreiber Roger Erdin aber nicht. In Laufenburg, das mit rund 22 Prozent einen tieferen Teilzeit-Anteil aufweist, hat Marco Waser dagegen einen «geringen Anstieg» ausgemacht.

Gemeindegrösse spielt eine Rolle

Vielerorts gibt der Stellenplan der Gemeinde die Pensen vor, seltener die Wünsche der Mitarbeiter. «Teilzeitstellen werden nach effektivem Bedarf als solche ausgeschrieben», sagt etwa der Fricker Gemeindeschreiber Heinz Schmid.

Und Florian Wunderlin, Gemeindeschreiber in Mettauertal, führt aus: «Wenn eine Vollzeitstelle frei wird, schreiben wir eine Vollzeitstelle aus, und wenn eine Teilzeitstelle frei wird, schreiben wir eine Teilzeitstelle aus.» Aber: «Bei interessanten Kandidatinnen und Kandidaten kann es durchaus sein, dass es bezüglich Pensum ein Entgegenkommen geben kann.»

In kleineren Gemeinden mit weniger Angestellten ist der Spielraum noch enger. «Zwei unserer drei Teilzeitpensen sind auf die Gemeindegrösse zurückzuführen», betont etwa Jacqueline Stöcklin, Gemeindeschreiberin in Schupfart. Und Martina Schütz ergänzt: «Die jetzigen Pensen sind aufgrund der verschiedenen Arbeitsbereiche und der Mitarbeiterbedürfnisse entstanden und verteilt worden. Das 50-Prozent-Pensum etwa ergibt sich aus der Einwohnerkontrolle und der SVA-Zweigstelle sowie des Inventuramtes der beiden Gemeinden Wölflinswil und Oberhof.» Auf der Verwaltung arbeiten drei der vier Mitarbeiter in Teilzeit.

Als Vorteil der Teilzeitarbeit nennen die Befragten die hohe Motivation der Arbeitnehmenden, die attraktivere Stellenvermittlung und die Flexibilität bei Stellvertretungen. Doch auch Nachteile wie eine schwierigere interne Kommunikation oder wechselnde Ansprechpartner gegen aussen werden nicht verschwiegen.

Auf dem Bau eine Seltenheit

Ein Blick auf andere Branchen zeigt, dass auch dort die Vor- und Nachteile bekannt sind. Laut Tamara Scheibli, Leiterin Kommunikation bei Volg, lege man grossen Wert auf die interne Kommunikation. «Die Mitarbeiter werden geschult», so Scheibli. Im Fricktal arbeiten in den direkt von Volg geführten Läden 114 Personen – 72 davon in Teilzeit. Dies entspricht einem Teilzeit-Anteil von 63 Prozent.

Ganz anders sieht es dagegen auf dem Bau aus: Die gesamte Erne-Gruppe beschäftigt im Fricktal 765 Mitarbeitende. Davon nur gerade 35 (knapp 5 Prozent) in Teilzeit – die meisten von ihnen im Bürobereich.

Sprecherin Olivia Pulver erklärt: «In der Baubranche ist es bis jetzt eher unüblich und oft auch nicht gefragt, Teilzeit zu arbeiten.» Anfragen für Teilzeitpensen kämen am ehesten von Kaderpersonen wie Polieren oder Projektleitern. Meistens seien jedoch ganze Gruppen vom Polier abhängig und die Bauprojekte sehr termingebunden und deshalb «und schwierig zu vereinen mit Teilzeitpensen von Kaderpersonen.»