Taube Ziri ist sein Liebling. Samuel Baumgartner (31) betrachtet den Vogel auf seiner Schulter voller Stolz und Zuneigung. Dass die Taube vor einigen Tagen ihren ersten Geburtstag erlebt hat, sei ein kleines Wunder, sagt Baumgartner. Geschlüpft ist Ziri vor einem Jahr, als er auf einer Geschäftsreise war. «Als ich sie fand, war sie gerade einmal zwei Tage alt und unterkühlt», sagt Baumgartner. Ziris Eltern hatten ihren Nachwuchs verstossen.

Eigentlich sei so ein Fall hoffnungslos, sagt Baumgartner. Trotzdem: Als er den kleinen Vogel in der Hand hielt und dieser sich durch die Wärme wieder zu bewegen begann, musste er es einfach versuchen. Unter einer Wärmelampe und eingewickelt in Frotteetücher verbrachte Ziri eine Nacht in der Wohnung. Und überlebte. Samuel Baumgartner und seine Freundin Denise Freiermuth fütterten das Täubchen einige Wochen mit Papageienfutter. «Er ist ein grosser Kämpfer, deshalb hat er es geschafft», sagt Baumgartner.

60 Tauben mitten im Dorf

Noch heute ist Ziri zahm, frisst Hanfsamen aus Baumgartners Hand und verbringt den Abend lieber auf seiner Schulter als irgendwo hoch oben in der Luft. Anders seine rund 60 Artgenossen in Baumgartners Taubenschlägen im Zeininger Mitteldorf. «Wenn sie einen Partner bekommen, verlieren sie meist ihre Zutraulichkeit», sagt Baumgartner. An seiner Faszination für die Tiere ändert das aber nichts.

«Es macht einfach Spass, mit den Tauben zu arbeiten. Sie sind glückliche und intelligente Tiere, alles andere als Ratten der Lüfte, als die sie oft verschrien werden», erklärt Baumgartner. Jedes Tier habe ausserdem seinen eigenen Charakter. Das zeige sich beispielsweise beim Fliegen: Einige sind motiviert, lange Flüge zurückzulegen, andere brauchen einen Ansporn.

Die Faszination Taube, sie begleitet Samuel Baumgartner seit der Kindheit. Sein Vater züchtete Brieftauben und er erzählt, dass er bereits als Dreijähriger bei den Tauben im Schlag gespielt habe. Einmal, am Vorabend eines Wettfluges, liess er heimlich Vaters Tauben raus – mit dem Resultat, dass diese stundenlang in der Luft blieben und am nächsten Tag keine Kraft für ein gutes Resultat mehr hatten. Baumgartner lacht.

Erst in den Teenager-Jahren verlor er die Faszination. «Neben der Lehre blieb kaum Zeit für das Hobby», sagt Baumgartner. Und natürlich, da war dann auch die Faszination Mädchen, die plötzlich wichtiger erschien. Der Zufall war es dann, der Baumgartner vor einigen Jahren daran erinnerte, wie gerne er mit den Tieren arbeitet.

Die Freundin überzeugt

Im Garten fand er damals einen jungen Vogel, eine Stadttaube. Baumgartner versuchte, sie zu retten, die Taube war jedoch bereits zu schwach und starb. «Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass die Faszination für die Tauben noch da ist», sagt er und fügt lachend an: «Das musste ich dann nur noch meiner Freundin und ihren Eltern beibringen.»

Sie alle liessen sich überzeugen. Freundin Denise Freiermuth durfte sogar das erste Pärchen aussuchen, das Baumgartner kaufte. Seither sind viele weitere Paare dazugekommen und etliche Jungvögel sind in Zeiningen geschlüpft. Die meisten sind Wiener Hochflieger oder Serbische Hochflieger.

Mindestens einmal im Jahr nimmt Baumgartner mit seinen Tauben an einem Flug-Wettbewerb teil. Ehrgeiz sei natürlich vorhanden, aber «richtig ambitioniert bin ich nicht», sagt Baumgartner. «Die Tauben müssen die Leistung erbringen. Wenn sie einmal gewinnen sollten, wäre das sicher schön. Aber es muss nicht um jeden Preis sein.» Glücklich macht ihn schon, wenn er seine Tauben dabei beobachten kann, wie sie über dem Dorf kreisen und manchmal nur noch als kleine Punkte am Himmel zu sehen sind. Oder wenn Ziri, sein Liebling, glücklich gurrt auf seiner Schulter.