«Etwas nervös bin ich schon», gesteht Herbert Lützelschwab, als er gestern in Frick ins Postauto nach Aarau steigt. Nicht wegen der Fahrt, die geniesst der 70-jährige Zeininger «in vollen Zügen», sondern wegen der drei Kartons, die er in seinem Rucksack mitschleppt und in einer halben Stunde an Staatsschreiber Peter Grünenfelder übergeben wird.

740 Blätter sind darin verstaut, jedes mit mehreren Unterschriften bestückt, 6546 im Total. So viele Fricktaler wehren sich dagegen, dass der Kanton die jährliche Subvention von 900 000 Franken an den Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) streicht. Ersatzlos.

Fricktaler Bevölkerung wehrt sich mit Petition gegen Tarifverbund-Sparpläne

Fricktaler Bevölkerung wehrt sich mit Petition gegen Tarifverbund-Sparpläne

«Ein unglaublich starkes Zeichen für eine Region mit nur rund 76 000 Einwohnern», freut sich Lützelschwab. Was ihn und die Mitunterzeichner gar nicht freut, ist «das Sparen zur falschen Zeit am falschen Ort», ereifert er sich, während der Kurs 135 Ueken erreicht. «Der TNW ist etwas vom Besten, was es gibt, eine einzige Erfolgsstory und daran darf man nicht grundlos rütteln.»

Spielregeln nicht ändern

Das Argument, dass andere Regionen ja auch keine Verkehrs-Extrawurst haben, wischt er mit einer Handbewegung weg. «Das Fricktal hat dafür beispielsweise keine Mittelschule bekommen.» Man habe dem Fricktal auch deshalb, als Ausgleich sozusagen, den TNW-Beitrag zugestanden «und jetzt einfach die Spielregeln im laufenden Spiel zu ändern, ist eine Frechheit.»

Das Postauto verlässt Herznach, nimmt Fahrt auf – und mit ihm Lützelschwab. «Leistungen zu streichen, ist die einfachste Sparmethode – oft aber auch die Schlechteste», meint Lützelschwab, der selber 10 Jahre in Zeiningen lang als Gemeinderat gewirkt hat.

Densbüren, Ausserdorf, Zwischenhalt. Eine Frau mit Kinderwagen steigt zu. «Ob ich an einen Erfolg glaube?», wiederholt Lützelschwab die Frage, blickt durch das Fenster, zuckt die Schultern. «Es wird sicher schwer werden. Aber die Fricktaler Grossräte haben mir versprochen, sich in ihren Fraktionen einzusetzen.» Dass sie das tun werden, beweisen sie wenige Minuten später, als sie fast vollzählig zur Petitionsübergabe erscheinen. Ihr Tenor: Einfach wird es nicht. «Doch nur wer kämpft, hat es versucht», so GLP-Grossrat Roland Agustoni.

Mitgekämpft haben auch viele Fricktaler Gemeinden. Sie warben aktiv für die Petition, legten die Unterschriftsbogen auf oder schalteten sie gar auf ihre Website. «Bei uns kamen viele Einwohner extra auf der Gemeindekanzlei vorbei, um die Petition zu unterschreiben», sagt Brunette Lüscher, Frau Gemeindeammann von Magden. Für sie ist klar: «Der TNW ist ein Vorzeigeprojekt, wie man die Leute auf den öV bringt.»

«Menschen lassen sich bewegen»

Aarau, Holzmarkt. Herbert Lützelschwab schultert seinen Rucksack, steigt aus. Drei Schilder baumeln am Gepäckstück. «Das Fricktal steht zusammen», steht auf einem. Die Leute schauen ihm nach, die einen schmunzelnd, die andern stirnrunzelnd. Auf dem Platz vor dem Grossratsgebäude packt Lützelschwab die drei Petitionsschachteln aus, allesamt mit einem roten Bändel versehen. «Weil ich auch ein Geschenk mitbringe», erklärt er dem Staatsschreiber. «Die 6546 Unterschriften zeigen, dass sich die Menschen bewegen lassen, dass wir keine teilnahmslose Gesellschaft sind.»

Eine halbe Stunde später, auf der Rückfahrt ins Fricktal, lehnt sich Lützelschwab auf dem Sitz zurück, rückt seine Brille zurecht. «Es war eine tolle Erfahrung.» Nun sei er aber froh, wieder mehr Zeit für anderes zu haben. Für die Familie, fürs Mountainbiken, für die Dorfchronik, an der er mitarbeitet. «Doch», meint er nach einer kurzen Pause, als die scheppernde Stimme ab Band gerade «Frick, Bänihübel» ankündigt, «doch, jetzt fühle ich mich schon erleichtert.» Wortwörtlich.