Tage des Denkmals
Von Nagelschuhen und Strickwaren: Kulturwerk-Stadt Sulz dreht in Rheinfelden die Zeit zurück

Im Fricktaler Museum präsentierte der Verein im Rahmen der Tage des Denkmals historisches Handwerk. Die zahlreichen Zuschauer erwarteten viele Attraktionen.

Horatio Gollin
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Corinne Kleeb (links) und Yvonne Obrist servieren Häppchen in Sulztaltracht.

Corinne Kleeb (links) und Yvonne Obrist servieren Häppchen in Sulztaltracht.

Horatio Gollin

Hitze und dicker Rauch schlugen den Museumsbesuchern beim Betreten der Nagelschmiede im Haus der Sonne entgegen. Im Rahmen der 28. Europäischen Tage des Denkmals bot das Fricktaler Museum einen lebendigen Einblick in historisches Handwerk.

An der Esse werkelten Bruno Roth und Hanspeter Schraner vom Verein Kulturwerk-Stadt Sulz. Mit geschickten Handgriffe schmiedeten die beiden Nägel nach alter Tradition. Hart schlugen die Hämmer auf die glühenden Vierkanteisen und formten auf dem Amboss konisch zulaufende Spitzen, die vom Eisen abgeschrotet wurden.

Bruno Roth (links) und Hanspeter Schraner präsentieren das altertümliche Handwerk.

Bruno Roth (links) und Hanspeter Schraner präsentieren das altertümliche Handwerk.

Horatio Gollin

Mit der Spitze voraus wurde der schon erkennbare Nagel in eine Matrize gesteckt und der Nagel in die endgültige Form gehämmert. Dabei prägte die Matrize auch ein Schweizer Kreuz in den Nagel ein. In der Nagelschmiede fertigen die beiden Firstkappennägel oder sogenannte Mugger an. Im Wasser abgekühlt, konnten die fertigen Nägel von den Besuchern bewundert werden.

Geschmiedete Nägel.

Geschmiedete Nägel.

Horatio Gollin

«Das Handwerk wurde noch während des Zweiten Weltkriegs ausgeführt», erklärte Roth, präsentierte einen Stiefel mit genagelter Sohle, und führt aus:

«Beim Militär wurden solche Schuhe bis in die 1970er-Jahre noch verwendet.»

Schraner ergänzte, dass besonders im 19. Jahrhundert das Handwerk in der Schweiz weit verbreitet war. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs begann aber die Herstellung von maschinell gefertigten Nägeln und mit dem Aufkommen von Gummisohlen starb das Handwerk schliesslich aus.

Älteste Strickmaschine ist über 100 Jahre alt

Ein weiteres altes Handwerk präsentierten Margrit Obrist und Pia Roth auf einer 70 Jahre alten Strickmaschine. Roth erklärte, dass die Strickmaschine der Firma Dubied aus dem Val de Travers, der Hochburg der Strickmaschinen, stammte. Mit der Maschine kann rund oder flach gestrickt werden. «Im Moment stricken wir einen Schal», erklärte Obrist.

Margrit Obrist bedient die Strickmaschine.

Margrit Obrist bedient die Strickmaschine.

Horatio Gollin

Es ist aber noch Handarbeit nötig, da der Schal nach dem Abnehmen abgenäht werden muss. Ein grobes wie ein feines Stricken ist möglich. Die 160 Nadeln der Maschine müssen je nach Muster individuell eingestellt werden. Auch Mützen, Kinderschuhe und Kissenbezüge lassen sich anfertigen.

Früher bedeuteten die Strickmaschinen einen guten Nebenerwerb und Frauen fertigten im Zweiten Weltkrieg Militärsocken an. Obrist weiss, dass eine ältere Frau in Sulz noch bis in die 1980er-Jahre Strickwaren mit so einer Maschine gemacht hatte. In Sulz hat der Verein rund 20 alte Strickmaschinen, von denen die älteste über 100 Jahre alt ist.

Pia Roth zeigt ein mit der Strickmaschine angefertigten Kissenbezug.

Pia Roth zeigt ein mit der Strickmaschine angefertigten Kissenbezug.

Horatio Gollin

Den 100 Mitgliedern ist es seit 2009 ein wichtiges Anliegen, die alten Traditionen am Leben zu erhalten, und bei den Museumsbesuchern stiessen sowohl die Nagelschmiede wie auch die Strickmaschine auf grosses Interesse. Einen zusätzlichen Hingucker boten Corinne Kleeb und Yvonne Obrist, die in Sulztaltracht Häppchen und Getränke servierten.

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