SVP-Nationalrat Maximilian Reimann traute seinen Ohren nicht, als er an der Mitgliederversammlung des windkraftkritischen Vereins «Pro Burg» hören musste, der Verein bekäme keinen Einblick in die vorhandenen Winddaten. Hier, auf der Burg bei Oberhof, will die Windpark Burg AG fünf Windenergieanlagen bauen.

An der Windpark Burg AG beteiligt sind die Gemeinde Kienberg mit 5 Prozent, die AEW Energie AG mit 25, vento ludens Suisse GmbH mit 30 und die Genfer Stadtwerke mit 40 Prozent. Offensichtlich seien die Betreiber des Projekts versucht, «unter dem Deckel der Intransparenz die Ertragsprognosen zu beschönigen und damit die betroffenen Gemeinden mit lukrativen Abgeltungen für sich zu gewinnen», vermutete Reimann. Eine Beschönigung der Daten bestreitet die Windkraft Burg AG.

Flugs griff Reimann nach der Versammlung in die Tastatur und reichte für die Fragestunde des Bundesrates eine Anfrage ein. Er findet eine Offenlegung der Daten zwingend «für eine seriöse Überprüfung der von direktbetroffenen Kreisen vermutlich schöngefärbten Wirtschaftsprognosen». Ob der Bundesrat willens sei, «mir Einblick in diese ‹Geheimdaten› zu verschaffen?», wollte er von der Landesregierung wissen.

Nein, antwortete der Bundesrat am Montag in der Fragestunde. Die Messungen habe die Firma mit eigenen Mitteln finanziert und demnach seien die Daten deren Eigentum. «Der Bundesrat kann somit keinen Einblick in die Daten gewähren.» Er stelle aber mit dem schweizerischen Windatlas Grundinformationen über die Windverhältnisse in der Schweiz bereit. Dieser Windatlas sei öffentlich und steht allen interessierten Kreisen zur Verfügung.

«Mit dieser ‹Verschwiegenheitspolitik› verschaffen sich die beiden im öffentlichen Eigentum stehenden Hauptaktionäre der Windpark Burg AG, die Stadtwerke Genf und die AEW Energie AG, aber alles andere als öffentliches Vertrauen», kommentiert Reimann die bundesrätliche Antwort. «Wer mit einem solchen Projekt derart massiv in eine intakte Naturlandschaft eingreifen und den betroffenen Dörfern signifikante Immissionen zumuten will, sollte mit offenen Karten spielen», findet er. Deshalb «sei dem Verein Pro Burg geraten, auf der Herausgabe der Winddaten zu insistieren, entweder direkt bei der Projektbetreiberin oder mithilfe der involvierten Gemeinden».