Grosses Interview
SVP-Reimann über möglichen Politrückzug: «Lege Karten bis Anfang 2019 auf den Tisch»

Maximilian Reimann politisiert seit 30 Jahren in Bern. Auf seinen Vorstoss hin hat das Parlament die Altersgrenze für den Fahr-Check beim Arzt von 70 auf 75 erhöht. Wie ist der 75-Jährige auf der Strasse unterwegs? Eine Interviewfahrt durch das Fricktal, das Leben – und die politische Zukunft.

Thomas Wehrli
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Maximilian Reimann
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Der 75-jährige Politiker chauffiert die AZ-Crew sicher durch das Fricktal.
Reimann: «Natürlich wurde ich von der Partei angefragt, ob ich mir einen vorzeitigen Rücktritt vorstellen könnte. Die Antwort war klar, ein hundertprozentiges Nein.»
1987 wurde er in den Nationalrat gewählt.
Reimann im Interview mit Thomas Wehrli, Ressortleiter Fricktal.
«Natürlich gibt es Menschen, die im Alter nicht mehr sicher unterwegs sind. Daraus aber eine fixe Regulierung für allel abzuleiten, finde ich unseriös.»
Reimann vor seinen alten Wahlplakaten in der Garage. Das Schild rechts wurde anlässlich seiner Wahl von (ihm unbekannten) Einwohnern Oberfricks gemalt und in den Garten gestellt.
Es folgen weitere Bilder.

Maximilian Reimann

Severin Bigler

Montagmorgen, kurz vor 8.30 Uhr. Das Quartier in Gipf-Oberfrick, in dem SVP-Nationalrat Maximilian Reimann lebt, wirkt wie ausgestorben. Ich klingle. Maximilian Reimann öffnet, grüsst, schaut auf die Uhr. «Sie sind etwas zu früh», sagt er. «Ich muss noch etwas im Büro erledigen. Wir treffen uns vor der Garage.» Drei Minuten später kommt er aus derselben. Gut gelaunt, bereit für eine Fahrt. Durch das Fricktal. Und sein Leben.

Wir stehen vor Ihrem Haus. Was bedeutet es Ihnen, hier zu wohnen?

Viel. Ich bin in Frick aufgewachsen und fühle mich als echter Oberfricktaler (lacht). Nach vielen Stationen, die mich rund um die Welt geführt haben, bin ich 1978 fast zielgenau wieder am Ort gelandet, an dem ich aufgewachsen bin.

Was bedeutet Ihnen das Wohnen?

Frei in eigenen vier Wänden leben zu können, an einem Ort, den ich mir selber aussuchen konnte.

Was machen Sie, wenn Sie zu Hause sind?

Ich bin zwar im Rentenalter. Doch einen grossen Teil der Zeit verbringe ich nach wie vor im Büro, beim Aktenstudium oder am Computer. Wichtig ist mir aber auch der Ausgleich, und den finde ich beim Golfspielen in Frick und Rickenbach. Da ist man drei bis vier Stunden in der Natur unterwegs – das tut unheimlich gut.

Zur Person

Maximilian Reimann, 75, wuchs in Frick und Laufenburg auf, studierte in Zürich und Genf Rechts- und Staatswissenschaft. Beruflich war er unter anderem Finanzdirektor eines Exportunternehmens und arbeitete nebenberuflich für das Schweizer Fernsehen. 1987 wurde der SVP-Politiker in den Nationalrat gewählt. Von 1995 bis 2011 sass er im Ständerat, seither ist er wieder Nationalrat. Maximilian Reimann ist zweifacher Vater und lebt in Gipf-Oberfrick.

Welches Handicap haben Sie?

16,3. Das Handicap ist mir aber überhaupt nicht wichtig. Ich spiele fast keine Turniere, spiele lieber frei und unabhängig fixer Regeln.

Sind Sie auch ein guter Gastgeber?

Ich denke schon. Ich geniesse es sehr, wenn die Familie zusammenkommt.

Was bedeutet Ihnen die Familie?

Gestern war der Enkel da. Das waren herrliche Stunden. Auch, weil man sieht, dass das Leben weitergeht – und man einen Beitrag dazu geleistet hat (lacht). Gleichzeitig macht man sich auch Sorgen, gerade jetzt, wo ich sehe, wie stark meine Tochter Evelyn leidet. Sie ist elektrosensibel und der Alltag ist für sie angesichts der stets grösser werdenden Strahlenbelastungen ein Horror. (Die AZ berichtete.)

Sieht man Maximilian Reimann viel im Dorf?

Ich kaufe den Grossteil im Dorf ein, im Volg, beim Beck oder je nach Saison auch direkt bei Bauern. Mir ist es wichtig, das lokale Gewerbe zu unterstützen.

In der Schweiz können sich auch Prominente unbehelligt bewegen. Ein Luxus?

Sicher, ja. In Bern sieht man auch immer wieder Bundesräte, wie sie sich alleine in der Stadt bewegen, selbst am dicht gedrängten Zibelemärit. Was mir allerdings Sorgen macht, ist die Sicherheitsfrage. Der Kampf gegen den Terrorismus und die Sicherheit des Landes sind zwei zentrale Themen, die uns noch stark beschäftigen werden. Aus Sicherheitsgründen bin ich auch sehr skeptisch, ob die Schweiz Olympische Spiele übernehmen soll. Da wird Sicherheit enorm teuer. Zudem bindet es Hunderte von Sicherheitskräften über einen langen Zeitraum. Diese Kräfte fehlen dann andernorts, in den Kantonen. Meine Alternative ist: Konzentration auf Welt- und Europameisterschaften im eigenen Land, in Sportarten, wo wir mit dabei sind, etwa im Ski, Eishockey, Leichtathletik oder Orientierungslauf.

Von der grossen auf die kleine Bühne: Beschäftigt Sie auch die Dorfpolitik?

Sicher, ja.

Dann trifft man Sie auch an den Gemeindeversammlungen?

Das eher seltener. Ich gehe vielleicht an jede vierte oder fünfte Gmeind. Das letzte Mal war ich da, als es um die Einbürgerung von Nancy Holten ging.

Nancy Holten ist für viele Gipf-Oberfricker ein rotes Tuch. Sie hat die Gemeinde zwar über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht, doch nicht unbedingt in ein vorteilhaftes Licht gerückt. Ärgert Sie das?

Wissen Sie, was mich wirklich ärgert?

Nein.

Dass die Medien derart einen Rummel um sie machen. Frau Holten kann tun und lassen, was sie will. Muss das alles aber in die Medien? Ich habe nichts gegen sie selber, ich habe sie sogar einmal durch das Bundeshaus geführt, als sie dort zu Besuch war. Denn wenn ein Gipf-Oberfricker im Bundeshaus ist, wird er von mir betreut, wenn er das will.

Es ist Zeit, loszufahren. Maximilian Reimann holt sein Auto aus der Garage. Weisser Toyota SUV, gepflegt, alles drin, was es braucht. Sitzheizung, Navi, Rückfahrkamera. Der Kofferraum, in dem der AZ-Fotograf seinen Rucksack verstaut, öffnet sich automatisch. Ein «gäbiges Auto», wird Reimann später, unterwegs, sagen.

Wir fahren los, Richtung Frick–Kaisten–Laufenburg. «Die Strecke fahre ich fast jede Woche ein- bis zweimal», sagt Reimann. Auf dem Weg zum Golfplatz in Rickenbach. Die Fahrt werde künftig etwas mühsamer, sagt Reimann. «Sie wissen schon.» Ja, ich weiss, in Laufenburg wird ab April die Strasse ausgebaut. Ein Verkehrschaos ist da vorprogrammiert. Wir unterhalten uns über mögliche Alternativrouten.

Ich habe manchmal das Gefühl, in der Schweiz wird wahnsinnig viel an den Strassen gebaut. Sie auch?

Ja, aber was will man? Es gibt immer mehr Leute und damit auch immer mehr Verkehr. Da bleibt nichts anders übrig, als die Strassenkapazitäten anzupassen.

Wir fahren gerade am Bahnhof in Frick vorbei. Nehmen Sie manchmal auch den Zug?

Aber sicher. Wenn Session ist, fahre ich mit meinem Auto bis nach Aarau und nehme von da den Zug. Ich habe einen Dauerparkplatz im Bahnhof-Parking gemietet, das ist optimal. Wie alle Parlamentarier besitze ich ein Generalabonnement erster Klasse. Das ist ideal, um im Zug zu lesen und zu arbeiten.

Ein Thema mit Zugkraft. Grünen-Nationalrätin Irène Kälin will, dass Parlamentarier wählen können, ob sie ein GA erster oder zweiter Klasse wollen. Was sagen Sie dazu?

Gegen eine Wahlmöglichkeit habe ich nichts. Sollte uns aber nur noch ein Zweitklass-GA zugestanden werden, würde ich für die 1. Klasse selber draufzahlen. Denn die Zeit im Zug ist wertvoll und in der 1. Klasse kann man einfach besser arbeiten.

Maximilian Reimann stellt den Blinker. Blick in den Spiegel, Seitenblick. Alles, wie es sein soll. Wir fahren den Kaistenberg hinauf. Er wähle das Fahrzeug nicht nach der Marke, sondern nach den Bedürfnissen aus, sagt er, während sein Automat die Schaltarbeit erledigt. Dritter Gang, vierter Gang. «Und nach der Garage. Mir ist wichtig, dass ich den Service so nahe als möglich von zu Hause machen kann.»

Wie würden Sie sich als Autofahrer charakterisieren? Ruhig oder forsch?

Eher ruhig – ausser, ich habe einen Schleicher vor mir. Dann kann ich mich schon mal nerven. Denn die Schleicher behindern den Verkehrsfluss und provozieren andere, auch an nicht so übersichtlichen Stellen zu überholen.

Können Sie auch einmal etwas zu viel Gas geben?

Das passiert ja jedem einmal.

Wann hatten Sie die letzte Busse?

Das ist schon eine Weile her, als ich noch im Europarat war und zu schnell über die Rheinbrücke von Keel nach Strassburg hinüberfuhr.

Die A1 soll bis 2030 zwischen Aarau Ost und Birrfeld auf sechs Spuren ausgebaut werden. Reicht das? Oder sprechen wir bald von einem Ausbau auf acht Spuren?

Ich glaube nicht, dass der Platz dafür ausreicht. Da müssten wir wohl doppelstöckig bauen (lacht). Immer mehr ausbauen kann nicht die Lösung sein. Wir müssen tiefer ansetzen, um den drohenden Verkehrskollaps zu verhindern: beim Bevölkerungswachstum. Wir dürfen nicht mehr ungebremst weiterwachsen, wir müssen die Zuwanderung unter Kontrolle bringen. Das ist für mich eine prioritäre Aufgabe – zum Wohl der künftigen Generationen.

Meine Behauptung: Im Alter fährt man schlechter.

Natürlich gibt es Menschen, die im Alter nicht mehr sicher unterwegs sind. Daraus aber eine fixe Regulierung für alle abzuleiten, finde ich unseriös. Denn ältere Autofahrer haben eine grosse Erfahrung. Die Statistik belegt zudem: Die meisten Unfälle bauen nicht ältere, sondern junge Autofahrer. (Blick nach links, Blick nach rechts. Abbiegen.) Ich jedenfalls fahre noch so sicher wie früher. Oder?

Doch, dieses Zwischenfazit lässt sich ziehen: Maximilian Reimann fährt gut und sicher. Und das sagt jemand, der gar kein guter Beifahrer ist. «Wissen Sie», sagt der Nationalrat da. «Ich habe ja nichts dagegen, dass ältere Autofahrer regelmässig zum Fahrtüchtigkeits-Check müssen. Die Frage ist nur, ab welchem Alter.» Und hier hat Reimann vor knapp zwei Jahren einen seiner grössten politischen Coups gelandet: Auf seinen Vorstoss hin setzten die beiden Ratskammern die Altersgrenze von 70 auf 75 rauf.

Dass nun Doris Leuthard die neue Regelung erst ab nächsten Jahr in Kraft setzt, sei «eine Unverschämtheit», enerviert sich Reimann, «dahinter stecken die Strassenverkehrsämter. Man hat sie in ihrem Königreich gestört und nimmt ihnen fünf Jahrgänge weg. Dagegen waren aber auch einige Verkehrsmediziner, die für sogenannte Obergutachten fette Honorare zulasten älterer Autofahrer generieren konnten. Klar auf meiner Seite stand der Schweizerische Hausärzteverband.»

Sie mussten selber schon dreimal zum Fahrtüchtigkeits-Check. Bringt der was?

Ich bin mehr als skeptisch. Um einen Untauglichen zwischen 70 und 75 zu erwischen, der nicht mehr fahren sollte, müssen hundert andere diese Prozedur über sich ergehen lassen. Das ist unverhältnismässig. Zudem: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Und einfach nie vergessen: In Deutschland, Österreich oder Frankreich gibt es überhaupt keine solchen Medizinalchecks für Senioren-Autofahrer.

Die Frage, die sich im Alter stellt: Erwische ich den Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr fahren sollte? Was denken Sie?

Nicht mehr zu fahren, ist ein massiver Einschnitt ins Leben. Es raubt einem ein grosses Stück Freiheit. (Überlegt kurz.) Doch auch ich werde diesen Einschnitt einmal schaffen (lacht.) Aber der Moment darf gerne noch 15 Jahre auf sich warten lassen.

Wir fahren Richtung Sisseln, dem Rhein entlang. Wie der Fluss mäandert auch das Gespräch vor sich hin. Wir reden über das Sisslerfeld («ich erlebte noch, als hier ein Flugplatz war»), die Pharmaindustrie («sie hat den wirtschaftlichen Aufschwung der Region ermöglicht»), den Pharma-Cluster («natürlich ist das ein gewisses Klumpenrisiko, doch wir haben immer mehr Menschen, die immer älter werden und Medikamente brauchen»). Wir unterhalten uns über die Landesgrenze («ich habe es noch knapp erlebt, als sie die Grenze zwischen Krieg und Frieden war»), das Abgrenzen («ich hoffe, die Grenze trennt uns noch lange von der EU»), das Ausgrenzen («die Asylpolitik in der Schweiz ist viel zu large») und über grenzüberschreitende Beziehungen («ich habe sehr gute Kontakte zu deutschen Bundestagsabgeordneten, denn ich war lange Mitglied der Schweizer Delegation für die Beziehungen zum Deutschen Bundestag, vier Jahre gar Präsident»).

Trifft man Sie manchmal auch beim Shoppen in Deutschland an?

Höchst selten. Ich kaufe so viel wie möglich in der Region ein.

Der Einkaufstourismus liegt dem regionalen Gewerbe schwer auf dem Magen.

Das verstehe ich – und ich verstehe einfach nicht, weshalb sich Deutschland mit der Rückerstattung derart viel Mehrwertsteuer einfach durch die Lappen gehen lässt. Unverständlich. Am Freitag sprach ich noch mit unserem Finanzminister Ueli Maurer darüber und er sagte mir, Berlin erstatte lieber Mehrwertsteuern zurück, als die grenznahen Einkaufszentren zu verärgern, falls die Schweizer ausbleiben sollten.

Verstehen Sie aber jene Schweizer, die in Deutschland einkaufen?

Natürlich. Das machen ja nicht nur Privatpersonen, sondern auch die Unternehmen: Sie kaufen da ein, wo sie die besten Konditionen bekommen. Ich mache keinem einzigen Schweizer einen Vorwurf. Allerdings finde ich es sehr fragwürdig, wenn man dafür Hunderte Kilometer fährt. Waren Sie auch schon an einem Samstag im Laufenpark in Laufenburg?

Ja, aber schon länger nicht mehr.

Wenn man sich da auf dem Parkplatz umsieht, entdeckt man selbst Autos mit Berner, Innerschweizer oder Glarner Nummern. Da frage ich mich schon, ob Einkaufen auf diese Distanz noch sinnvoll ist, zeitlich und von der Umwelt ganz zu schweigen.

Wir biegen in Stein links ab, zurück ins obere Fricktal, Basel im Rücken.

Viele Fricktaler sind Basel-orientiert. Sie auch?

Nein, ich bin Aargauer – und ich bin stolz darauf. Als ich 1958 vor der Entscheidung stand, wo ich die Mittelschule besuchen will, entschied ich mich bewusst für Aarau – und war lange der einzige Fricktaler dort.

Immer wieder kommt die Diskussion über einen Kanton Nordwestschweiz auf ...

... hören Sie mir damit auf! Das ist eine staatspolitische Illusion, ja für mich gar eine Schnapsidee. Einen Kanton Nordwestschweiz wird es in den nächsten 50 Jahren nicht geben. Ein Oberhöfler oder Gansinger will doch nicht von Basel aus regiert werden!

«Natürlich wurde ich von der Partei angefragt, ob ich mir einen vorzeitigen Rücktritt vorstellen könnte. Die Antwort war klar, ein hundertprozentiges Nein.»

Was ist für Sie Heimat?

Ui, eine schwierige Frage. Ich moderierte vor vielen Jahren mal eine Sendung auf 3 Sat, einen Themenabend zur Heimat. Selbst nach diesem Abend wusste ich nicht so recht, wie ich nun das Wort «Heimatgefühl» mit Worten umschreiben würde. Ich denke, das muss man auch nicht können. Heimat ist für mich ein Gefühl, das tief in mir verankert ist. Es ist ein Ort, wo man sich wohl fühlt und wo man sich verwurzelt fühlt.

Die Heimat sei bedroht, sagen einige, weil immer mehr Menschen aus anderen Kulturkreisen bei uns wohnen. Teilen Sie diese Ängste?

Ja, die zunehmende Islamisierung der Schweiz macht mir grosse Sorgen. Es wird der Tag kommen, an dem in der Schweiz mehr Muslime als Christen leben. Das Christentum verliert heute schon zusehend an Bedeutung.

Sind Sie noch in der Kirche?

Ja, ich zahle Kirchensteuern, katholische, aber ein wackerer Kirchengänger bin ich nicht. Auch mag ich Politisieren von der Kanzel herab nicht. Das ist nicht die Aufgabe eines Seelsorgers. Und tut er es trotzdem, dann will ich nicht zu den Adressaten gehören.

Sind Sie gläubig?

Ich glaube daran, dass es eine überirdische Macht gibt, die wir Gott nennen.

Was kommt für Sie nach dem Tod?

Das Leben geht in einer anderen Dimension weiter. Wie dieses Leben sein wird, weiss ich nicht – das weiss niemand. Ich hinterfrage das auch nicht gross. Irgendwann kommt der Moment. Dann bin ich nicht mehr. Viel wichtiger, als nach dem Danach zu fragen, ist mir, für das Davor zu schauen – dass alles gut geregelt ist, wenn der Moment einmal da ist.

Wir biegen in die Strasse ein, an der Reimann wohnt, fahren die Einfahrt zum Haus hoch. Reimann hält, stellt den Motor ab, winkt der jungen Dame im Garten zu. «Die Gärtnerin», sagt er, steigt aus, unterhält sich kurz mit ihr.

Herr Reimann, wir sind zurück. Der Kreis hat sich geschlossen. Schliesst sich 2019 auch Ihr Politikkreis?

Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich 2019 noch einmal kandidieren will. Die Karten lege ich spätestens Anfang 2019 auf den Tisch.

Sie sind der älteste Parlamentarier in Bern. Was sagen Sie einem jüngeren Kollegen, wenn er sagt: «Maximilian, es wird Zeit, den Sessel zu räumen.»

Derartige Forderungen kommen meist von Leuten, die selber einen Sitz wollen, aber bislang nicht gewählt wurden. Sie skandieren: «Sesselkleber!», «Verhinderer!». Ich fühle mich nicht als solcher. Zudem stellte ja die Familie Reimann mit Lukas, meinem Neffen, lange den jüngsten Nationalrat (lacht.) Für Ausgleich ist also familienintern gesorgt.

Die SVP Aargau hat eine Altersbeschränkung eingeführt. Wer älter als 63 ist, muss am Parteitag in geheimer Abstimmung eine Zweidrittelmehrheit haben. Was halten Sie davon?

Nichts, aber ich kann damit leben. Aus meiner Sicht haben wir viel zu wenig Senioren-Parlamentarier, insbesondere die über-70-Jährigen sind im Parlament massiv untervertreten. Das Wort Volksvertretung trifft da nur mehr bedingt zu.

Können Sie sich vorstellen, vorzeitig zurückzutreten?

Nein. Ich wurde von den Wählern für vier Jahre gewählt. Und ich bin es ihnen schuldig, diese vier Jahre auch durchzuziehen. Zudem ist Politisieren für mich selbst nach 30 Jahren immer noch eine klare Herausforderung, die einem auch Freude macht.

Die Partei setzt Sie nicht unter Druck?

Natürlich wurde ich von der Partei angefragt, ob ich mir einen vorzeitigen Rücktritt vorstellen könnte. Die Antwort war klar, ein hundertprozentiges Nein.