Die wählerstärkste Partei, die SVP, hat in Bern einen Generationenwechsel vor sich: Von den sieben amtierenden Nationalräten treten auf der SVP-Liste am 20. Oktober nur drei nochmals zur Wahl an und mit Hansjörg Knecht zieht es einen der Bisherigen zugleich ins Stöckli.

Die Ausgangslage verspricht zusätzlich Spannung, da zwei der heutigen SVP-Nationalräte, der Fricktaler Maximilian Reimann und der Badener Luzi Stamm, je mit eigener Liste antreten.
Holt die SVP wieder sieben Sitze, was nicht unmöglich ist, und schafft Knecht die Wahl in den Ständerat, hat insbesondere Désirée Stutz, die auf Listenplatz 8 ins Rennen steigt, keine schlechten Wahlkarten.

Doch wo steht Stutz auf der politischen Karte? Und wo steht sie im Vergleich mit dem zweiten Fricktaler Kandidaten auf der SVP-Hauptliste, Christoph Riner? Onlinewahlhilfen wie Vimentis helfen bei der Einordnung. Eine Auswertung des Profils von SVP-Nationalrat Maximilian Reimann folgt separat, da er diesmal nicht auf der SVP-Liste antritt.

Auf der Links-rechts-Achse steht Stutz weiter rechts als Riner, der dafür seinerseits etwas konservativer unterwegs ist als Stutz. Beim Spider, der die Positionierungen zu acht Themenbereichen aufzeigt, sind sich Riner und Stutz bei den meisten Themen sehr nahe.

Christoph Riner.

Christoph Riner.

Die Spinnennetze der beiden SVPler sind denn auch sehr ähnlich gewoben, was bei anderen Parteien, bei denen die AZ die Profile der Fricktaler Kandidaten bereits miteinander verglichen hat, nicht der Fall war. Insbesondere bei Rolf Schmid und Carole Binder-Meury, beide SP, war die Netzstruktur augenfällig anders.

Der politische Spider von Christoph Riner.

Der politische Spider von Christoph Riner.

Ähnlich sind sich Stutz und Riner unter anderem bei der Ausländerpolitik, wo sich beide für eine strikte Handhabung starkmachen, und beim Rechtssystem, wo beide für ein strenges Regime plädieren. Dies sind zwei Kernpositionen der SVP.

Mehr Umweltschutz will keiner von beiden und auch beim umfassenden Sozialstaat und bei der liberalen Gesellschaft sind die Ausschläge eher klein. Während sich Stutz stärker als Riner für eine freie Wirtschaft und eine restriktive Finanzpolitik ausspricht, kann sich der Zeiher zumindest eine leise aussenpolitische Öffnung vorstellen.

Riner und Stutz haben 8 der 73 Fragen konträr beantwortet

Taucht man in die 73 Fragen ein, die dem Spider zugrunde liegen und die die Kandidaten selber ausgefüllt haben, so zeigt sich auch hier eine grosse Einigkeit. So haben Riner und Stutz nur gerade 8 der 73 Fragen konträr beantwortet, das heisst einer sagte bei der gleichen Frage (eher) ja, der andere (eher) nein. Zum Vergleich: Die beiden SP-Kandidaten haben 19 Fragen konträr beantwortet.

Uneinig sind sich Riner und Stutz bei der Frage, ob Frauen auch Armee-, Zivildienst oder Zivilschutz leisten sollen. Stutz ist eher dafür, Riner klar dagegen. Er hält auch nichts von einer Impfpflicht für Kinder im Kindergartenalter, Stutz kann sich dies zumindest vorstellen (eher dafür).

Désirée Stutz.

Désirée Stutz.

Zu einer Einschränkung des Leistungskatalogs bei der obligatorischen Krankenkasse auf die lebensnotwendigsten Leistungen, um die Prämie zu senken, sagt Stutz eher Ja, Riner klar Nein. Auch dagegen ist Riner, dass das ordentliche Rentenalter für Männer und Frauen mittelfristig je um mindestens ein Jahr erhöht wird; Stutz kann sich auch das vorstellen.

Dafür hält die Rechtsanwältin aus Möhlin nichts davon, die Hochschulabschlussquoten pro Gymnasium öffentlich zu machen, um die Qualität der Gymnasien schweizweit vergleichen zu können. Riner findet dies eine gute Idee. Dafür ist er bei einer vollständigen Liberalisierung des Strommarktes eher skeptisch; Stutz kann sich das zumindest vorstellen.

Der politische Spider von Desirée Stutz.

Der politische Spider von Desirée Stutz.

Von einer vom Bundesrat festgelegten Preisobergrenze für Roaminggebühren hält sie dafür gar nichts, Riner ist eher dafür. Er plädiert zudem klar dafür, dass zukünftig auch Online- und Printmedien aus den Mitteln der Radio- und Fernsehabgaben unterstützt werden, wenn sie auf lokaler oder regionaler Ebene Service-public-Leistungen erbringen. Stutz ist ebenso klar dagegen.

Summa summarum beantwortet Désirée Stutz 44 Fragen mit einem klaren Ja oder Nein, also einem ++ oder einem --, Christoph Riner sogar deren 61. Bei der GLP lag dieser Wert bei 33 und 45 Fragen, bei der SP bei 58 und 65 Fragen, und bei der CVP, die als einzige der grossen Parteien drei Kandidierende aus dem Fricktal auf der Hauptliste hat, lag der Wert zwischen 8 und 38.