Wer Schweizer werden will, muss zeigen, dass er die Schweiz versteht. Sprachlich, wertemässig – und als Staatsbürger. Kurz: Wo Schweiz draufsteht, soll auch Schweiz drin sein.

Um dies nachzuweisen, muss der Einbürgerungswillige neben einem Sprach- auch einen staatsbürgerlichen Test ablegen. Seine staatsbürgerlichen Kenntnisse sind dann ausreichend, so beschreibt es das «Merkblatt KBüG» wortreich, «wenn Grundkenntnisse der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in der Schweiz, im Kanton und in der Gemeinde bestehen, die insbesondere zur Teilnahme am politischen Leben befähigen sowie die Ausübung der politischen Rechte ermöglichen».

So weit, so merkblatttauglich. Doch wie schwer ist dieser Test, bei dem der Gesuchsteller innert 40 Minuten 45 Fragen beantworten muss? Und: Eignet er sich, um die staatsbürgerlichen Kenntnisse eines Schweiz-Kandidaten zu beurteilen?

Antreten zum Staatskundetest

Die az machte die Probe aufs Exempel. Zum staatsbürgerlichen Test trat an: Riner, Christoph, 37, Kaufmann, SVP-Grossrat aus Zeihen, Schweizer «mit Leib und Seele».

Die Zeit läuft. Frage 1: Wie heisst das schweizerische Parlament? Vier Antworten stehen zur Wahl. «Bundesversammlung», klickt Riner an. «Die Antwort ist richtig!», meldet das System.

Fragen 2 bis 4 drehen sich ebenfalls um die direkte Demokratie. Kein Problem für Riner. Noch bleiben ihm 39 Minuten Zeit. «Diese Fragen sind gut, denn sie zeigen, ob sich ein Einbürgerungswilliger wirklich für die Schweiz interessiert.»

Frage 5: Worüber entscheidet die «Vereinigte Bundesversammlung»? Zur Auswahl stehen: Sie fällt im Bundesgericht Urteile, sie genehmigt den Staatshaushalt, sie entscheidet über Staatsverträge oder sie wählt die Mitglieder des Bundesrats und des Bundesgerichts. Riner tippt auf den Staatshaushalt. «Leider falsch», meldet das System, richtig ist: Die Bundesversammlung ist die Wahlbehörde.

Riner ärgert sich, denn er hat schneller geklickt als nachgedacht. Der National- und der Ständerat genehmigen nämlich durchaus auch den Staatshaushalt – aber eben nicht zusammen, sondern einzeln in den beiden Kammern. «Dumm gelaufen», meint Riner achselzuckend, klickt auf «weiter».

Fragen zum Föderalismus und den Bürgerrechten und -pflichten folgen. Für Riner kein Problem. Allerdings, so wird er nach dem Test sagen, «dürfte es noch einige Fragen mehr zu diesem Themenbereich haben».

Frage 13: Wo liegt der Kanton Aargau? Auf einer Schweizerkarte sind vier Kantone mit Buchstaben versehen. «Eine einfache Frage», meint Riner, «aber sie ist dennoch wichtig, denn sie zeigt, ob der Kandidat eine Grundahnung davon hat, wo er lebt.» So wie auch bei Frage 15: Welcher Bezirk im Aargau hat am meisten Einwohner? Baden ist es, für Riner klar, «für einen Ausländer aber wohl nicht ganz leicht zu beantworten».

Der Test, so urteilt Riner nach vollbrachter Klickarbeit, «deckt das ganze Spektrum von sehr leichten bis wirklich kniffligen Fragen ab». Zum Teil helfe auch die Antwortsauswahl auf die Sprünge, wie etwa bei Frage 22: Wer entscheidet darüber, in welche Klasse ein Kind in der Primarschule eingeteilt wird? Die Eltern, die Schulleitung oder Schulpflege, der Kinderarzt – oder die Kinder selber? Riner lacht, als er die letzte Antwortmöglichkeit liest, klickt auf «die Schulleitung». Richtig, noch verbleiben 35 Minuten.

Bei einigen Fragen stutzt Riner, fragt sich, ob das Wissen um die Antwort darauf wirklich zentral sei, um Schweizer zu werden. Etwa bei Frage 33, jener nach der ersten Bundesrätin (Kopp). Oder bei Frage 36, jener nach einem wichtigen kirchlichen Reformator in Genf (Calvin). Oder, ganz besonders, bei Frage 38, jener nach einem berühmten Schweizer Architekten: Antoni Gaudi, Le Corbusier, Norman Forster oder Gottfried Semper. Riner weiss die Antwort, Le Corbusier, findet aber: «Man kann auch gut Schweizer werden, ohne das zu wissen.»

Motivation entscheidend

Insgesamt, so Riner, «geht der Test aber in Ordnung». Ihm gefallen vor allem die Fragen, die zeigen, ob jemand im Leben steht. Riner ist überzeugt: «Es gibt manch einen Schweizer, der den Test nicht bestehen würde.»

Für Riner ist das staatsbürgerliche Wissen indes weniger zentral als die Motivation eines Kandidaten. «Er muss mit ganzem Herz dabei sein, er muss Schweizer werden wollen, weil er hier zu Hause ist.»

Diese Beurteilung, ob ein Kandidat genügend Schweiz im Herzen trägt, will Riner nicht dem Gemeinderat überlassen, wie dies seit Kurzem im Aargau möglich ist. «Das ist der falsche Weg», meint er in SVP-Manier, «der Bürger soll und kann das beurteilen.»

Von weiteren Erleichterungen bei den Einbürgerungen hält er «rein gar nichts», auch nicht davon, die Frist zu verkürzen, die jemand in der Schweiz leben muss, bevor er ein Einbürgerungsgesucht stellen kann.

Frage «45 von 45»: Welche Region in der Schweiz wird als «Welschland» oder «Romandie» bezeichnet? «Sehr einfach», sagt Riner, klickt auf «die französische Schweiz». Richtig. Die Uhr stoppt, der Timer zeigt eine Restzeit von 29 Minuten und 32 Sekunden an. 44 der 45 Fragen hat Riner in gut zehn Minuten richtig beantwortet. Test bestanden.