Oberhof/Frick
SVP-Gemeindeammann scherzt über Fusion mit Frick – wird es bald ernst?

Mit Frick fusionieren will Oberhof nicht – aber der finanzielle Spielraum für Kleingemeinden wird eng.

Thomas Wehrli
Drucken
Teilen
«Fusionen bringen nichts»: Roger Fricker, Gemeindeammann von Oberhof.Archiv/nbo

«Fusionen bringen nichts»: Roger Fricker, Gemeindeammann von Oberhof.Archiv/nbo

Nadine Böni

Die Info, die der az zugetragen wird, hat es in sich: An der letzten Talschaftssitzung hat ein Gemeinderat von Oberhof die Gemeinde Frick angefragt, ob die Zentrumsgemeinde denn bereit wäre, Oberhof aufzunehmen – falls der neue Finanzausgleich zwischen Kanton und Gemeinden so kommt, wie ihn der Grosse Rat beschlossen hat (derzeit werden Unterschriften für das Referendum gegen das neue Gesetz gesammelt).

Ausgerechnet Oberhof, jene Gemeinde also, in der Roger Fricker Ammann ist. Fricker, der lange Jahre für die SVP im Grossen Rat sass, gilt als einer der lautesten Fusionsgegner im Fricktal.

Laut wird Fricker auch, als ihn die az auf die Fusionspläne anspricht – vor Lachen. «Dieser Spruch war nicht ernst gemeint», erklärt er, ein Scherz am Rande einer intensiven Gesprächsrunde. An den Talschaftssitzungen nehmen die Gemeinderäte von Frick, Gipf-Oberfrick, Wittnau, Wölflinswil und Oberhof in corpore teil. Über die Ernsthaftigkeit des Vorstosses liegen der az unterschiedliche Informationen vor; die meisten Befragten teilen aber Frickers Sicht, dass dies ein «nicht ganz ernst zu nehmender Hinweis» war, wie es einer der Teilnehmer formuliert.

Fricker betont, dass es nicht die Absicht des Gemeinderates von Oberhof sei, eine Fusion in die Wege zu leiten. «Wir haben nie ernsthaft darüber diskutiert.» Eine Fusion zum jetzigen Zeitpunkt zu prüfen «wäre zudem etwas schizophren», so Fricker, habe man doch erst im letzten Jahr fast eine Million Franken in die Schule investiert. «Bei einer Fusion wäre die Schule nicht mehr im Dorf, denn sie ist etwa der einzige Bereich, in dem man bei einer Fusion wirklich sparen kann.»

Finanzausgleich belastet stark

Ganz zufällig ist der Zeitpunkt für diesen «Fusionsscherz» (Fricker) nicht. Denn wenn der Finanzausgleich so kommt, wie er beschlossen wurde, muss Oberhof kräftig bluten. Die Gemeinde ist – wie Wölflinswil auch – eine jener 27 Kommunen, die ihren Steuerfuss auf das Maximum von 126 Prozent anheben müssen, eine jener Gemeinden, «die der Kanton finanziell in die Ecke treibt», wie es Fricker formuliert. Er bekämpft den neuen Finanzausgleich denn auch «aufs Schärfste» und weibelt allenthalben für das Referendum, das ein überparteiliches Komitee ergriffen hat und an dessen Spitze Fricker mit sechs Ammannkollegen steht.

Kommt das Referendum nicht zustande oder nicht durch, «wird es finanziell grausam eng», räumt Fricker ein. Dann habe man wirklich nur noch zwei Optionen: Den Steuerfuss aufs Maximum zu schrauben oder einen Zusammenschluss zu prüfen. Ein solcher würde für Fricker aber ohnehin nur dann Sinn machen, wenn das ganze Tal mitmacht. «Und davon sind wir meilenweit entfernt.»

Ob man den Weg alleine oder zusammen gehe, ist für Fricker letztlich eine Frage, welche die Einwohner entscheiden müssen, «denn ohne sie läuft nichts», ja, «ohne sie darf in einer Demokratie nichts laufen.» Die Bevölkerung von Oberhof habe bislang stets Ja zur Eigenständigkeit gesagt. «An dieser Einstellung hat sich nichts geändert», ist Fricker überzeugt.

Das Pièce de Résistance ist für Roger Fricker also der neue Finanzausgleich. «Kommt er wie beschlossen, haben kleine Gemeinden kaum mehr genug Schnauf, um zu überleben.»

Fricker hofft, dass seiner Gemeinde der Schnauf zur Eigenständigkeit noch lange nicht ausgeht. Die Tendenz, Fusionen als Allheilmittel anzupreisen, sie «fast wie ein Wunder erscheinen zu lassen», ist ihm suspekt. «Fusionen bringen nichts.» Er ist sich denn auch sicher, dass Oberhof in 20 Jahren noch eigenständig sein wird – «vorausgesetzt, der Kanton zerstört unsere Finanzen nicht mutwillig».

Zurück zur Talschaftssitzung. Wie hat die Gemeinde Frick auf den (Schein-)Heiratsantrag reagiert? Gemeindeammann Daniel Suter habe, so wird kolportiert, den ebenfalls «nicht ganz ernstzunehmenden Hinweis» gemacht: «Im neuen Gemeindehaus hat es genügend Platz.» Im Gespräch mit der az ergänzt er: «Frick steht Fusionsanfragen offen gegenüber.» Man suche Zusammenschlüsse nicht aktiv, aber man prüfe sie natürlich, wenn sie an die Gemeinde herangetragen würden.

Aktuelle Nachrichten