Bühlers Blick

Superwahlsonntag mit vielen Fragezeichen

Am 20. Oktober finden die nationalen Wahlen statt.

Am 20. Oktober finden die nationalen Wahlen statt.

In seiner Ausgabe von Bühlers Blick schreibt Hansueli Bühler über die bevorstehenden nationalen Wahlen.

Am 20. Oktober ist Wahltag. Wir wählen den Nationalrat und den Ständerat für die nächsten vier Jahre. Und damit die höchste Instanz im Lande. Sie wählt den Bundesrat, überwacht ihn und erteilt ihm Aufträge. Grund genug, diese Wahlen ernst zu nehmen und sich daran zu beteiligen. Im Kanton Aargau wird zusätzlich ein neues Mitglied in die kantonale Regierung gesucht. In einigen Fricktaler Gemeinden finden zudem noch Ersatzwahlen in den Gemeinderat statt. Ein Superwahlsonntag mit spannenden Ausgangslagen und vielen Fragezeichen.

496 Aargauerinnen und Aargauer bewerben sich für die
16 Sitze, die unserem Kanton im Nationalrat zur Verfügung stehen. Der Klimawandel ist in diesem Wahljahr bei der Bevölkerung zum Thema Nummer 1 geworden und hat die Angst um die Überfremdung der Schweiz etwas in den Hintergrund gerückt. Darum werden den Grünen Gewinne und der SVP Verluste prognostiziert. Die Frage ist, wie stark sich diese Werteverschiebung schlussendlich auf die Stimmenverhältnisse auswirkt. Erfahrungsgemäss bewegen sich die Veränderungen der Parteistärken in der Schweiz jeweils im tiefen einstelligen Prozentbereich, was dann nur zu geringen Sitzverschiebungen führt. Immerhin gilt es noch zu berücksichtigen, dass im Aargau vier der sieben bisherigen SVP-Nationalräte zurücktreten oder nicht mehr auf der SVP-Liste figurieren. Darunter Zugpferde wie Ulrich Giezendanner und Maximilian Reimann.
Richtig spannend wird es bei den Ständeratswahlen, nachdem die beiden bisherigen Amtsinhaber Pascale Bruderer (SP) und Philipp Müller (FDP) nicht mehr zur Wahl antreten. Nicht weniger als zehn Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich um die beiden Aargauer Sitze. Ein zweiter Wahlgang ist somit vorprogrammiert. Die Frage ist lediglich, schafft es einer aus dem Quartett der Favoriten – Hansjörg Knecht (SVP), Thierry Burkart (FDP), Cédric Wermuth (SP) und Marianne Binder (CVP) – bereits im ersten Wahlgang? Wenn ja, welcher? Je nach Ergebnis kann sich die Ausgangslage für den zweiten Durchgang im November komplett ändern.

Ebenso interessant wird es bei der Ersatzwahl für den Regierungsrat, die wegen dem vorzeitigen Rücktritt von Franziska Roth (SVP) notwendig wird. Die Parteien haben sich über die ihrer Ansicht nach kurzfristige Ansetzung des Wahltermins aufgeregt. Trotzdem präsentieren sie ein illustres Kandidatenfeld: Yvonne Feri (SP), Doris Aebi (GLP), Severin Lüscher (Grüne), Jeanine Glarner (FDP) und Jean-Pierre Gallati (SVP). Das Rennen ist offen und wir fragen uns: Verliert die SVP ihren zweiten Sitz an eine andere Partei? Wird die Aargauer Regierung zu einem reinen Männergremium?

Und dann wäre da noch die Frage der Stimmbeteiligung. Bei den letzten Nationalratswahlen im 2015 lag sie in unserem Kanton bei 48,3 Prozent. Führen die spannende Ausgangslage und die zusätzliche Regierungsrats-Ersatzwahl im Aargau zu einer höheren Stimmbeteiligung? Trifft es gar zu, dass die KlimawandelDiskussion neue jüngere Wählerinnen und Wähler an die Urne bringt? Zu wünschen wäre es. Weil es irgendwie absurd ist, wenn in erster Linie wir Alten die Politikerinnen und Politiker bestimmen, die Entscheide treffen, deren Auswirkungen wir gar nicht mehr erleben.

Für den Aargau wage ich folgende Prognosen: Bei den Nationalratswahlen verlieren die SVP und die Mitteparteien insgesamt zwei Sitze an Rot-Grün. Von den 55 Fricktaler Kandidatinnen und Kandidaten schafft es niemand nach Bern. Keiner der zehn Ständeratskandidaten erreicht im ersten Wahlgang das Absolute Mehr. Das neue Mitglied der Aargauer Regierung ist eine Frau. Die Stimmbeteiligung bleibt knapp unter 50 Prozent.
Sollte ich mit meinen Einschätzungen falsch liegen, verweise ich auf den Kabarettisten Karl Valentin, dem folgendes Bonmot zugeschrieben wird: Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

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