«Sie zeigte grossen Durchhaltewillen und viel Eigendisziplin», sagt Hansruedi Thommen, Gärtnerei- und Blumengeschäftsbesitzer. Die Rede ist von Sandra Freis, Mitarbeitende Garten- und Landschaftsunterhalt in der Stiftung MBF. Im Rahmen ihrer Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) absolvierte die junge Frau ein zwölfwöchiges Praktikum in der Gärtnerei Thommen in Möhlin.

Beinahe zur gleichen Zeit befand sich Christoph Echle in einem fünfwöchigen Praktikum im Familienbetrieb Holzbau Rohrer + Co. Auch der Schreinerei-Mitarbeitende der Stiftung MBF absolviert eine zwei Jahre dauernde Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest. EBA-Grundbildungen richten sich an vorwiegend praktisch begabte Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder leichter Behinderung.

Praktikum im ersten Arbeitsmarkt

Während ihrer Ausbildung werden die Jugendlichen in ihrer Handlungs- sowie Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz gefördert und erlernen die jeweiligen Fähigkeiten, welche es braucht, um im gewählten Beruf arbeiten zu können.

Um Allgemeinbildung und Berufskunde kümmern sich die Lehrpersonen der öffentlichen Berufsschulen in Rheinfelden und Brugg, wo sie einmal pro Woche zum Unterricht gehen.

Der Lehrplan sieht vor, dass die Jugendlichen ein Praktikum im ersten Arbeitsmarkt absolvieren, um zu erleben, wie die Arbeit in diesem neuen Umfeld ist und abzuklären, ob sie den Anforderungen gewachsen sind.

Dass ein Praktikumsplatz für Menschen mit einer Behinderung gefunden wird, ist keinesfalls selbstverständlich. Mitarbeitende aus dem geschützten Rahmen brauchen mehr Begleitung und Unterstützung als Lehrlinge aus dem ersten Arbeitsmarkt. Der Arbeitgeber muss bereit sein sich die notwendige Zeit zu nehmen, sowie zu prüfen, ob sie den Anforderungen des ersten Arbeitsmarkts gewachsen sind.

Hobelspäne und Sägemehl

«Meine Mitarbeiter waren schon etwas überrascht, als ich ihnen sagte, dass ein junger Mann aus der Stiftung MBF bei uns ein Praktikum macht», schmunzelt Geschäftsführer Markus Rohrer. Es sei das erste Mal gewesen, dass ein EBA-Auszubildender bei ihnen gearbeitet habe und alle Beteiligten wurden herausgefordert.

«Die gemachten Erfahrungen bestätigen aber unsere Entscheidung», so Rohrer, «wir würden einem EBA-Lernenden wieder die Möglichkeit geben, in unseren Betrieb hinein zu schnuppern». Er kann sich sogar vorstellen, selber Attest-Lernende auszubilden.

Christoph Echle durfte während fünf Wochen Tätigkeiten kennenlernen, die in der Stiftung MBF nicht ausgeführt werden. Die Ausbildner der Stiftung MBF pflegten regelmässigen Kontakt mit Echles Vorgesetzten, um auftretende Fragen oder Probleme zu besprechen.

«Wir waren erfreut zu hören, dass der Seitenwechsel für alle eine neue Erfahrung war», strahlt Christian Geiser, Teamleiter der stiftungseigenen Schreinerei. «Streng war es und immer wieder kam Neues auf mich zu», berichtet Christoph Echle.

Grosser Durchhaltewille

Für Sandra Freis war ein Einsatz von sechs Wochen vereinbart, danach verlängerten die Beteiligten auf Wunsch von Sandra auf zwölf Wochen. Sandra hatte einen guten Start, sie wurde von der Belegschaft herzlich aufgenommen und hat sich schnell ans neue Umfeld gewöhnt.

Die neuen Arbeitskollegen schätzten die junge Frau, ihre geduldige Art und ihre Ruhe. Die Arbeiten in der Gärtnerei Thommen waren für Sandra Freis sehr abwechslungsreich und sie konnte viele Arbeiten ausführen, welche sie auf dem Feldhof der Stiftung MBF nicht verrichten kann.

Auch die Pflanzenvielfalt hat sie beeindruckt, sie konnte viele Pflanzen vor Ort sehen, die sie bisher nur von Bildern aus der Berufsschule kannte.

«Wir haben von Anfang an Klartext miteinander gesprochen», erinnert sich Hansruedi Thommen. Etwa darüber, dass sie schnell ermüdet und ihr Arbeitstempo langsamer ist als das der anderen Mitarbeitenden. Sie wollte mit dem Tempo der anderen unbedingt mithalten und hat sich dadurch selbst unter Druck gestellt.

Es war eine anstrengende und schwierige Zeit, trotzdem oder gerade deswegen war es für Sandra Freis wichtig, durchzuhalten und das Praktikum trotz der auftretenden Schwierigkeiten zu meistern. Und sie schaffte es, drei Monate im Primärarbeitsmarkt mitzuhalten.

Sie sei aber doch sehr froh gewesen, wieder zurück auf dem Feldhof im geschützten Rahmen zu arbeiten, erklärt Sandra. Für einen Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt reicht es zwar zurzeit noch nicht, dennoch konnte Sandra Freis Erfahrungen sammeln, die sie in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung weiter bringen. (al)