Sichtung

Streiften noch mehr Wölfe durch das Fricktal? Zwei weitere Exemplare wurden gesichtet

Wildlebende Wölfe (vier Jungtiere, ca. sechs Monate alt) in der Schweiz (Fotofallenaufnahme)

Wildlebende Wölfe (vier Jungtiere, ca. sechs Monate alt) in der Schweiz (Fotofallenaufnahme)

In Olsberg und Rheinfelden wurden zwei Wölfe gesichtet. Die Jagdaufseher sind aber skeptisch.

Ausser dem Wolf, der in Erlinsbach in die Fotofalle getappt ist und in Oberhof zwei Ziegen gerissen hat, gab es im Aargau in den letzten Jahren vier Wolfssichtungen. Zwei davon im unteren Fricktal, genauer: in Olsberg und Rheinfelden, wie Thomas Stucki, Leiter der Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton, auf Nachfrage der AZ sagt. Viel weiss man nicht von diesen Wölfen. Sicher sei man, dass es sich nicht um das gleiche Tier gehandelt habe und dass es nicht der «Erlinsbacher Wolf» gewesen sei, so Stucki.

Gemeldet haben die Sichtungen «zufällige Beobachter», wie der Sektionsleiter sagt. Ob es sich bei den Tieren wirklich um Wölfe gehandelt habe, sei schwierig abzuschätzen. Anhand der Angaben über Fellfärbung, Habitus und Verhalten sei die Wahrscheinlichkeit aber «genügend gross, um die Artbestimmung Wolf anzunehmen».

Daran hat Daniel Gerber, Jagdaufseher im Revier Olsberg, seine Zweifel. «Ich glaube nicht, dass das damals gesichtete Tier ein Wolf war.» Man habe mehrere Fotofallen und stelle diese immer wieder an anderen Orten auf. «Wir machen pro Jahr mehrere hundert Fotos», sagt Gerber. «Wenn ein Wolf im Revier herumstreifen würde, wäre er vermutlich einmal in eine Fotofalle getappt.» Er lacht. «Auf den Fotos ist kein Tier, das auch nur annähernd so aussieht wie ein Wolf.» Auch die Topografie und die hohe Strassendichte seien nicht wolftypisch, so Gerber. Zudem bejage man das Revier einmal pro Jahr grossflächig. «Da wäre den Jägern und Treibern die Anwesenheit eines Wolfes aufgefallen», ist er überzeugt.

Schwierig zu erkennen

Gegen die Präsenz eines Wolfes spricht für Gerber auch das Verhalten der Rehe. «Wir haben in der Region Luchse. Wenn sich einer in einem Gebiet aufhält, reagieren die Wildtiere anders als vorher.» Eine Verhaltensänderung sei ihm aber nie aufgefallen. «Nach wie vor äsen 20 bis 30 Rehe in der Dämmerung auf offenem Feld.»

Es sei für Laien zudem schwierig, einen Wolf bei schlechtem Licht von einem Hund oder einem grossen Fuchs zu unterscheiden. Dass der Eindruck täuschen kann, erlebt Gerber nicht selten. Es komme immer wieder vor, dass er zu einem Unfall mit einem Wildschwein gerufen werde, sich dieses dann aber als grosser Dachs entpuppe.

Auch Jean Louis Mehlin, Jagdaufseher im Revier Rheinfelden Ost, hört von der AZ zum ersten Mal davon, dass ein Wolf in Rheinfelden umhergezogen sein soll. Auch ihn überzeugt das nicht. Es habe in seinem Revier nie ein Indiz für die Anwesenheit eines Wolfes gegeben. «Wir haben ebenfalls mehrere Fotofallen im Einsatz.» Da sei vom Hund an der Leine über die Joggerin bis zu Rehen und Wildsäuen alles darauf – «ein Wolf aber garantiert nicht». Wie Gerber glaubt auch Mehlin, dass die Region mit ihrer Topografie und ihrer Strassendichte kein «Wolfsland» ist.

Gerber ist skeptisch, dass ein Zusammenleben zwischen Wolf und Mensch in der Region möglich wäre. «Bei der hohen Siedlungsdichte wären Konflikte vorprogrammiert», ist er überzeugt. Zudem hätten Wölfe einen grossen Bewegungsradius, «und da wäre die Gefahr gross, dass er früher oder später unter die Räder kommt».

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Autor

Thomas Wehrli

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