Eine nicht gerade alltägliche Reise unternahmen Jugendliche der grenzüberschreitenden Jugendarbeit Laufenburg in der ersten Oktoberwoche. Seit April bereiteten sich die Jugendlichen, die alle in der Region Laufenburg leben, jedoch unterschiedliche Wurzeln haben, mit Workshops, Schulungen und Trainings, wie zum Beispiel einem Anti-Aggressivitätstraining auf ein besonderes Ereignis vor: Ein Fairplay-Strassenfussballturnier in einer vom Krieg gezeichneten Region zu veranstalten.

In den letzten zwei Jahren wurden bereits eine Reihe von Fairplay-Strassenfussballturnieren im Fricktal und im Hochrheingebiet veranstaltet und damit viele gute Erfahrungen gemacht. Fairness, Respekt und demokratisches Denken können durch den besonderen Modus, der bei diesen Turnieren praktiziert wird, entwickelt und geübt werden.

Voraussetzungen im Kosovo anders

Die Frage war nun, lässt sich diese Art von Turnieren auch in einem anderen Land unter völlig anderen Voraussetzungen erfolgreich umsetzen? Inspiriert, dieses Projekt zu initiieren, wurde die Laufenburger Jugendarbeit von den eindrücklichen Erfahrungen der Kosovo-Reise im vergangenen Jahr.

Damals reifte bei den Teilnehmern die Erkenntnis, dass es für die Zukunft von Europa wichtig ist, sich für die Belange und die Not der (Fast-)Nachbarn zu interessieren.

Beitrag zur gegenseitigen Annäherung

Am Tag vor dem Turnier erlebte die Fricktaler Delegation beim Besuch eines von Serben bewohnten Dorfes, wie tief die Wunden der Vergangenheit sitzen. Umso spannender war nun die Frage, ob das Projekt «Strassenfussball für den Frieden» und das Turnier, das am nächsten Tag in der Stadt Peja/Pec in Zusammenarbeit mit albanischen und serbischen NGOs stattfinden sollte, einen Beitrag zur gegenseitigen Annäherung der ehemaligen Kriegsgegner leisten können.

Laufenburger als Spielbeobachter

Die Aufgabe der Laufenburger Jugendlichen während des Turniers war es, die Spiele durch Spielbeoachterteams, die schon im Voraus aus jeweils einem Schweizer oder Deutschen, einem Kosovo-Albaner und einem Serben zusammengestellt worden waren, zu leiten und zu begleiten. Insgesamt standen drei Spielbeobachterteams für das Turnier zur Verfügung, die gut miteinander harmonierten, aber auch mit den Mannschaften aus verschiedenen Regionen des Kosovos, kommunizierten.

Fairplay geht vor

Die insgesamt sieben Mannschaften gingen gut und ausgesprochen fair miteinander um, obwohl die Teams aus unterschiedlichen Ethnien bestanden. Mit Spannung erwartet wurde ein Spiel, bei dem ein serbisches Team gegen ein kosovo-albanisches Team antrat. Würde das bisher praktizierte Fairplay auch in diesem hochbrisanten Spiel eingehalten werden? Es wurde hart gekämpft, es wurde gegrätscht, das Spiel war schnell und beide Teams wollten unbedingt gewinnen – jedoch in einem sehr respektvollen und fairen Rahmen.

«Es hat uns sehr bewegt, dass gerade bei dieser Begegnung Fairplay und gegenseitige Achtung beeindruckend praktiziert und gelebt wurden. So wie uns der durchweg friedliche Verlauf des Turniers und auch die persönlichen Begegnungen ausserhalb des Spielfeldes positiv beeindruckten. Wir hatten den Eindruck an diesem Tag tatsächlich einen Beitrag für Respekt und Verständigung zwischen Menschen verschiedener Kultur und Herkunft geleistet zu haben», zog Jugendarbeiter Balder Wentzel ein Fazit. (az)