Vor gut zwei Jahren kam der Storch Camino im Nest auf dem Restaurant Adler in Kaiseraugst zur Welt. Dank eines GPS-Senders des Projekts Storchenzug kann man seine Flugbewegungen und damit auch seinen Aufenthaltsort tagesaktuell im Internet verfolgen. Nachdem Camino den Winter wie schon im Vorjahr in der Region um Lleida in Spanien verbracht hatte, machte er sich Ende März wieder auf in Richtung Norden. Die ersten April-Tage verbrachte Camino dann im Elsass und seither ist er im Kanton Jura.

Der Kaiseraugster Storchenvater Urs Wullschleger verfolgt «seinen» Schützling weiterhin täglich im Internet – und weiss deshalb auch, dass Camino und seine Partnerin im Jura für Schlagzeilen sorgen. Denn die beiden Störche haben sich einen speziellen Nistplatz ausgesucht: einen Baukran ganz in der Nähe der «Patinoire du Voyeboeuf», dem Eishockeystadion des HC Ajoie in Porrentruy. In seinem Horst hat das Storchenpaar bereits Eier gelegt und brütet nun seine Jungen aus. Wie Urs Wullschleger mit einem Schmunzeln sagt, scheint das Nisten auf Kränen in Caminos Genen zu liegen: «Schon seine Eltern haben 2015 bei uns in Kaiseraugst auf einem Kran ihr Nest gebaut.»

Kran sollte abgebaut werden

Allerdings erweist sich Caminos Familienplanung als wenig kompatibel mit dem Zeitplan der Bauunternehmung. Denn eigentlich wird der gut 30 Meter hohe Baukran auf einer anderen Baustelle benötigt und sollte deshalb bereits wieder demontiert werden. Dies ist nun nicht möglich, weil die Schweiz eine internationale Konvention unterzeichnet hat, die es verbietet, Nester von Störchen während der Bau- und Brutzeit zu bewegen oder zu entfernen.

Wie «Le quotidien du Jura» und die SRF-Sendung «Schweiz aktuell» berichten, muss der Bauunternehmer nun für andere Baustellen eine neue Lösung suchen und allenfalls gar einen Kran mieten. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 6000 Franken pro Monat. Kein Wunder, hofft der Bauunternehmer, dass die Jungen möglichst bald schlüpfen und flügge werden. Laut Urs Wullschleger dauert die Brutzeit bei Störchen etwa 34 Tage. Seit wann genau Camino und seine Partnerin brüten, weiss Wullschleger nicht, es werde aber wohl Juni, bis die jungen Störche zur Welt kämen, sagt er. «Dann werde ich sicher mal nach Porrentruy fahren, um Camino und seine Familie zu besuchen», so Wullschleger. Camino selber hat seinem Heimatort in diesem Jahr – anders als im Vorjahr, als er am 25. Mai nach Kaiseraugst flog – bislang keinen Besuch abgestattet.

Bereits Jungvögel in Kaiseraugst

Das bedeutet jedoch nicht, dass es dieses Jahr in Kaiseraugst keine Störche gäbe. Im Gegenteil: «Acht Paare nisten bei uns», so Wullschleger. Die Störche, die nach Kaiseraugst kamen, waren deutlich früher unterwegs als Camino. «Sie sind bereits Anfang Februar hier eingetroffen.» Und sie haben ihre Jungen bereits ausgebrütet. «Es sind einige Jungvögel geschlüpft», sagt Urs Wullschleger. Wie viele genau, könne er aber noch nicht sagen.