Sisseln

Stimmbürger bringen Elektra-Verkauf zu Fall: «Die AEW schenkt uns nichts»

Die Sisseler Stimmbürger haben den Elektra-Verkauf mit 46 Nein zu 34 Ja abgelehnt

Die Sisseler Stimmbürger haben den Elektra-Verkauf mit 46 Nein zu 34 Ja abgelehnt

Trotz langen Werbens konnte Gemeindeammann Rainer Schaub den Souverän nicht überzeugen. Der Elektra-Verkauf wurde abgelehnt.

46 Stimmbürger sagten Nein zur beantragten Veräusserung der Elektra an die AEW Energie AG, nur 34 Ja. Für Gemeindeammann Schaub ist klar: Die Wortmeldungen der eigenen Elektra-Kommission liessen die Stimmung kippen. Peter Kneubühl, in der Kommission für Installationsgesuche und das Zählerwesen verantwortlich, sagte: «Ich bin gegen den Verkauf, besser ist die Betriebsführung durch ein externes Unternehmen.» Vor 50 Jahren habe die AEW die Elektra Sisseln schon einmal kaufen wollen. Damals sei der Verkauf nicht zustande gekommen und auch heute bestehe keine Notwendigkeit dafür.

7,1 Millionen Franken hätte die AEW für die Sissler Elektra auf den Tisch gelegt – weit mehr als das Unternehmen Schätzungen zufolge wert ist. Der Gemeinderat sprach von einem «Goodwill» in Höhe von mehr als zwei Millionen Franken. Kommissionspräsident Florian Lüthy vertrat jedoch die Meinung: «Diesen angeblichen Goodwill holt sich die AEW in den 25 Jahren Vertragslaufzeit wieder zurück, den bezahlt der Stromkunde. Die AEW schenkt uns nichts.» Auch Kommissions-Aktuar Ueli Bögle äusserte sich kritisch zum traktandierten Verkauf und bestritt, dass in den kommenden Jahren grössere Investitionen in die örtliche Stromversorgung anstehen. Gemeindeammann Schaub war nach der fast dreistündigen Gmeind fassungslos und enttäuscht: «Diese Wortmeldungen haben für das Nein den Ausschlag gegeben. Niemand von denen hat sich davor so kritisch zu den Verkaufsplänen geäussert. Dabei treten sie alle zurück.»

Schaub selbst hatte zuvor in einem fast einstündigen Vortrag für den Verkauf geworben und diesen gerade mit dem kompletten Rücktritt der Elektra-Kommission auf Ende 2017 begründet. Der Verlust von deren hohem Sachverstand sei nicht zu kompensieren. Attraktiver Verkaufserlös, die AEW als regional verwurzeltes Unternehmen, kaum Preissteigerungen für den Kunden, Unwägbarkeiten in einem immer stärker regulierten und unter Druck stehenden Strommarkt: Schaubs ProArgumente-Liste war lang. Aber er sagte auch, dass die Gemeinde nicht aus Geldnot verkaufe, dass sie auch so flüssig und schuldenfrei sei, dass es beim 80-Prozent-Steuerfuss bleibe. Vielleicht kam das bei den Leuten so an: Wenn wir nicht müssen, kann ja auch alles so bleiben.

Bei den Traktanden, bei denen die Gemeinde Geld ausgeben muss, gab es indes Zustimmung. Für 90 000 Franken wird das Raumangebot der Sissler Jugendarbeit erweitert. 140 000 Franken können in Projektierungsarbeiten in Sachen neuer Trinkwasserbrunnen im Hardwald fliessen. Und auch die Erneuerung Bodenackerstrasse kann projektiert werden. Dort soll verkehrstechnisch etwas ganz Neues entstehen: eine Strasse mit Tempo 20 ohne erkennbare Abgrenzung der Bereiche für Fussgänger, Autos und Velos.

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