Zeiningen
Stevens Senn baut Hanf im grossen Stil an – und schafft 10 Arbeitsplätze

Stevens Senn reagiert auf die steigende Nachfrage nach Hanf-Produkten – dank seinen elf Zuchthäusern entstehen zehn Arbeitsplätze.

Dennis Kalt
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Stevens Senn möchte die Bevölkerung über die verschiedenen Seiten der Hanf-Pflanze aufklären. dka/archiv

Stevens Senn möchte die Bevölkerung über die verschiedenen Seiten der Hanf-Pflanze aufklären. dka/archiv

Ein süsslich stechender Duft strömt durch die Räume des ehemaligen GartenCenters Blume Karli in Zeiningen. Dort, wo es im letzten Frühling noch nach Rosen, Veilchen und Narzissen roch, stehen nun rund 5000 Hanfpflanzen, die in elf Zuchthäusern unter dem gelben Licht der Natriumdampflampe in die Höhe schiessen. Betreiber der Plantage ist die Pure Production AG, die mit legalen Hanf-Produkten – der THC-Gehalt der Pflanzen liegt unter einem Prozent – auf die steigende Nachfrage des Schweizer Marktes reagiert.

«Neben unserer Indoor-Plantage werden wir ein Ladenlokal eröffnen und dort beispielsweise Hanf-Würste, Hanf-Pesto, Hanf-Tee, Hanf-Öl, Tabak-Ersatz oder auch Hanf-Kleidung anbieten», sagt Geschäftsführer Stevens Senn, der schweizweit auf der Suche nach einem geeigneten Standort war, um einen Hanf-Erlebnis-Hof zu errichten: «Viele Menschen denken, das Hanf lediglich eine Pflanze ist, von der man high werden kann. Wir wollen zeigen, dass dies nicht so ist», erklärt Senn.

Um die Transparenz zu erhöhen, plant das Unternehmen, einen Besucherbereich einzurichten, von dem man den Mitarbeitern beim Hanf-Züchten durch ein Schaufenster zusehen kann. Daneben soll auf dem Hanf-Hof ein Labyrinth aus Hanfpflanzen eingerichtet werden sowie ein Grillplatz und eine Spielecke für Kinder.

Über 20'000 Pflanzen auf dem Hof

Neben der Indoor-Plantage mit 5000 Pflanzen plant das Unternehmen, 6000 Pflanzen in den Gewächshäusern und 12'000 Pflanzen im Freien heranzuziehen. «Wir wollen ab Mai rund zehn Mitarbeiter beschäftigen», sagt Senn, der den Firmensitz seines Unternehmens von Zürich nach Zeiningen umsiedeln wird: «Ich bin der Auffassung, dass man dort Steuern zahlen sollte, wo man auch die Infrastruktur nutzt», sagt er.

Doch wie ist Senn eigentlich auf die Idee gekommen, in die Hanf-Produktion einzusteigen? Neben dem Aspekt, dass der Unternehmer aus Leidenschaft immer auf der Suche nach Nischen ist, wurde bei seiner Familie vor einigen Jahren die Erbkrankheit Morbus Bechterew, die zur Gelenkversteifung führt, festgestellt. Deswegen hat Senn Mutter-Pflanzen mit einem hohen CBD-Anteil kultiviert, einer nicht psychoaktiven Substanz, welche die Pharmaindustrie für die Entwicklung von Medikamenten verwendet – auch gegen Morbus Bechterew. «60 Prozent unserer Blütenproduktion gehen an Pharmaunternehmen», sagt Senn und schiebt nach, dass vom Steckling einer Mutterpflanze bis zur Hanf-Pflanze mit erntereifen Blüten rund elf Wochen vergehen.

Je nach Wachstum befinden sich die Pflanzen in unterschiedlichen Zuchträumen, in denen ein Unterdruck herrscht. «Die Belüftung erfolgt über ein Rohrleitungssystem mit einem Pollenfilter. So verhindern wir, dass Fremdstoffe in die Zuchträume gelangen», erklärt Senn.

Messwerte werden genommen

Nach drei Wochen kommen die Hanf-Pflanzen in einen Zuchtraum, in dem sie abwechselnd, alle zwölf Stunden, Licht und Dunkelheit ausgesetzt werden. «Wichtig ist, dass die Natriumdampflampen erst nach ein paar Minuten ihre volle Leistung entwickeln, um – analog dem Aufgang der Sonne – optimale Bedingungen zu erzeugen», erklärt Senn.

Um ihre Hanf-Produktion zu kontrollieren, schickt das Unternehmen jede Woche eine Probe an ein unabhängiges Labor, das den CBD- und THC-Gehalt der Blüten überprüft. Weiter will Senn ein System entwickeln, mit dem man von jeder einzelnen Pflanze deren Abstammung sowie die Bedingungen, der sie ausgesetzt war, nachvollziehen kann – ähnlich einem QR-Code auf Lebensmitteln, denn: «Wir wollen in der gewerblichen Hanf-Produktion neues Massstäbe setzen», sagt er.

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