Es war die Stunde der Steuerfuss-Erhöhungs-Runde: Im letzten Jahr hoben 13 der 32 Fricktaler Gemeinden ihren Steuerfuss faktisch an. Bei zehn der Erhöhungs-Gemeinden blieb der Steuerfuss zwar rein numerisch gleich wie im Vorjahr. Da es aber gleichzeitig einen Steuerfussabtausch mit dem Kanton von drei Prozent gab, haben diese Gemeinden ihren Steuerfuss faktisch erhöht. In Frick beispielsweise beträgt der Steuerfuss 2017 wie 2018 99 Prozent; der Steuerzahler zahlt in diesem Jahr dennoch drei Prozentpunkte mehr als 2017, da die Kantonssteuer um drei Prozentpunkte gestiegen ist.

Drei Gemeinden – Mettauertal, Oberhof und Wölflinswil – hoben den Steuerfuss sogar über den Steuerfussabtausch hinaus an. Nur in einer Gemeinde, Rheinfelden, zahlt der Steuerzahler heute effektiv weniger als 2017.

Unterschiedliche Perspektiven

Die Umfrage bei der AZ zum Steuerfuss 2019 zeigt: Im nächsten Jahr beantragt keine Gemeinde eine Senkung oder Erhöhung des Steuerfusses. Dies war nach der grossen Steuerfuss-Runde im Vorjahr auch zu erwarten. Einzige Unbekannte ist Rheinfelden; die Stadt will sich als einzige noch nicht zum Steuerfuss 2019 äussern.

Die mittelfristigen Perspektiven dagegen beurteilen die Gemeinden unterschiedlich. Frick kann zwar das Budget 2019 «mit einer schwarzen Null» präsentieren, wie Gemeindeschreiber Michael Widmer sagt. Es gelte aber die ungenügende Selbstfinanzierung im Auge zu behalten. «Dabei ist es durchaus denkbar, dass mittelfristig auch Massnahmen auf der Ertragsseite nötig sind.»

Auch in Mettauertal muss die Selbstfinanzierung laut Gemeindeschreiber Florian Wunderlin verbessert werden und für Gansingen bezeichnet Gemeindeschreiberin Rahel Amstutz die Selbstfinanzierung als «knapp». Die Mittelfristperspektiven seien stark von den Investitionen abhängig, so Amstutz. Sie geht von einem grundsätzlich stabilen Steuerfuss aus, bei grösseren Investitionen werde er aber ein Thema.

Stabile Aussichten

Von einem mittelfristig stabilen Steuerfuss geht die grosse Mehrheit der Fricktaler Gemeinden aus. Möhlin etwa. Halten und nach Möglichkeit senken, lautet hier die Devise. Eine Senkung wäre laut Vizegemeindeschreiber René Sacher auch deshalb angezeigt, weil der Steuerfuss «im Vergleich mit anderen Grossgemeinden und den Nachbargemeinden zu hoch ist».

Ebenfalls halten will Gipf-Oberfrick seinen Steuerfuss von 99 Prozent. «Ob dieses Ziel, gestützt auf die anstehenden Investitionen sowie steigenden Kosten in den Bereichen Pflege und Soziales erreicht werden kann, wird sich zeigen», sagt Gemeindeschreiber Urs Treier.

Halten will auch Obermumpf seinen Steuerfuss. Eine Erhöhung könne aber nicht ausgeschlossen werden, sagt Sandra Siegenthaler, Leiterin Finanzen und Einwohnerkontrolle. Sie verweist auf ein Problem, das viele Gemeinden haben: Die Gemeinde erhält seit diesem Jahr aufgrund des neuen Finanz- und Lastenausgleichs einen viel kleineren Finanzausgleich. «Die Differenz wird mit Übergangsbeiträgen ausgeglichen», sagt Siegenthaler. «Diese werden jedoch in den nächsten Jahren immer kleiner, bis sie 2022 ganz wegfallen. Das belastet zukünftig die Gemeinde Obermumpf massiv.»

In drei Gemeinden – Münchwilen, Zeihen und Oeschgen – geht man mittelfristig von einem eher steigenden Steuerfuss aus. «Der Handlungsspielraum wird immer enger», sagt der Zeiher Gemeindeschreiber Gianni Profico. Es sei wahrscheinlich, dass der Steuerfuss erhöht werden müsse. In Oeschgen dürfte die geplante Schulraumerweiterung einen höheren Steuerfuss nach sich ziehen.