Er gilt im Kanton Aargau als einer der Pioniere für die freiwillige Bodenforschung: Werner Brogli aus Möhlin. Schon seit 1981 leitet er die Bodenforschung der Fricktalisch-Badischen Vereinigung.

Ohne Gummistiefel geht es nicht. Bei unserem Gang über einen Acker oberhalb von Möhlin, nahe der Autobahn, würden wir mit normalen Strassenschuhen nicht weit kommen. Der Sonnenstand sei für eine Suche nach Fundstücken nicht ideal, meint Werner Brogli, Gründer und Leiter der Bodenforschung der Fricktalisch-Badischen Vereinigung. Zu viel Sonnenlicht blende und verhindere dadurch, allfällige Fundstücke in der Erde zu erkennen.

Wir ziehen die improvisierte Suche trotzdem durch. Mit konzentriertem Blick schreitet Werner Brogli über den Acker, den Kopf leicht gesenkt. «Viele Gegenstände, beispielsweise aus der Steinzeit, finden wir auf Äckern, nachdem sie gepflügt worden sind. Auch Baustellen bringen immer wieder historische Funde zutage», erzählt der pensionierte Primar- und Sekundarlehrer aus Möhlin. Die heutige Suche verläuft allerdings wenig erfolgreich. 

Ganz in der Nähe dieses Ackers stiess der junge Landwirt Martin Schneider im Jahr 2000 beim Pflügen auf Kalksteinplatten. Er meldete dies seinem ehemaligen Lehrer, bei dem er als Sekundarschüler ein geschichtliches Praktikum besucht hatte. Werner Brogli erkannte sofort eine alte Grabstätte und meldete die Entdeckung der Kantonsarchäologie, die 2001 gegen 30 Gräber aus dem Frühmittelalter freilegte. Zwischen und unter den Steinplatten lagen Skelette, eines davon von einer Frau, die mit goldenem Halsschmuck beigesetzt wurde. Ohne das Engagement der Fricktaler Bodenforscher wäre diese Grabstätte wohl nie entdeckt worden, vermutet Werner Brogli.

Eine Besonderheit im Kanton

Die freiwillige Bodenforschung im Fricktal ist im Kanton Aargau eine Besonderheit. Keine andere Region des Kantons kennt eine solche Institution. Als kleine Gruppe mit acht Personen startete Werner Brogli 1981 die Bodenforschung, nachdem er zuvor immer wieder für sich selber auf den Fluren und Äckern nach Fundstücken Ausschau hielt. «Schon als Schulbub», erinnert sich der Bauernsohn, «stiess ich bei der Kartoffelernte immer wieder auf besondere Steine. Das hat mich fasziniert und seitdem nicht mehr losgelassen».

Neben Werner Brogli wurden immer mehr Menschen von diesem «Virus» angesteckt. Mittlerweile engagieren sich in der Bodenforschung gegen 60 Ehrenamtliche aus dem Fricktal und 15 aus Südbaden. Von Anfang an arbeiteten Werner Brogli und sein Team mit der Kantonsarchäologie zusammen. Mittlerweile wird die Arbeit der freiwilligen Bodenforscher auch von Amtes Wegen geschätzt und unterstützt. Mit der Neustrukturierung der Aargauischen Kantonsarchäologie erscheint die Bodenforschergruppe erstmals offiziell im Organigramm dieser Institution. «Für uns freiwillige Bodenforscher ist diese neue Situation sehr erfreulich, denn unsere Beobachtungen, Dienstleistungen und Forschungen sollen in enger Zusammenarbeit mit der offiziellen Seite geschehen», betont Werner Brogli.

Vier Faustkeile aus dem Fricktal

Die freiwilligen Bodenforscher sind eine bunt gemischte Gruppe mit Vertretern aus verschiedenen Berufsgruppen – vom Bauern, Bauleiter und Lehrer über einen ehemaligen Tierarzt, Bankangestellten bis hin zum Steuerverwalter. Auch Frauen zeigen sich von der Bodenforschung fasziniert, wenn auch nur als Minderheit. Drei- oder viermal pro Jahr treffen sich die Mitglieder. Sie bringen ihre Funde mit und tauschen sich aus. Die historischen Fundgegenstände werden anschliessend der Kantonsarchäologie übergeben. Rund 650 Fundstücke sammelten sich im letzten Jahr an, über 700 waren es gar 2014.

Eines der Höhepunkte, den die Fricktaler Bodenforscher für sich verbuchen durften, war der Fund eines Faustkeils aus der Neandertalerzeit. Werner Brogli entdeckte ihn auf einem Acker bei Zeiningen. «Die Bearbeitung dieses Steins aus Quarzit weist auf eine hochstehende Handwerkskunst hin.» Auf einen sogar noch grösseren Faustkeil stiess er 2007. Von den insgesamt sieben in der Schweiz entdeckten Faustkeilen stammen ganze vier aus dem Fricktal.

Darauf ist Werner Brogli stolz. «Dies zeigt zum einen die Bedeutung unserer Arbeit, zum andern ist es ein Beweis dafür, dass gerade das Fricktal als Bindeglied zwischen dem Jura und Schwarzwald für Bodenforscher eine sehr spannende Gegend ist. In diesem Sinne rechnen wir künftig mit vielen weiteren Funden.»

Römischer Wachturm entdeckt

Manchmal bringen die Entdeckungen der Bodenforscher auch grössere Bauprojekte in Verzug. So geschehen beispielsweise beim Bau der Kantonsstrasse in Rheinsulz. Hier stiessen die Bodenforscher auf die Mauern eines römischen Wachturmes, der fast dem Bagger zum Opfer gefallen wäre. Die Strassenführung musste um den Wachturm herum angepasst werden. Als eines der vielen Höhepunkte seit dem Bestehen der Bodenforscher bezeichnet Werner Brogli zum Beispiel den Fund römischer Gegenstände entlang der Hauptstrasse in Frick.

Dank des Einsatzes von Urs Boss, der 2015 verstarb, konnten einige Gegenstände wie etwa die Bronzebüste eines Silens gerettet werden. Jeder Fund, auf den Werner Brogli und seine Kollegen stossen, sei ein Glücksmoment. «Man weiss nie, was einen erwartet. Bei jedem Schritt kann man auf etwas stossen, das uns auf viele Tausend Jahre der Menschheitsgeschichte zurückblicken lässt», schwärmt der Bodenforscher, der auch schon in Syrien bei Ausgrabungen dabei war.

In Zukunft möchte die Kantonsarchäologie zusammen mit Werner Brogli und anderen Ehrenamtlichen die Bodenforschungsaktivitäten auch auf andere Gebiete des Kantons ausdehnen.