Stein
Steiner Frauen schöpfen Lebensimpulse aus der Stille

«Die Stille wirkt als Stossdämpfer in unserem Leben, damit wir die holprigen Lebensstrassen besser ertragen.» Passend zum Advent widmete sich der letzte Steiner Frauenmorgen in diesem Jahr der Frage, welcher Platz die Stille im Leben haben könnte.

Ursula Stocker
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Schwester Emmy Schwab (stehend) kennt die Kraft der Stille.Bw

Schwester Emmy Schwab (stehend) kennt die Kraft der Stille.Bw

Schwester Emmy Schwab lebt mit vier Mitschwestern auf der Grimmialp im Diemtigtal. Eine Gruppe protestantischer Frauen gründete die Steppenblüte Communität in den 70er-Jahren. Die jungen Frauen fühlten sich zum zölibatären Leben in der christlichen Gemeinschaft berufen. Nach Jahren des Wirkens in der Stadt Basel zog die Gemeinschaft vor 20 Jahren auf die Grimmialp im Berner Oberland, wo sie ein stillgelegtes Kurhaus erwerben konnte. Die Schwestern führen nun einen Betrieb mit 65 Betten, sie bieten Kurse und Exerzitien an, begleiten Menschen in schwierigen Situationen und sind auch für Gastgruppen offen.

Für Sr. Emmy Schwab war der Begriff «Stille» zuerst negativ besetzt. Sie hatte in ihrer Jugend erlebt, dass Konflikten und Unstimmigkeiten mit Schweigen begegnet wurde. Diese Art der Stille erlebte sie als bedrückend und Angst einflössend. Solche Erfahrungen sind weit verbreitet. Kein Wunder, versuchen viele, diese bedrohliche Stille mit ständiger Musik und Betriebsamkeit zu übertönen. Die befreiende, entspannende Stille lernte Sr. Emmy erst später kennen. Sie findet es unumgänglich, in der heutigen lauten und hektischen Zeit der Stille Raum zu geben. Viele Menschen haben dieses Bedürfnis, auffallend oft tritt es erst in der zweiten Lebenshälfte auf. Doch wir tun uns schwer damit, halten die Stille kaum aus und flüchten uns in Betriebsamkeit.

Stille Sequenzen im Alltag

Die Referentin ermutigte ihre Zuhörerinnen in Stein immer wieder bewusst, stille Sequenzen in das Alltagsleben einzubauen. In der Stille entsteht Raum, um Neues in sich werden zu lassen. Dabei ist es hilfreich, zurück zu schauen, sich Zurückliegendes und seine Bedeutung zu vergegenwärtigen und dann zu fragen: Wie geht es weiter? Diese Schlaufen helfen, Sicherheit zu finden für Entscheidungen im Grossen und im Kleinen. Sr. Emmy nahm ihre Zuhörerschaft mit auf einen Streifzug durch die Landschaft ihres Lebensumfeldes. Sie zeigte Bilder aus ihrer Bergheimat. Die Natur ist eine grosszügige Ruhespenderin, die winterliche Natur ein Symbol für das menschliche Bedürfnis nach Einkehr und Brachzeiten.

Erste Frauenmorgen im neuen Jahr am 31. Januar, 9 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus Stein mit Eva Schütz, Stellenleitern Pro Senectute Frick (Die aktuelle AHV Generation – vermögend und reiselustig. Über die Erwartungen und Herausforderungen des Älterwerdens heute).