Stein
Findet die Odyssee um das Alte Zollhaus nun ein Ende? Fünf Fragen und Antworten zur Referendumsabstimmung

Zwei Projekte zur Aufwertung der historischen Liegenschaft scheiterten bereits. Nun, im dritten Anlauf, könnte das Zollhaus durch den Verkauf in private Hände wieder schmuck gemacht werden. Dies will jedoch eine IG verhindern. Der Souverän hat am 7. März das letzte Wort.

Dennis Kalt
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Das Alte Zollhaus am Steiner Brückenkopf bietet derzeit einen recht trostlosen Anblick.

Das Alte Zollhaus am Steiner Brückenkopf bietet derzeit einen recht trostlosen Anblick.

Bild: Uwe Melzer (2. Dezember 2019)

Das Alte Zollhaus am Steiner Brückenkopf ist seit dem Jahr 2009 im Besitz der Gemeinde. Vom Bund erwarb sie das Gebäude für 480'000 Franken mit dem Ziel ein Dorfmuseum einzurichten. Von diesem spricht man aber schon lange nicht mehr. Seit einigen Jahren bietet die historische Liegenschaft einen trostlosen Anblick. Doch dies könnte sich bald ändern. So wird denn bei der Referendumsabstimmung vom 7. März mitunter darüber entschieden, ob die Liegenschaft in private Hand wechselt sowie aufgewertet und umgenutzt wird. Fünf Fragen und Antworten dazu:

1. Wer möchte denn bitte so ein Gebäude kaufen?

Edgar Steinacher und Franziska Zurfluh unterbreiteten der Gemeinde für das Alte Zollhaus ein Kaufangebot über 500'000 Franken. Die Liegenschaft wollen sie sanieren und im Erdgeschoss einen Gastronomie-Betrieb einrichten, kulturelle Anlässen aller Art abhalten und somit einen Begegnungsort für Passanten, Vereine und Touristen schaffen. Das Zollhaus soll hierbei der Bevölkerung weiterhin teilweise zugänglich bleiben. In den oberen Geschossen soll Wohnraum entstehen. 71 der 123 Stimmberechtigten gaben an der Gemeindeversammlung vom 5. Dezember grünes Licht für den Verkauf.

2. Sind die Steiner glücklich über den geplanten Verkauf samt Aufwertung?

Nicht alle. Allem voran die IG Zollhüsli, die sich nach der Gemeindeversammlung formierte und damit begann, Stimmen zu sammeln, um den Verkauf an Steinacher und Zurfluh an der Urne zu kippen. Mit 187 Unterschriften sammelten sie 27 mehr als für das Referendum nötig.

3. Und was stört die IG Zollhüsli an dem Verkauf?

Da gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Erstens argumentiert die IG, dass der Gemeinderat der Gegenüberstellung zweier ausgearbeiteter Projekte, - diese erhielten vom Souverän 2017 und 2019 keine Zustimmung – nicht nachgekommen sei. Diesen Auftrag erteilte der Souverän dem Gemeinderat mit einem Rückweisungsantrag im Dezember 2019. Zweitens sei der Verkauf nicht öffentlich ausgeschrieben worden, damit auch andere Interessenten die Möglichkeit für den Kauf des Gebäudes erhalten.

4. Lässt der Gemeinderat diese Kritik so auf sich sitzen?

Das tut er nicht. Er führt an, dass Anfang 2020 zwei unabhängige Architekturbüros bestimmt wurden, um allfällige Mängel und Verbesserungsbedarf an den beiden ausgearbeiteten Projekten aufzuzeigen. Kurze darauf hätten aber Steinacher und Zurfluh ihr Kaufinteresse signalisiert. Ein Glücksfall für den Gemeinderat, verschlang doch das alte Zollhaus im Zusammenhang mit den beiden Projekten bis dahin bereits rund 122'000 Franken und benötigt für die Sanierung dereinst einen Investitionsbedarf von rund einer Million Franken. «Wo ist denn ein anderer Investor, der dieses Gebäude für 1,5 Millionen Franken erwirbt und saniert sowie eine solche ideelle, nicht gewinnorientierte Nutzung mit Zugangsmöglichkeit für die Öffentlichkeit zulässt», fragt sich denn auch der Gemeinderat, der durch den Verkauf die Chance sieht, die Pattsituation, die bereits über ein Jahrzehnt andauert, aufzulösen.

5. Ist dann der Gemeinderat nicht sauer, wenn das Referendum erfolgreich ist und der Verkauf scheitert?

Sauer ist hier das falsche Wort, weil es sich ja um den Volkswillen handelt, der aus einem demokratischen Prozess herrührt. Vielleicht aber ein wenig enttäuscht. Denn dann steht der Gemeinderat dort, wo er bereits vor einem Jahr stand. Heisst: die Analyse der beiden vorhandenen Projekte wird wieder gestartet, es muss wieder Geld und Zeit in die Hand genommen werden, um einen vierten Anlauf für eine Aufwertung der Liegenschaft zu nehmen, bei dem man wieder nicht weiss, ob dieser vom Souverän goutiert wird.