«Hunger, Hunger!», quengelt Klein Roger auf dem Rücksitz des nigelnagelneuen SUV, wie Familie Fricker aus dem Bözbergtunnel fährt und auf der A3 Richtung Basel düst. Der Vater, die Quengelei satt, sagt «ja, ja, gleich!» und denkt sich «Himmel, mach den Kleinen heiser!» Wenige Kilometer später setzt er den Blinker, spurt ein und fährt auf die Raststätte Oeschgen.

Film zurück. ... und fährt auf die Raststätte Oeschgen? Was heute utopisch erscheint, war beim Bau der Autobahn zumindest angedacht. Im kantonalen Richtplan war auf Höhe Oeschgen eine Raststätte ausgespart; noch heute sieht man diese Aussparung. Die Raststätte wurde zwar vor gut zehn Jahren aus dem kantonalen Richtplan gestrichen – die Diskussion, ob eine zusätzliche Raststätte zwischen Würenlos und Pratteln Sinn macht, hält sich dagegen hartnäckig.

Die einen sagen: Das kann funktionieren, denn 63 raststättenlose Kilometer sind für Schweizer Verhältnisse ja eine halbe Ewigkeit. Andere winken ab, sagen, das rentiere nie – ganz abgesehen davon, dass das Fricktal von einer Autobahnraststätte, die, nomen est omen, nur von der Autobahn aus zur Rast genutzt werden kann, nichts habe.

Ähnlich beurteilt es Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio und Fricker Vizeammann. An seinen Verband werden die Raststätten-Wünsche regelmässig herangetragen. Aktuell gebe es keine Baupläne, sagt er, für die Raststätte existierten im Moment lediglich die Baulinien. Will heissen: Rechtlich wäre eine Raststätte noch möglich, «aber in zeitlicher Ferne».

Eher ein Rasthof

Auf die Frage, wo denn eine zusätzliche Raststätte liegen müsste, sagt Fricker kurz und klar: «Nicht im Fricktal.» Eher Sinn würde hier, so Fricker, ein Rasthof machen – also ein Konstrukt, das bei einer Autobahnausfahrt liegt, das man sowohl von der Autobahn wie von ausserhalb erreichen kann und das vom regionalen Gewerbe und von der Landwirtschaft bewirtschaftet wird. Ein zusätzliches Angebot muss für Fricker zwingend der Region einen Mehrwert bringen. Ein reiner Autobahn-Halt bringe diesen Benefit nicht.

Da fällt der Blick fast zwangsläufig auf den ehemaligen A3-Werkhof in Frick. Er liegt nahe der Autobahn und ist auch von ausserhalb gut erreichbar. Der Werkhof gehört dem Kanton und dient bis im Frühling 2020 als kantonale Asylunterkunft. Was danach passiert, ist offen. Der Kanton möchte den Werkhof anschliessend als Standort für das kantonale Katastrophen-Element nutzen – sprich: als Lager für die Beaverschläuche. «Sicher nicht an diesem Top-Standort», monieren Politiker, Parteien und Gemeinde. Sie sehen hier vielmehr eine gewerbliche Nutzung. Oder vielleicht doch eine Raststätte? «Der Gemeinderat Frick hat sich dagegen geäussert», sagt Fricker. «In diesem Gebäude sieht er eher ein Gewerbezentrum.»

In weiter Ferne

Wie geht es nun raststättenmässig weiter? «Bezüglich Raststätte geschieht im Moment gar nichts», sagt Fricker. Die Idee eines Rasthofes hingegen werde Fricktal Regio im Auge behalten. Wobei: «Federführend sind aber Bund und Kanton, zusammen mit den Gemeinden.» Fricktal Regio werde, «seinem Kernauftrag entsprechend», koordinieren und vermitteln.

Auf die Frage aller Fragen, nämlich der, ob er eine Raststätte a) für sinnvoll und b) für realistisch hält, antwortet Fricker, man ahnt es, zweimal mit: Nein. Auch, weil «weit und breit kein Investor zu erkennen ist und die Gemeinde eine solche nicht will».

Klar ist aber auch: Das Thema Raststätte (und Rasthof) wird Fricktal Regio noch so lange weiter beschäftigen, bis ein endgültiger Entscheid gefallen ist – für oder gegen eine Ich-bin-dann-mal-da-Rastgelegenheit.

Der Zeithorizont allerdings ist offen – man kann auch sagen: luftig. Das Bundesamt für Strassen beschäftigt sich laut Fricker aktuell nicht mit der Raststätten-Frage, für den Kanton habe die Angelegenheit keine hohe Priorität. Und wie schätzt Fricker den Zeithorizont der Abklärungen ein? «Bis dahin fliesst noch viel Wasser die Sissle hinunter.»

Klein Roger kann also noch einige Zeit auf dem Rücksitz des SUV quengeln.