Laufenburg

Stapellauf oder Schiffbruch? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Museums-Sanierung

Neues Konzept: So soll das Museum Schiff nach der Sanierung und der Erweiterung aussehen.

Neues Konzept: So soll das Museum Schiff nach der Sanierung und der Erweiterung aussehen.

Das Museum Schiff in Laufenburg soll für 4,1 Millionen Franken saniert und erweitert werden. Am 9. Februar kommt das Geschäft vors Volk.

Das Museum Schiff in Laufenburg will sich für die Zukunft flottmachen: Für 4,1 Millionen Franken soll das Museum saniert und erweitert werden. Zudem soll ein neues Betriebs- und Ausstellungskonzept umgesetzt werden.

An den Kosten sollen sich die Einwohner mit 500000, die Ortsbürger mit 850000 Franken beteiligen. Entsprechenden Krediten haben beide Gemeindeversammlungen im November zugestimmt. Ebenso einer Erhöhung des jährlichen Betriebsbeitrages auf je 20000 Franken. Gegen die Entscheide hat die «IG 5080/ 5085» erfolgreich das Referendum ergriffen. Am 9. Februar stimmen deshalb Ortsbürger und Einwohner an der Urne über die Kredite ab. Die AZ hat die Fakten.

Weshalb muss das Museum saniert werden?

Die Sanierung ist nötig, weil das Museum letztmals vor 40 Jahren saniert wurde. Seither wurden nur die nötigsten Reparaturarbeiten ausgeführt. Der Gemeinderat bezeichnet die Liegenschaft in seiner Botschaft an die Stimmberechtigten als «höchst sanierungsbedürftig».

Was spricht gegen die Sanierung?

Gegen die Sanierung selber spricht nichts. Den Sanierungsbedarf sehen auch die Gegner der Vorlage. Sie wehren sich allerdings gegen den ihrer Ansicht nach überrissenen Ausbau des Museums. Die Museumsfläche soll durch einen Anbau sowie einen Ausbau des Dachgeschosses um 300 Quadratmeter erweitert werden, was nahezu eine Verdoppelung der heutigen Ausstellungsfläche ist.

Dafür reichen 1,35 Millionen sicher nicht. Wer soll das bezahlen?

Den Hauptharst an die Kosten, fast 45 Prozent, sollen Swisslos-Fonds und Denkmalpflege beisteuern. Ein entsprechender Beitrag wurde dem Museum in Aussicht gestellt. 670000 Franken stammen vom Museumsverein selber, 110000 Franken von badisch Laufenburg und 30000 Franken können aus einem EU-­Fördertopf geschöpft werden.

Da fehlen aber noch 100000 Franken.

Richtig. Die Zahlen sorgten in den letzten Tagen denn auch für Verwirrung. Die Differenz liegt daran, dass der Verein ursprünglich mit Gemeindebeiträgen auf Schweizer Seite von insgesamt 1,45 Millionen Franken kalkuliert hatte, diese dann aber um 100000 Franken gekürzt und anders auf Ortsbürger- und Einwohnergemeinde verteilt wurden. Die 100000 Franken fehlen nun aber nicht; ein Laufenburger hat sich «spontan bereit erklärt, die fehlenden 100000 Franken zu übernehmen», sagt Dieter Deiss vom Pro-Komitee.

Was schlagen die Kreditgegner vor?

Dass ein redimensioniertes Projekt ausgearbeitet und dann umgesetzt wird. Sie sprechen von einem «Plan B», der in der Schublade liege, jedoch nicht weiter ausgearbeitet worden sei. Dieser «Plan B» sehe Investitionen von nur rund 2,1 Millionen Franken vor – und das sei für Laufenburg die richtige Lösung. Auch mit dieser Variante könnte ein neues Konzept umgesetzt werden, das dann ebenfalls subventionsberechtigt wäre.

Was sagen Museumsverein und Gemeinde dazu?

Sie widersprechen nicht, dass es auch günstigere Varianten gäbe. Allerdings sei dies kein «Plan B», sondern nur «eine rudimentäre Kostenschätzung». Mit einer «Billigvariante», wie es Gemeinderat und Museumsverein unisono nennen, könnte das Museum zwar saniert, aber nicht erweitert werden. Dies hätte finanzielle Folgen. Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins, spricht in einem Brief an die Vereinsmitglieder davon, «dass wir auf einen Grossteil der zugesicherten Subventionen verzichten müssten» und dass die Kostenersparnis für die Gemeinde letztlich «eher bescheiden» sei. Der Gemeinderat sagt, dass es zudem «für ein halbherziges Konzept» eher schwierig werden dürfte, die nötigen Sponsoren zu finden und die Nachfolgeplanung des Museumsvereins attraktiv zu gestalten. «Nicht zuletzt könnte auch die geplante behindertengerechte Erschlies­sung nicht umgesetzt werden.»

Wird das Museum also voll rollstuhlgängig?

Jein. Im Inneren soll ein Lift dafür sorgen, dass Menschen mit einer Gehbehinderung problemlos alle Stockwerke erreichen können. Die Stufen beim Eingang können allerdings nicht entfernt werden – das Gebäude ist denkmalgeschützt – und der temporäre Anbau einer mobilen Rampe ist vom Gelände her nicht möglich. Rollstuhlfahrern will der Museumsverein jeweils mit Muskelkraft helfen, ins Museum zu kommen. Dies setzt allerdings voraus, dass sich Menschen im Rollstuhl voranmelden. Dies sei mit der Behindertenorganisation Procap so vereinbart, sagt Burger.

Die Frage bleibt: Gibt es für eine billigere Variante keine Subventionsgelder?

Dies lässt sich so nicht sagen. Klar ist: An eine reine Sanierung zahlt der Kanton nichts. Ob und wie viel er an ein Alternativkonzept zahlen würde, das den gleichen oder einen ähnlichen musealen Mehrwert bietet, müsste erst geklärt werden. Der Kanton spricht als Voraussetzung für eine finanzielle Beteiligung von einem Konzept, das «qualitativ auf demselben Niveau stattfindet» wie das eingereichte Konzept und meint damit insbesondere die museale Umsetzung. «Falls lediglich bauliche Massnahmen am Haus stattfinden, kann der Swisslos-Fonds voraussichtlich keinen Beitrag leisten», schreibt der Kanton in einem Mail an den Museumsverein, welches der AZ vorliegt.

Steigen nach dem Ausbau auch die Betriebskosten?

Ja, und das recht deutlich. Heute kostet der Betrieb rund 24000 Franken pro Jahr, künftig sollen es 86000 Franken sein. Ein Grossteil der Mehrkosten verschlingt einen wissenschaftlichen Mitarbeiter, der Teilzeit eingestellt wird und mit rund 30000 Franken zu Buche schlägt. Eine Professionalisierung erachtet der Museumsverein nach dem Aufbau für nötig – und sie wird vom Kanton im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung auch gefordert. Viele der restlichen Mehrkosten beim Betrieb sind der Vergrösserung geschuldet. Die Gegner monieren, dass zusätzliche Betriebskosten entstehen werden, etwa im Bereich Marketing.

Was wird aus der «Taverne zum Schiff» im Parterre?

Die Taverne wird heute noch während der Fasnacht als Beiz genutzt. Sie soll einem Multifunktionsraum weichen, der allerdings dann auch der Gemeinde und anderen für ihre Anlässe zur Verfügung steht. Nicht gerüttelt wird an der Zunftstube im Erdgeschoss; sie bleibt erhalten. Zudem ist ein «Geschichtslabor» für Schulen geplant.

Wird das Museum auch zum Tourismusbüro?

Angedacht ist, dass das Tourismusbüro im Erdgeschoss untergebracht wird. Entschieden sei aber noch nichts, sagt der Museumsverein und spricht in seinen Unterlagen von «einer Anregung». Diese regt die Kreditgegner eher auf als an; sie sehen es als Fehler an, den heutigen «prominenten Standort» an der alten Rheinbrücke aufzugeben. Zudem weisen sie darauf hin, dass im Finanzierungskonzept Verpachtungseinnahmen für das Tourismusbüro von 6000 Franken pro Jahr eingestellt seien.

Guter Rat ist teuer. Gibt es keinen unabhängigen Prüfbericht?

Doch. Architekt Walter Tschudin hat einen solchen Prüf­bericht erstellt. Dieser zeigt Chancen und Risiken auf. Je nach Abstimmungscouleur wird er unterschiedlich gelesen. Für den Gemeinderat bestätigt der Bericht, dass das Konzept «auf einer tragfähigen Grundlage basiere» und die Annahmen zu den Betriebskosten realistisch seien, allerdings ein hohes Engagement bedingen. Für die Gegner zeigt der Bericht «klar, dass das Projekt an seine Grenzen stösst, vor allem bei den Betriebskosten».

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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