Zeihen
Standortwahl für Lager von Atommüll: Fairness verlangt

Der Gemeinderat Zeihen äussert sich zum Sachplan geologisches Tiefenlager. Eine Forderung: Der Zeitplan muss massiv ausgeweitet werden.

Walter Christen
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Die Tiefenlagerregion Bözberg: Die Linner Linde im Winter.

Die Tiefenlagerregion Bözberg: Die Linner Linde im Winter.

«Man muss sich weiter intensiv Gedanken darüber machen, wie es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit der Entsorgung von radioaktiven Abfällen weitergehen soll. Das ist ein heikles, komplexes Thema und ruft gewisse Bedenken hervor. Es handelt sich bei der Entsorgung radioaktiven Abfalls um ein generationenüberschreitendes Problem.» Dies hielt der Zeiher Gemeindeammann Ueli Schenk im Gespräch mit der az Aargauer Zeitung fest.

Das Dorf Zeihen im Standortgebiet

Zeihen ist eine der tangierten Gemeinden im ausgeschiedenen Standortgebiet, wo die unterirdischen Anlagen für ein geologisches Tiefenlager für hochaktive Abfälle im Opalinuston der Bözbergregion erstellt werden könnte. Doch der vorgeschlagene Zeitplan birgt aus Zeiher Sicht die grosse Gefahr, dass eine vorschnelle Gesamtbewertung der Standorte vorgenommen wird. Aus diesem Grund müsse der Zeitplan massiv ausgeweitet werden. «Es soll keine zu schnelle Gangart eingeschaltet werden», so Gemeindeammann Ueli Schenk.

Da die Gemeinde Zeihen direkt und/oder indirekt von einem potenziellen Tiefenlager Bözberg betroffen wäre, hat der Gemeinderat die Möglichkeit im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens zum Sachplan genutzt und eine Stellungnahme beim Bundesamt für Energie eingereicht.

Das Sachplanverfahren soll gewährleisten, dass die infrage kommenden Gebiete für ein geologisches Tiefenlager transparent und fair untersucht und geprüft werden. Dazu soll die Öffentlichkeit über Grundsätze, Vorgehensweisen und Ziele des Bundes bei der Entsorgung von nu-klearen Abfällen informiert werden. Trotz grossem Aufwand vonseiten des Bundesamtes für Energie, die Öffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten, gab es inzwischen Rückmeldungen aus der Bevölkerung, wonach weitere, auch für Laien besser verständliche Informationen nützlich gewesen wären.

Höchste Sicherheit hat Priorität

Höchste Priorität hat aus Sicht des Gemeinderats Zeihen die Langzeitsicherheit. «Es ist daher eher unver-ständlich, dass der Jura (Bözberg) zur Auswahl steht. Gerade das Juragebirge ist in Bewegung, was für ein allfälliges Tiefenlager grosse Probleme mit sich bringen könnte. Zudem muss die Problematik der unterschiedlichen Erosionsarten in den
Sicherheitsanalysen vertieft untersucht werden.»

Für die sozioökologischen Studien wurde vom Bundesamt für Raumplanung, unter Einbezug der Arbeitsgruppe Raumplanung, eine Methodik entwickelt. «Mit einem gewissen Unbehagen müssen wir darauf vertrauen, dass diese Methodik zu plausiblen Resultaten führt. Wir sind deshalb der Meinung, dass die vom Ausschuss der Kantone empfohlene Zusatzuntersuchung zu Gesellschaft und Image dringend gemacht werden sollte», heisst es in der Stellungnahme des Gemeinderats Zeihen.

«Nicht die hohle Hand machen»

Allfällige negative Einflüsse müssen erkannt und abgegolten werden, würde doch der Jurapark ansonsten klar an Glaubwürdigkeit verlieren, meint die Zeiher Exekutive. «Es gäbe sicher verschiedene Arten von Entschädigungen. Die betroffenen Gemeinden müssten diesbezüglich berücksichtigt werden. Aber einfach die hohle Hand machen wäre auch nicht das Wahre», so Ueli Schenk.