Stadtratswahlen
Aufbruch oder Kontinuität – wer regiert künftig in Laufenburg mit wem?

Der hart geführte Wahlkampf in Laufenburg biegt auf die Zielgerade ein. Die Fronten sind klar – jetzt ist der Wähler am Zug. Was passiert am 26. September? Wer macht in gut einer Woche das Rennen? Wie ist die Stimmung in der Stadt? Einige mögliche Szenarien.

Thomas Wehrli
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Die Podiumsdiskussion zur Gemeinderatswahl am 26. September in der Stadthalle Laufenburg war gut besucht.

Die Podiumsdiskussion zur Gemeinderatswahl am 26. September in der Stadthalle Laufenburg war gut besucht.

Peter Schütz / Aargauer Zeitung

Es ist ein wahrer Wahlkampfkrimi, den sich die sieben Kandidaten in Laufenburg liefern. Wer macht in gut einer Woche das Rennen? Eine Prognose ist kaum möglich; zu viele Unwägbarkeiten gibt es – und auch zu viele mögliche Kombinationen auf den Wahlzetteln. Eine kleine Umschau.

Kommunikation zwischen Exekutive und Bevölkerung

Da ist die Fraktion derer, die einen Führungswechsel für Laufenburg anmahnt, die sagt, es laufe gar nicht gut im Städtchen, die sagt, die Kommunikation zwischen Exekutive und Bevölkerung, zwischen Gewählten und Wählern funktioniere nicht wirklich. Sie werden vermutlich Meinrad Schraner (SVP) als Ammann und André Maier (FDP) als Vizeammann auf den Wahlzettel schreiben.

Und wen noch? Herbert Weiss (Die Mitte) kaum, denn sie halten ihn für den Urheber des (Kommunikations-)Problems, Christian Rüede (SVP) wohl eher auch nicht, denn er goutiert das Wahlmanöver seines Parteikollegen Meinrad Schraner ganz und gar nicht – und trat gegen den Willen seiner Partei neben André Maier als Vizeammann an. Regina Erhard (Die Mitte) eventuell. Aber vielleicht dann doch eher die beiden neuen Gesichter, Patrick Bernhart (FDP) und Rebecca Melton (parteilos).

Eine Blutauffrischung täte dem Gremium gut, sagen sie – auch im Wissen darum, dass eine Zusammenarbeit in der alten Konstellation schwierig bis unmöglich sein dürfte.

Herbert Weiss ist Stadtammann von Laufenburg.

Herbert Weiss ist Stadtammann von Laufenburg.

zvg / Aargauer Zeitung

Eine zweite Variante: Weiss und Maier als Führungsduo

Wie gross ist die Wahlchance der Variante Aufbruch? Schwierig zu sagen; nimmt man die Leserbriefe als Indiz, sind sie intakt. Die Frage ist hier auch, wie gut die beiden Parteien, die für den Neuanfang einstehen, die FDP und die SVP, mobilisieren können – und wie weit die Basis der Parteien den Entscheiden der beiden Parteispitzen folgt.

Prominente Vertreter der Partei – unter anderem alt Stadträtin Ursula Jutzi und alt Gemeindeammann Deiter Deiss – haben sich jedenfalls vom Vorgehen distanziert. Hier kommt eine zweite Variante ins Spiel: Herbert Weiss als alter und neuer Ammann, André Maier als Vizeammann. Das ist zwar weder im Sinne von Schraner und Maier noch im Sinne des «Trios», wie Weiss, Erhard und Rüede auch genannt werden – aber doch eine Option, die sich wohl einige Laufenburger durchaus überlegen.

Denn, so argumentiert beispielsweise Jutzi, so wären auch die beiden Ortsteile, Laufenburg und Sulz, in der Führung vertreten – und nicht zwei Sulzer, was die alt Stadträtin als störend empfindet. Gut, Maier lebt inzwischen zwar in Rheinsulz – er hat aber als Sohn der Bäckerdynastie Maier tiefe Laufenburger Wurzeln und gilt, so Jutzi, deshalb nach wie vor als Laufenburger. Das Kriterium, dass je ein Sulzer und ein Laufenburger in den Führungsämtern sitzen sollen, ist allerdings auch eingelöst, wenn Meinrad Schraner und André Maier gewählt werden.

Oder doch das «Trio» in neuer-alter Fahrt?

Eine dritte Variante lautet: Wir wählen das Trio Weiss, Erhard und Rüede. Die einen, weil sie mit deren Arbeit zufrieden sind, die anderen, weil sie das Vorgehen von Schraner und Maier respektive der Parteispitzen von SVP und FDP nicht goutieren. Wen wählen Sie zusätzlich? Da kommen zum einen die beiden neu Kandidierenden in Frage, also ­Melton und Bernhart, wobei Letzterer das Handicap bei den Trio-Wählern hat, dass er den Führungswechsel mitträgt respektive Teil dieser Strategie ist. Andere werden Maier auf die Liste setzen, wieder andere zwei Zeilen leer lassen.

Meinrad Schraner, SVP, kandidiert als Ammann von Laufenburg.

Meinrad Schraner, SVP, kandidiert als Ammann von Laufenburg.

zvg/Martin Schnetzler / Aargauer Zeitung

Eine vierte Variante lautet: Vor der Wahl ist nach der Wahl, alle fünf Bisherigen werden wieder gewählt. Dies erscheint derzeit zwar fraglich – und würde zwei Fragen aufwerfen: Können die fünf nach dem, was vorgefallen ist, vier Jahre weiter arbeiten respektive: Können sie es? Die Signale sind unterschiedlich.

Die zweite Frage: Was passiert, wenn der je andere zum Ammann gewählt wird? Weiss hat im Vorfeld klar gesagt, dass er «nur» als Stadtrat nicht zur Verfügung steht, Schraner dagegen würde auch im Rat weiter wirken, wenn er als Stadtrat und nicht als Ammann gewählt wird. Als Vizeammann tritt Schraner, das ist konsequent, gar nicht zu den Wahlen an. Aber: Jedem Laufenburger steht es trotzdem frei, ihn als Vizeammann auf den Wahlzettel zu schreiben.

Neben diesen vier Varianten gibt es zahlreiche Untervariante. Sie alle durchzuspielen, ist nicht möglich. Was sagen die Parteien? SVP und FDP wollen den Führungswechsel, Die Mitte, die Partei von Weiss und Erhard also, wenig verwunderlich den Status quo mit Weiss als Ammann. Ihm zur Seite sollen Rüede und Erhard stehen.

SP fordert eine Klärung der Rollen

André Maier will Vizeammann von Laufenburg werden.

André Maier will Vizeammann von Laufenburg werden.

zvg / Aargauer Zeitung

Und die SP? Sie stellt zwar in Laufenburg keinen Stadtrat und tritt auch nicht oft in Erscheinung – doch gestern liess die Stadtpartei über den Bezirksparteipräsidenten Rolf Schmid eine Medienmitteilung unter dem Titel «Wahlempfehlung der SP Laufenburg: Nur mit Vorbehalt» veröffentlichen. Darin bedauert die Partei, keine eigene Kandidatur präsentieren zu können.

Die Partei fordert nach der Wahl «eine sofortige Klärung der Rollen». Darüber hinaus bleibt bei der SP der Eindruck hängen, «dass Amtierende in ihren Ressorts nicht ausreichend bewandert sind». Im Klartext heisst das: Selbst wenn nach der Wahl alles beim Alten bleiben sollte, fordert die SP eine Neuverteilung der Ressorts. Die Partei greift in der Mitteilung auch einen Punkt auf, der im Wahlkampf oft zu hören ist – und wo selbst Stadträte einräumen, dass es nicht optimal lief in den letzten Jahren: in der Kommunikation. «Der Stadtrat muss transparenter und frühzeitiger kommunizieren und er muss sich mit den Anliegen der ganzen Bevölkerung auseinandersetzen», schreibt die Partei.

«Rein inhaltlich keine der Kandidaturen überzeugt unterstützen»

Christian Rüede will auch Vizeammann von Laufenburg werden.

Christian Rüede will auch Vizeammann von Laufenburg werden.

zvg / Aargauer Zeitung

Doch was sagen die Sozialdemokraten zu den sieben Kandidaten? Dass sie «rein inhaltlich keine der Kandidaturen überzeugt unterstützen» können. Beim Duo Schraner/Maier vermögen nach Ansicht der SP zwar die betriebswirtschaftliche Ansätze zu überzeugen, den Roten fehlen im Programm aber «deutliche Bekenntnisse zum Service Public». Zudem missfällt der SP die Art und Weise, wie Schraner und Maier ihre Kandidatur lanciert haben.

Deshalb: «Für die SP sind sie damit nicht wählbar, auch nicht als Stadträte.» Im Sinne einer Kontinuität, der Bestätigung «von an sich engagierten und zugänglichen Behördenmitgliedern», unterstützt die SP deshalb die Wiederwahl von Erhard, Rüede und Weiss. Und die beiden anderen Sitze? Darüber schweigt sich die Partei im Communiqué aus.

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