Rheinfelden
Stadtrat will das Rote Haus als Zeitzeugen für über 4 Mio umbauen lassen

Der Stadtrat will das baufällige Rote Haus auch als Zeitzeugen erhalten und für 4,36 Millionen Franken in ein Zentrum für Beratungsdienstleistungen umbauen. Ein Abbruch steht nicht zur Diskussion, weil das Gebäude unter kommunalem Schutz steht.

Stefan Gyr
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Sensible Lage im alten Stadtgraben: das Rote Haus in Rheinfelden. stg

Sensible Lage im alten Stadtgraben: das Rote Haus in Rheinfelden. stg

Es ist eine ziemliche Lotterbude, das Rote Haus. Eingezwängt zwischen dem Rhein-Parking und einem modernen Wohn- und Geschäftshaus, passt es auch nicht mehr in das Gebiet gegenüber der Schifflände. Warum soll dieses Gebäude erhalten und für stolze 4,36 Millionen Franken in ein Zentrum für Beratungsdienstleistungen umgebaut werden?

Diese Frage stellt sich in Rheinfelden nicht nur die SVP, die eine Volksabstimmung über die Sanierung und Erweiterung des Roten Hauses erzwungen hat. Man könnte das Gebäude auch abreissen und durch einen Neubau ersetzen oder einen Freiraum an dieser Stelle im alten Stadtgraben schaffen, erklärten SVP-Vertreter, als sie vor knapp einem Monat die Referendumsunterschriften einreichten.

Mit dem Kanton abgestimmt

Für den Stadtrat steht ein Abbruch nicht zur Diskussion, weil das Gebäude unter kommunalen Schutz steht. Unter Schutz gestellt wurde es nicht vom Stadtrat, wie der neue Bauvorsteher Hans Gloor erklärt. Diesen Entscheid habe die Gemeindeversammlung vor Jahren getroffen, als sie die geltende Bau- und Nutzungsordnung sowie die Bauzonenplanung angenommen habe.

«Die Liegenschaft steht als letzter verbliebener Zeitzeuge im nunmehr freigelegten und neu gestalteten historischen Stadtgraben von Rheinfelden und prägt die Entwicklungsgeschichte des Orts», sagt Stadtrat Gloor. Wegen seiner sensiblen Lage im Stadtgraben sei das Rote Haus auch als geschützter Bau belassen worden, als der Entwicklungsrichtplan für die Schifflände und der Gestaltungsplan für das Müller-Brunner-Areal erarbeitet wurden.

Der Schutzentscheid wurde nach Angaben von Gloor mit der kantonalen Denkmalpflege abgestimmt, als 2003 die kommunal geschützten Bauten ausserhalb der Altstadt festgelegt wurden. «Die Beurteilung der Stadt kann aus fachlicher Sicht vollumfänglich unterstützt werden», erklärt Isabel Haupt, stellvertretende Denkmalpflegerin des Kantons Aargau.

Das Rote Haus sei 1815 vom Werkmeister Joseph Knapp erbaut worden. Den Scheunenteil habe er 1827 angefügt. «Das Rote Haus legt als ländlicher Vielzweckbau mit seiner sensiblen Lage im Stadtgraben von der Stadtentwicklung und der Wirtschaftsgeschichte Rheinfeldens ein sprechendes Zeugnis ab. Im Zusammenspiel mit der Stadtmauer markiert es die Eingangssituation zur Altstadt», erklärt die stellvertretende Denkmalpflegerin weiter.

Dennoch könnte das Gebäude aus dem kommunalen Schutz entlassen werden. Dafür müssten der Zonen- und der Gestaltungsplan geändert werden, wie Gloor erklärt. «Dabei wäre das normale Planungsverfahren von der Mitwirkung über die öffentliche Auflage bis zum Beschluss der Gemeindeversammlung erforderlich.» Ohne diese Änderungen könne kein Neubau anstelle des Roten Hauses erstellt werden, so Gloor. Er stellt aber klar: Der Stadtrat stehe zum Schutz des Gebäudes.