Dass die Gemeindeversammlung eine längere Angelegenheit werden würde, war vielen Laufenburgerinnen und Laufenburgern wohl schon beim Blick auf die Traktandenliste klar. 15 Traktanden waren darauf aufgeführt, darunter zehn Verpflichtungs- und Zusatzkredite in der Höhe von insgesamt 3,67 Millionen Franken. Und die Laufenburger Stimmberechtigten, das ist bekannt, sind durchaus diskussionsfreudig.

So auch am Freitagabend. Fast vier Stunden dauerte die Versammlung in der Turnhalle im Ortsteil Sulz am Ende − und ganz am Schluss wurde ein wichtiger Entscheid noch einmal umgeworfen. Doch der Reihe nach.

Minus in der Rechnung

Zunächst musste der Stadtrat den 90 anwesenden Stimmberechtigten eine Rechnung präsentieren, die auch für ihn «enttäuschend» ausgefallen sei, wie Stadtammann Herbert Weiss sagte. Die Rechnung 2017 schloss mit einem Aufwandüberschuss in der Höhe von rund 915 000 Franken, deutlich schlechter als budgetiert. Der Stadtrat sah die Gründe dafür unter anderem bei Mehrkosten im Bereich soziale Sicherheit. Weiss stellte klar: «Wir hätten uns ein besseres Resultat gewünscht. Die Zahlen behagen uns gar nicht.»

Vor diesem Hintergrund gingen die Versammlungsteilnehmer in die Diskussionen über die verschiedenen Kreditanträge. Erstes umstrittenes Thema: der Ersatz der im Herbst 2016 bei einem Verkehrsunfall zerstörten Passerelle über die Winterthurerstrasse. 310 000 Franken hatte der Stadtrat dafür traktandiert − ohne aber einen konkreten Vorschlag zu präsentieren. Es lägen vier Varianten mit Kostenvoranschlägen vor, sagte Stadtrat Christian Rüede. Vor dem Entscheid für eine der Varianten wolle der Stadtrat eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen.

Von verschiedenen Teilnehmern wurde allerdings genau dies kritisiert. Einige hinterfragten das Bedürfnis nach einer neuen Passerelle generell, andere wollten zumindest die Analyse abwarten und dann über einen konkreten Vorschlag entscheiden. So etwa die CVP-Ortspartei, die einen entsprechenden Rückstellungsantrag stellte.

Der Stadtrat betonte, dass die vier Varianten weit ausgearbeitet seien und man nach der Versammlung möglichst rasch mit dem Bau beginnen wolle − schliesslich kostet das Provisorium die Gemeinde 500 Franken in der Woche.

Die Wende zum Schluss

In der Abstimmung folgten die Anwesenden dann aber weder dem Antrag der CVP noch jenem der Gemeinde. Beide wurden knapp abgelehnt. Für den Stadtrat war dies das denkbar schlechteste Szenario. Denn er hatte zu diesem Zeitpunkt keinen offiziellen Auftrag mehr zum Thema Passerelle. «Offen ist, wie es mit dem Provisorium weitergeht und ob wir an einer späteren Versammlung noch einmal einen Ersatz-Vorschlag bringen», so Weiss.

Entsprechend erleichtert reagierte er, als ein Versammlungsteilnehmer unter «Verschiedenem» einen Rückkommensantrag zum Geschäft stellte. Die Anwesenden hatten zwischenzeitlich sämtliche anderen Kredite bewilligt. Nun diskutierten sie noch einmal die Vor- und Nachteile der Passerelle − und schwenkten um.

41:41 lautete das Resultat bei der Abstimmung zum Rückkommensantrag, Stadtammann Weiss genehmigte ihn per Stichentscheid. Und tatsächlich: Im zweiten Anlauf nahmen die Anwesenden den Rückstellungsantrag mit 55 Ja- zu lediglich 19 Nein-Stimmen deutlich an. «Jetzt haben wir den Auftrag, das Projekt zu verbessern und bei der nächsten Versammlung klare Angaben zum Ersatz der Passerelle zu liefern», sagte Weiss nach der Versammlung.