Laufenburg
Stadtammann Rudolf Lüscher – der leise Löwe von Laufenburg tritt ab

Rudolf Lüscher verlässt nach 24 Jahren im Gemeinderat und 20 Jahren als Ammann von Laufenburg die politische Bühne. Ein grosses Ziel war für ihn stets, Laufenburg als Zentrumsgemeinde zu erhalten. Das hat er mit einigen Projekten verfolgt.

Nadine Böni
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Rudolf Lüscher zieht eine positive Bilanz aus der Zeit an der politischen Spitze von Laufenburg. NBO

Rudolf Lüscher zieht eine positive Bilanz aus der Zeit an der politischen Spitze von Laufenburg. NBO

Der Terminkalender ist noch immer voll, auch in den letzten Wochen. Fasnachtsauftakt, Spatenstiche und die Vorbereitungen auf die Gemeindeversammlung vom Freitag, 29. November – Laufenburgs Stadtammann Rudolf Lüscher ist eingespannt bis zum Schluss. «Das ist aber auch richtig so», findet er, der Ende Jahr sein Amt als Stadtammann abgibt.

Während 24 Jahren sass Lüscher im Laufenburger Stadtrat, 20 Jahre davon war er Stadtammann. Bei seiner Wahl als Nachfolger der ersten Stadträtin Hedi Fischer 1989 hatte er sich ein längerfristiges Engagement auf politischer Ebene zwar vorstellen können. Aber 24 Jahre? «Das hätte ich damals nicht gedacht», sagt Lüscher.

Zur Person

Rudolf Lüscher, geboren 1952, wurde 1989 als Nachfolger von Hedi Fischer in den Laufenburger Stadtrat gewählt. Am 1. Januar 1990 übernahm er dieses Amt. Vier Jahre später wurde er Stadtammann. Daneben ist Lüscher Präsident der Ortsbürgerkommission, des Fördervereins Gesundheitszentrum Fricktal, des Aargauischen Waldwirtschaftsverbands sowie des Laufenburger Verkehrsvereins.

Er sitzt im Vorstand des Gemeindeverbands Regionalschiessanlage «Schlauen-Vollenweid», des Planungsverbands Fricktal Regio, von Jurapark Aargau und im Stiftungsrat des Rehmann-Museums. Von 2004 bis 2011 sass Lüscher zudem für die CVP im Grossen Rat des Kantons Aargau. Lüscher ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Er arbeitet als Vertragsspezialist im Bereich Infrastruktur der SBB in Olten. (nbo)

Leitbild 2000 umgesetzt

Langweilig wurde es ihm in all den Jahren nie. Kurz nach seiner Wahl erstellte Laufenburg das Leitbild 2000. «Dieses ist heute weitgehend umgesetzt», sagt Lüscher und erwähnt das Schwimmbad, die neue Rheinbrücke, die Verkehrsberuhigung in der Altstadt, die grenzübergreifende Förderung «Laufenburg, zwei Länder – eine Stadt», das Bahnhofareal mit dem XL-Center und die vor einigen Monaten eröffnete neue Stadthalle. Hinzu kommt die erfolgreiche Fusion mit der Nachbargemeinde Sulz.

«Gerade die Neuerschliessung des Bahnhofareals hat sich nach der politischen Debatte als richtig erwiesen – das zeigen die Entwicklungen mit den neuen Wohnblöcken und den Bauten, die in Planung sind», sagt Lüscher.

Das Gebiet stärke die Laufenburger Ambition, eine Zentrumsgemeinde im oberen Fricktal zu sein. Auch die neue Stadthalle erwähnt der abtretende Stadtammann in diesem Zusammenhang lobend: «Sie ist ein Leuchtturm für Laufenburg mit Ausstrahlung weit hinaus.»

Laufenburg soll Zentrumsgemeinde bleiben

Das Ziel, Laufenburg als Zentrumsgemeinde zu erhalten und etablieren, hat Rudolf Lüscher während seiner Zeit im Stadtrat intensiv verfolgt. Entsprechend schmerzen ihn Entscheide gegen Laufenburg. So, wie aktuell der angekündigte Wegzug des Stromkonzerns Swissgrid. Oder die Vergabe der Staatsanwaltschaft nach Rheinfelden im vergangenen Jahr.

Er ist nicht einer, der sich lautstark darüber aufregt. Vielleicht, so Lüscher, sei er manchmal zu ruhig gewesen. Vielleicht hätte er auch einmal brüllen sollen, wie das Laufenburger Wappentier, der Löwe. «Aber das entspricht nicht meinem Naturell», sagt Lüscher. Was nicht heisst, dass er nicht angefressen war, wenn etwas nicht klappte, von dem er überzeugt war. Da ist er dann auch mal später eingeschlafen oder früher aufgewacht.

Lüschers drei Kinder – auf dem Wahlfoto von 1990 noch klein – sind mittlerweile erwachsen. Es gab in den 24 Jahren Momente, in denen Lüscher lieber zu Hause gewesen wäre, sich wünschte, eine Sitzung weniger im Terminkalender und dafür mehr Zeit für Frau und Kinder zu haben.

«Ohne ihre volle Unterstützung wäre ein solches Amt nicht machbar gewesen», sagt er. Trotzdem oder gerade deshalb: Angesprochen auf ein Fazit über seine Jahre an der politischen Spitze Laufenburgs, huscht Lüscher ein Lächeln über das Gesicht. «Das fällt positiv aus.»

Und auch der Blick in die Zukunft sei kein düsterer. «Laufenburg wird eine gute Zukunft haben, selbst wenn es finanziell nicht einfach wird.» Mit der Entwicklungsplanung 2030 bestehe ein Leitbild, hinter dem die Bevölkerung stehe – «ähnlich, wie damals auch bei mir, mit dem Leitbild 2000», so Lüscher.

Nach und nach will er nun alle Ämter abgeben, die in direktem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Stadtammann stehen. Dann freut er sich auf die neue Freizeit, auf verpflichtungs- und terminfreie Wochenenden. Seine Frau und ihn wird es dann in die Berge ziehen, zum Wandern und Skifahren.

Laufenburg als Hobby

Ein grosses Hobby wird ihn daneben aber nicht mehr loslassen: Laufenburg. Zwar will er sich zurückhalten und schon gar nicht als Leserbriefschreiber den neuen Stadtrat anzweifeln. «Wo ich die Möglichkeit habe, will ich aber weiterhin als Botschafter für Laufenburg wirken. Laufenburg hat tolle Vorzüge und die darf man auch betonen.» Ein erster Schritt ist bereits getan: Schon bald will Lüscher der bekannten Narro-Alt-Fischerzunft 1386 Laufenburg beitreten.