Mumpf
Stacheln, Bier und Massagen – das Pontonierwettfahren ist im Gang

Seit dem frühen Freitagmorgen messen sich in Mumpf Pontoniere aus der ganzen Schweiz. Das 39. Eidgenössische Pontonierwettfahren bietet aber mehr als nur sportlichen Wettkampf.

Nadine Böni
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Die Vereine vom Rhein (hier Rheinfelden) haben beim Eidgenössischen Pontonierwettfahren einen Vorteil: Sie sind sich Strömung und Breite des Flusses gewohnt. nbo

Die Vereine vom Rhein (hier Rheinfelden) haben beim Eidgenössischen Pontonierwettfahren einen Vorteil: Sie sind sich Strömung und Breite des Flusses gewohnt. nbo

Nadine Böni

Die Sirene ertönt und Jürg Müller schüttelt den Kopf. «Das ist gar nichts. Das ist eine Katastrophe», sagt der OK-Co-Präsident des Eidgenössischen Pontonierwettfahrens. Sogar für den Laien ist erkennbar, dass die fünf Boote auf dem Rhein nicht in einer Linie fahren. Genau darum geht es aber: Synchronität beim Abstossen, beim Wechsel von Stachel auf Ruder, bei den Ruderschlägen und bei der Landung.

Ein Highlight für den Verein

«Abfahrt und Überfahrt in Linie» nennt sich der Wettkampf. Stimmen Takt und Distanz nicht, gibt es Strafpunkte. Für die Pontoniere in den durchgeschwitzten dunkelblauen Shirts, die gerade das Ufer erreichen, wohl gleich einige. Müller zuckt mit den Schultern. Er kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. «Es sind ja nicht die Mumpfer.» Währenddessen kündigt der Speaker über die Lautsprecher bereits die nächste Sektion an, die es mit dem Wasser aufnehmen wird.

Seit Donnerstagabend ist das 39. Eidgenössische Pontonierwettfahren in Mumpf im Gang. Rund 1200 Pontoniere von 40 Vereinen aus der ganzen Schweiz nehmen am Wettfahren teil. Mumpf organisiert zum ersten Mal das Eidgenössische, ein Highlight in der über 110-jährigen Vereinsgeschichte.

Die Wasserbüffel, der Spitzname der Mumpfer Pontoniere, laden zum Wettfahren
22 Bilder
Überfahrt in Linie ist eine der Disziplinen
Das Schnüren ist eine weitere Disziplin
Vor dem Bootsfährenbau besprechen die Pontoniere das Vorgehen
Beim Wettbewerb selber muss alles schnell gehen
Beim Einzelfahren gilt es, den Lappen zu erreichen
Mitglieder der Armee überwachen die Wettkämpfe und stehen für eine Rettung bereit
Empfangen werden die Athleten am Ufer von Vereinskollegen und Zuschauern
Bei den Wettkämpfen auf dem Rhein kommt es auf Kraft, Koordination und Kondition an
Für die geschundenen Pontonier-Körper gibt es eine Massage
Gefilmt werden die Wettkämpfer von Vereinsmitgliedern oder den Verantstaltern
Die Zuschauer geniessen derweil auch das kulinarische Angebot
Zu gewinnen gibt es für die Wettkämpfer und auch für die Los-Käufer grosse Preise
Die Wettkämpfe sind anstrengend, kommen die Pontoniere an Land, sind sie meist ausgepumpt
Dafür wartet dann ein lauschiges Plätzchen für eine Pause
Über Mittag stehen Stachel und Ruder aufgereiht und warten auf den nächsten Wettkampf
Die Pontoniere gönnen sich derweil im Festzelt eine Stärkung
Unter dem Dach des Festzelts wehen die Fahnen der beteiligten Pontoniervereine
OK-Co-Präsident Jürg Müller kümmert sich um alles und jeden und gibt den Medien Auskunft
Pontoniere, die gerade nicht im Wettkampf sind, gönnen sich auch frühmorgens schon mal ein Bier
Viele von ihnen übernachten im Zelt oder im Lager in einer Turnhalle im Dorf
Auf dem Festgelände gibt es Unerwartetes, ein Verkäufer will einen Latex Anzug an die Frau bringen

Die Wasserbüffel, der Spitzname der Mumpfer Pontoniere, laden zum Wettfahren

Nadine Böni

Der erste grosse Wettkampftag, der Freitag, startete in aller Herrgottsfrühe. Um 7 Uhr musste «Mellingen 1» zum Sektionsfahren antreten. Knapp 100 Startzeiten sind auf den Tag verteilt in den Wettbewerben Sektionsfahren, Einzelwettfahren, Einzelschnüren, Spanntauwerfen, Gruppenschnüren, Bootsfährenbau und Schwimmen (im Sissler Hallenbad).

«Das Programm ist dicht. Es war eine grosse Herausforderung, einen Plan zu erstellen, der allen Teilnehmern genügend Vorbereitungs- und Erholungszeit bietet», sagt Müller. Dafür steht den Pontonieren ein Massagezelt zur Verfügung. Drei Matratzen, drei Masseurinnen, Aussicht auf den Rhein. «Vielleicht ist der Pontoniersport doch nicht so verkehrt», sagt Müller und lacht.

10 000 Besucher erwartet

Die Stimmung auf dem Festgelände ist gut. Im Festzelt dröhnt Musik, am Ufer wird gefachsimpelt und die Sonnencrème umhergereicht, auf den Zuschauerrängen angefeuert – wer etwas Ruhe braucht, muss weit suchen. Zwei junge Pontoniere liegen schlafend ganz am Ende des Festgeländes hinter einem Holzstapel.

Generell seien die Pontoniere zwar für den Ehrgeiz auf dem Wasser bekannt, sagt Müller. «Haben wir aber wieder das Ufer unter den Füssen, sind wir wie eine grosse Familie.» Eine trinkfeste Familie noch dazu. Die drei Bierstände auf dem Festgelände sind kurz nach 9 Uhr offen – und werden auch genutzt. Beim Pontonierwettfahren steht nicht nur der Sport im Vordergrund. Die erwarteten 10 000 Zuschauer kommen auch wegen des Drumherums. «Am Samstagabend wird hier die Hölle los sein», prophezeit Jürg Müller. Unter anderem die Isartaler Hexen sollen dann das Partyzelt zum Kochen bringen.

Noch aber gibt es einige Wettkämpfe auszutragen. Auf dem Rhein versucht sich die nächste Sektion an der «Abfahrt und Überfahrt in Linie». Es sieht besser aus, Müller nickt anerkennend, die Boote kommen in einer Linie an. Sofort messen die Kampfrichter die Abstände aus. Die Pontoniere schnaufen schwer, wischen sich den Schweiss von der Stirn. Einer fragt bei den Zuschauern nach, ob es etwas zu trinken gäbe. Er kriegt ein Bier gereicht.