Die Sirene ertönt und Jürg Müller schüttelt den Kopf. «Das ist gar nichts. Das ist eine Katastrophe», sagt der OK-Co-Präsident des Eidgenössischen Pontonierwettfahrens. Sogar für den Laien ist erkennbar, dass die fünf Boote auf dem Rhein nicht in einer Linie fahren. Genau darum geht es aber: Synchronität beim Abstossen, beim Wechsel von Stachel auf Ruder, bei den Ruderschlägen und bei der Landung.

So sieht es aus, wenn die Pontoniere im Einzelwettfahren anlegen.

So sieht es aus, wenn die Pontoniere im Einzelwettfahren anlegen.

Ein Highlight für den Verein

«Abfahrt und Überfahrt in Linie» nennt sich der Wettkampf. Stimmen Takt und Distanz nicht, gibt es Strafpunkte. Für die Pontoniere in den durchgeschwitzten dunkelblauen Shirts, die gerade das Ufer erreichen, wohl gleich einige. Müller zuckt mit den Schultern. Er kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. «Es sind ja nicht die Mumpfer.» Währenddessen kündigt der Speaker über die Lautsprecher bereits die nächste Sektion an, die es mit dem Wasser aufnehmen wird.

Seit Donnerstagabend ist das 39. Eidgenössische Pontonierwettfahren in Mumpf im Gang. Rund 1200 Pontoniere von 40 Vereinen aus der ganzen Schweiz nehmen am Wettfahren teil. Mumpf organisiert zum ersten Mal das Eidgenössische, ein Highlight in der über 110-jährigen Vereinsgeschichte.

Der erste grosse Wettkampftag, der Freitag, startete in aller Herrgottsfrühe. Um 7 Uhr musste «Mellingen 1» zum Sektionsfahren antreten. Knapp 100 Startzeiten sind auf den Tag verteilt in den Wettbewerben Sektionsfahren, Einzelwettfahren, Einzelschnüren, Spanntauwerfen, Gruppenschnüren, Bootsfährenbau und Schwimmen (im Sissler Hallenbad).

«Das Programm ist dicht. Es war eine grosse Herausforderung, einen Plan zu erstellen, der allen Teilnehmern genügend Vorbereitungs- und Erholungszeit bietet», sagt Müller. Dafür steht den Pontonieren ein Massagezelt zur Verfügung. Drei Matratzen, drei Masseurinnen, Aussicht auf den Rhein. «Vielleicht ist der Pontoniersport doch nicht so verkehrt», sagt Müller und lacht.

10 000 Besucher erwartet

Die Stimmung auf dem Festgelände ist gut. Im Festzelt dröhnt Musik, am Ufer wird gefachsimpelt und die Sonnencrème umhergereicht, auf den Zuschauerrängen angefeuert – wer etwas Ruhe braucht, muss weit suchen. Zwei junge Pontoniere liegen schlafend ganz am Ende des Festgeländes hinter einem Holzstapel.

Generell seien die Pontoniere zwar für den Ehrgeiz auf dem Wasser bekannt, sagt Müller. «Haben wir aber wieder das Ufer unter den Füssen, sind wir wie eine grosse Familie.» Eine trinkfeste Familie noch dazu. Die drei Bierstände auf dem Festgelände sind kurz nach 9 Uhr offen – und werden auch genutzt. Beim Pontonierwettfahren steht nicht nur der Sport im Vordergrund. Die erwarteten 10 000 Zuschauer kommen auch wegen des Drumherums. «Am Samstagabend wird hier die Hölle los sein», prophezeit Jürg Müller. Unter anderem die Isartaler Hexen sollen dann das Partyzelt zum Kochen bringen.

Noch aber gibt es einige Wettkämpfe auszutragen. Auf dem Rhein versucht sich die nächste Sektion an der «Abfahrt und Überfahrt in Linie». Es sieht besser aus, Müller nickt anerkennend, die Boote kommen in einer Linie an. Sofort messen die Kampfrichter die Abstände aus. Die Pontoniere schnaufen schwer, wischen sich den Schweiss von der Stirn. Einer fragt bei den Zuschauern nach, ob es etwas zu trinken gäbe. Er kriegt ein Bier gereicht.

Mit Muskelkraft gegen und mit dem Strom

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