«Stutz um Stutz»

SRF-Sozialexperiment: 114 Franken reichen dem Mumpfer Andy Klein für den dritten Platz

Andy Klein putzt in der Pilgerherberge und darf dafür dort übernachten.

Andy Klein putzt in der Pilgerherberge und darf dafür dort übernachten.

Der Mumpfer Andy Klein findet im SRF-Experiment «Stutz um Stutz» jeden Tag einen Schlafplatz – bei der Jobsuche waren andere erfolgreicher.

Kassensturz hiess es gestern Abend am Ende der vierten und letzten Folge des Sozialexperiments «Stutz um Stutz» im Schweizer Fernsehen.

Vier Kandidaten schlugen sich, so wollte es das Sendungskonzept, eine Woche lang in St. Gallen durch und versuchten, Ende der Woche möglichst viel Geld im Portemonnaie zu haben. Das Startkapital bildeten 100 Franken, daneben blieb den Kandidaten Kleidung, Identitätskarte, ein Kugelschreiber und ein Notizbuch.

Dass Andy Klein (62), der in Mumpf auf dem Campingplatz wohnt, kaum als Sieger aus dem Experiment hervorgehen würde, zeichnete sich bereits in den ersten Folgen ab.

Während Manuela Orlik (49) und Luca Huber (26) gleich mehrere Jobs pro Tag ausübten, um Geld zu verdienen, organisierte sich Klein einzig einen Einsatz in einer Altersheimküche – und erhielt als Gegenleistung für die vorbereiteten Hacktätschli ein Mittagessen.

Einnahmen erzielte Klein dank seinem offensichtlich gewinnenden Wesen – Passanten, die er nach einem Job fragte, bedachten ihn ungefragt mit Geldspenden.

Die letzte Folge des Sozialexperiments: 

Auf diese Weise hätte er wohl noch mehr Geld erhalten, sagt Klein in der gestrigen Folge. Doch er habe damit aufgehört, denn er habe es als unehrlich empfunden. «Wenn man im Fernsehen gesehen hätte, dass ich so Geld gemacht habe, hätten vielleicht Menschen, die wirklich Geld brauchen, nichts mehr bekommen.»

So leistet der Mumpfer einen Putzeinsatz, mit dem er sich die Übernachtungen in einer Pilgerherberge erarbeitet. Anschliessend will er Blut spenden. «Ich habe in den letzten Tagen so viel Gutes erfahren, jetzt möchte ich etwas zurückgeben», erklärt er.

Der Plan scheitert jedoch an der Vorschrift, dass über 60-Jährige nicht mehr als Spender zugelassen sind, wenn sie nicht schon zuvor regelmässig Blut gespendet haben. Es bleibt deshalb Zeit, um über das Streben nach Geld zu sinnieren. Für ihn sei es kein Zeichen von Schwäche, wenn man nicht den Antrieb habe, möglichst viel Geld zu verdienen, so Klein auf die Frage des Kameramanns.

Er leiste sich ohnehin nur etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf. Geld sei für ihn auch kein Massstab für Erfolg.

«Erfolg ist, wenn du jemandem helfen kannst.» Das Experiment zu gewinnen, setzt sich Klein gar nicht mehr zum Ziel. Aber: Mehr als die 100 Franken Startkapital zurückbringen, das soll schon sein. Als sich abzeichnet, dass er dieses persönliche Ziel erreicht, investiert Klein Fr. 24.90 – in einen Blumenstrauss für die Wirtin, die ihn an drei Abenden zum Znacht eingeladen hatte.

Startkapital fast verzehnfacht

Am Ende bleiben dem Mumpfer Fr. 114.10 im Portemonnaie. Das reicht für Rang drei. Fr. 73.25 ergibt der Kassensturz bei Barb Streuli (71) – ein Loskauf am letzten Tag führte nicht zum erhofften Geldgewinn.

Luca Huber, der die ganze Woche über kaum Geld ausgegeben hat, bleiben Fr. 701.85 und die leise Enttäuschung, dass er als Zweiter nicht über die Verwendung des Gesamtbetrags bestimmen kann.

Diese Ehre kommt Manuela Orlik zu. Einen Endbetrag von Fr. 995.10 hat sie mit Unterrichten, Putzen, Kochen und Aufräumen erwirtschaftet. Ihre Freude sei gross, so Orlik, «dass ich nun wirklich all das wieder zurückgeben kann, was ich diese Woche erlebt habe».

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