Gipf-Oberfrick
SRF gestaltet Kuhglocken-Gegnerin Nancy Holten ein neues Wohnzimmer

Das Schweizer Fernsehen dreht zu Hause bei der gebürtigen Holländerin die Sendung «Nigelnagelneu» und stattet sie mit neuen Einrichtungsgegenständen und Möbeln aus.

Thomas Wehrli
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«Ein Riesengeschenk»: Nancy Holten und Kater Cristal im neu gestrichenen und eingerichteten Wohnzimmer. twe

«Ein Riesengeschenk»: Nancy Holten und Kater Cristal im neu gestrichenen und eingerichteten Wohnzimmer. twe

Thomas Wehrli

Der Name ist Programm: Das Schweizer Fernsehen SRF frischt in der Sendung «Nigelnagelneu» Wohnräume auf und hilft «Menschen mit Wohnproblemen», wie es auf der Website der Sendung heisst. «Die Schweiz ist ein Mieterland», erklärt Produzentin Andrea Dohmen das Sendekonzept. «Wir wollen zeigen, dass auch in Mietwohnungen viele Gestaltungsmöglichkeiten vorhanden sind.» Man wolle Inspiration vermitteln und zeigen, wie einfach es sein kann, selber einen Raum zu verändern.

Für die Sendung vom kommenden Sonntag (18.15 Uhr, SRF 1) drehte die Crew in Gipf-Oberfrick – bei Nancy Holten, die in den letzten Monaten mit ihrem Kampf gegen Kuh- und Kirchenglocken sowie mit ihrer verwehrten Einbürgerung für Schlagzeilen sorgte.

Auf die Fragen der Aargauer Zeitung, ob die Sendungsmacher um das umstrittene Engagement von Nancy Holten wussten und ob diese Bekanntheit einen Einfluss auf ihre Wahl hatte, schreibt Andrea Dohmen nur: «Bei der Wahl der Protagonistin steht das Wohnproblem im Fokus.»

Zwei Problemzonen

Das Wohnproblem von Nancy Holten waren eigentlich deren zwei: Erstens fehlten ihr ein Esstisch und Stühle. Vor eineinhalb Jahren zog die Holländerin mit ihren drei Töchtern in die Viereinhalb-Zimmer-Wohnung. Der Esstisch, den sie mitbrachten, hielt nicht lange. «Und irgendwie fand ich nie Zeit, einen neuen zu kaufen», sagt Holten.

Zweitens war die Einrichtung im Wohnzimmer alt – und spartanisch. «Wenn wir zu viert einen Film schauten, hatten wir auf dem kleinen Sofa kaum Platz.»

Als Nancy Holten die Sendeausschreibung online sah, meldete sie sich und ihre Familie sofort an. Sie kam in die engere Wahl. Ein Team kam nach Gipf-Oberfrick, schaute sich um, machte Probeaufnahmen und nahm Mass. «Bereits am nächsten Tag bekam ich Bescheid, dass wir dabei sind», erklärt Holten – ganz zur Freude ihrer beiden zwölfjährigen Zwillinge Amelie und Ladina (die dritte Tochter, Samira, lebt seit einigen Wochen für ein Jahr im Welschland). Auch der Vermieter war mit der Umgestaltung einverstanden.

Gedreht und gewerkt wurde an zweieinhalb Tagen im März. In dieser Zeit musste die Familie ausziehen. «Es war eine Herausforderung, alle zu platzieren», blickt Holten zurück. Die beiden Töchter schliefen bei Freundinnen, sie selber kam mit Kater Cristal bei einem Bekannten unter und Zwerghamster Pummelchen kam ins Badezimmer.

In die Wohnung durfte die Familie in der Umbauzeit nicht. Zeitweise wurden sie «aufgeboten», um bei der Gestaltung des Dekomaterials mitzuhelfen. So etwa bei der Schrift «Movie», die nun von der Wohnzimmerwand herab leuchtet. «Der Dreh hat grossen Spass gemacht», sagt Holten. «Es war eine tolle Erfahrung.»

Der grosse Augenblick kam für die Familie am Freitagabend, als sie die umgestaltete Wohnung erstmals betreten durfte. «Ich hatte Tränen in den Augen, als ich die neugestalteten Räume sah», sagt Holten. Die Wände leuchten nun in Hellblau und Blassrosa, im Esszimmer steht endlich wieder ein Esstisch, im Wohnzimmer laden zwei Sofas von Ikea (Sendungssponsor) zum Verweilen ein und der Fernseher steht auf einem Sideboard.

Accessoires und Moodlights «erzeugen im bis anhin kühlen Raum eine Kino-Atmosphäre für gemütliche Filmabende», preist SRF die Folge mit Holten an. Oder wie es Holten selber formuliert: «Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen.» Dass andere es als Albtraum sehen könnten, dass nun schon wieder sie im Rampenlicht steht, dass andere neidisch sein könnten, dass ihre Räume durch das Fernsehen renoviert wurden, glaubt Nancy Holten nicht. Zumal: «Das bin ich. Die Leute müssen mich so nehmen, wie ich bin.»

Dies dürfte in nächster Zeit noch einige Male der Fall sein. Holten hat in mehreren TV-Produktionen als Laienschauspielerin mitgewirkt, ein Werbespot für eine Schweizer Bank wird gerade gedreht und auch die SRF-Sendung «Reporter» überlegt sich, Holten zu porträtieren. In diesem Sinne: Film ab.