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Sprachprobleme: Jeder dritte Kindergärtler muss in die Sprachtherapie

Immer mehr Kinder haben Sprachstörungen, dies führt zu längeren Wartezeiten bei der logopädischen Behandlung. Bis eine Therapie begonnen werden kann, muss oft zwischen zwei und sechs Monaten gewartet werden.

Sarah Serafini
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Logopäden raten Eltern, ihre Kinder sprachlich herauszufordern. Versli, Lieder oder Diskussionen am Mittagstisch statt fernsehen.Symbolbild: niz

Logopäden raten Eltern, ihre Kinder sprachlich herauszufordern. Versli, Lieder oder Diskussionen am Mittagstisch statt fernsehen.Symbolbild: niz

Ein Kind aus der Region Fricktal, das wegen eines Sprachfehlers in eine logopädische Therapie muss, wartet zwischen zwei und sechs Monaten, bis es behandelt werden kann. Die Logopäden sind zwar bemüht, diese Warteliste möglichst kurz zu halten. Immer wieder kommt es aber vor, dass ein Kind lange warten muss oder im schlimmsten Fall sogar vor seiner Einschulung gar nicht mehr therapiert werden kann.

Simone Odenheimer ist Logopädin in Gipf-Oberfrick. Sie sagt, dass Kinder mit Sprachentwicklungsproblemen, die nicht behandelt werden, spätestens in der Schule ein Problem bekommen. «Die Sprache ist sehr wichtig für den Lernprozess und die gesamte kognitiv-emotionale Entwicklung.»

Ein Kind, das sich nicht mitteilen könne, habe laut Odenheimer aber nicht nur Mühe mit Lernen, sondern auch Schwierigkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen. Darum sei das rechtzeitige Behandeln von Sprachfehlern mit einer logopädischen Therapie wichtig.

30 Prozent der Kinder sind auffällig

Länger werdende Wartezeiten sind auch im Bezirk Rheinfelden ein Thema. Die Logopädin Claudia Gschwind therapiert in Rheinfelden und sagt, dass lange Wartezeiten unter anderem mit der wachsenden Zahl an Kindern zu tun habe, die eine logopädische Therapie brauchen. «Im Kindergarten zeigen etwa 30 Prozent der Kinder Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung. Den Eltern von Kindern mit Sprachfehlern rät sie jeweils, mehr Geschichten vorzulesen. Gschwind ist der Ansicht, dass dies bei den Kindern zu Hause immer weniger Platz findet. «Eltern gehen mit ihren Kindern nicht mehr raus in den Wald, wo sie die Sprache nicht nur hören, sondern auch begreifen können.»

Versli, Lieder oder Tischgespräche werden seltener

Ähnlich sieht es auch Peter Boss. Er ist der Ressortchef für den Bereich des Sprachheilwesens des Gemeindeverbandes Bezirk Laufenburg. Boss beobachtet, dass die Sprache in den eigenen vier Wänden eine zusehends kleinere Rolle spiele. «Versli, Lieder, oder Tischgespräche fehlen an vielen Orten.» Er sagt, Eltern sollten ihre Kinder auch sprachlich herausfordern und nicht müde werden immer wieder die «Warum?»-Fragen zu beantworten.

Im letzten Jahr sah sich der logopädische Dienst vor zusätzliche Schwierigkeiten gestellt. Aufgrund der kantonalen Neuregelung im Bereich der Frühlogopädie werden seit Schuljahr 2012/2013 Kinder ab dem zweiten Geburtstag bis zum Eintritt in den Kindergarten nicht mehr vom logopädischen Dienst, sondern von privaten Stiftungen therapiert. Dies hatte zur Folge, dass der Pensenpool für Logopädie im Kanton um 0,75 Prozent gekürzt wurde. Im Fall vom Sprachheildienst Laufenburg bedeutete dies eine Reduktion um 16,5 Wochenlektionen.

Sparen wäre verheerend

Simone Odenheimer befürchtet nun, dass der Logopädie noch mehr Pensen gekürzt werden sollen. Denn im Finanzplan 2015/2017 seien Einsparungen im Departement Bildung, Kultur und Sport vorgesehen. Der Logopädie sollen weitere zehn Prozent des Pensenpools gekürzt werden. Odenheimer sagt, dass bei weiteren Einsparungen drastische Folgen zu befürchten wären: längere Wartezeiten bis zur Therapieaufnahme, kürzere Therapiephasen, längere Therapiepausen oder ungünstige Therapiesettings. Sie sagt: «Den betroffenen Kindern und Jugendlichen ist dies nicht zuzumuten, ebenso wenig den Logopäden, auf welche der Druck stetig zunimmt.»

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