Weinlese

Spitzenjahrgang: Fricktaler Winzer geraten ins Schwärmen

Mitte September steht im Weinberg ob Hornussen ein Spitzenjahrgang kurz vor der Ernte.

Mitte September steht im Weinberg ob Hornussen ein Spitzenjahrgang kurz vor der Ernte.

Die Fricktaler Weinproduzenten schliessen die Lese eines Ausnahmejahres ab – mehrere Gründe sind dafür verantwortlich. Allerdings hat ist bei manchen Winzern grosse Teile der Ernte dem Spritzmittel «Moon Privilege» zum Opfer gefallen.

«Heute haben wir die letzten Trauben gelesen», sagt Gerhard Wunderlin, Weinproduzent in Zeiningen. «Zwei Wochen früher als normal.» Ein Ausnahmejahr sei das gewesen, meint er. «Zur hervorragenden Qualität der Trauben ist nun noch die frühe Reife gekommen.»

Die Fricktaler Weinproduzenten geraten ins Schwärmen, wenn sie von ihrer Traubenernte reden. Es war ein Jahr der Superlativen. Noch nie in seiner 30-jährigen Geschichte als Weinbauer sei der Oechslegrad seines Weines so hoch gewesen, sagt Gerhard Wunderlin. Ein Schnitt von über 100 Oechsle sei für das untere Fricktal eine absolute Ausnahme.

Auch Daniel Fürst aus Hornussen vergleicht die Qualität der Ernte mit jener aus dem Spitzenjahr 2011. «Alles stimmt, von der Traubenqualität über den Reifegrad bis zur Gesundheit der Früchte.»

Es war nicht nur der trockene Sommer, der die Trauben optimal reifen liess. «Das gesamte Jahr war sehr ausgeglichen», sagt Wunderlin. Es habe vor allem keine grossen Wetterschwankungen gegeben, die den Trauben zugesetzt hätten.

Keine Schäden trotz Hitze

«Vor Kälteeinbrüchen oder längerer Nässe sind wir verschont geblieben.» In Zeiningen hat Wunderlin, im Vergleich mit dem oberen Fricktal bei Föhnlagen mit mehr Regen zu kämpfen. 2015 sind diese ungünstigen Wetterkonstellationen ausgeblieben. «Es ist uns sogar gelungen, im Rebberg einen Amarone herzustellen. Das hat, bei den heissen Temperaturen in diesem Jahr, zu ersten Mal gut geklappt.»

«Die heissen Temperaturen bis 40 Grad Celsius konnte den ausgewachsenen Rebstöcken nichts anhaben», sagt Urs Gasser von Fehr und Engeli aus Ueken. «Eine Rebenwurzel wächst so lange in die Tiefe, bis sie Feuchtigkeit findet.» Man habe Rebstöcke gefunden, deren Wurzeln sich bis zu 75 Meter horizontal in der Erde zu einem Bachlauf gegraben hätten.

«Bei den jungen Rebstöcken mussten wir in diesem Sommer allerdings wässern. Und bei anderen haben wir die Trauben geopfert, um die Stöcke zu entlasten.» Aber sowohl mit der Qualität wie auch mit der Menge dieses Ausnahmejahres ist Urs Gasser mehr als zufrieden. «Es war einfach ein super Sommer», schwärmt er.

Ausfälle wegen Spritzmittel

Daniel Fürst blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf seine Ernte. Einerseits war es auch für ihn ein Spitzenjahr mit einer überdurchschnittlichen Traubenqualität beim Pinot Noir. Andererseits ist ein Teil seiner Ernte dem Spritzmittel «Moon Privilege» zum Opfer gefallen, das auch in anderen Teilen der Schweiz für verheerende Ausfälle bei den Trauben gesorgt hatte.

«Besonders ärgerlich ist für uns, dass es ausgerechnet die Spezialitätenweine getroffen hat», sagt Fürst. 80 Prozent dieser Spezialitäten, von Malbec über Sauvignon bis Chardonnay, sind durch das Spritzmittel am Rebstock verkümmert. Eine bittere Bilanz in diesem Ausnahmejahr, das einen grossen Jahrgang hätte hervorbringen können.

«Aber so ist es nun mal. Es hat keinen Sinn, über das Verlorene zu trauern», sagt er pragmatisch. Offen ist für ihn noch, ob die Schäden des Spritzmittels sich auch auf die kommende Saison auswirken werden. «Ich halte es für möglich, dass die betroffenen Reben im nächsten Jahr weniger Ertrag geben.»

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