Das Stück ist anspruchsvoll im Thema sowie in der Kunst der Darstellung. Den Spielleuten Hottwil unter Leitung des Zürcher Regisseurs David Imhoof gelang diese Umsetzung überzeugend und mit Bravour, wie sich an der Premiere zeigte. Nicht unbedingt Turbulenzen und Hektik prägten die Inszenierung, sondern beeindruckend amüsante, spritzige Dialoge mit herrlich spöttischen Pointen, köstliche Mimik und gezielt eingesetzte Gestik. Dem Ensemble gelingt es, das Publikum vom Anfang bis zum überraschenden Ende ohne jeden Hänger zu fesseln und zu begeistern. Das Thema ist so zeitlos wie aktuell, heiter die Handlung, gemixt mit einer fein dosierten Portion Gesellschaftskritik.

Die Besucher der Premiere wurden mitgenommen in den noblen Aufenthaltsraum der Villa Waldfriede – nüchtern betrachtet eher eine Nervenheilanstalt.

Stiefmutter soll entmündigt werden

Nach dem Plan ihrer drei Stiefkinder soll die Millionärswitwe Pia (Daniela Kalt) hier zukünftig ihre Tage verbringen. Den drei Nachkommen – Ständerat Titus (Matthias Kalt), Richter Samuel (Beat Kurmann) und dem Glamour-Girl Isabelle (Petra Keller) – ist es ein Grauen, mit ansehen zu müssen, wie Pia angeblich das Erbe verschleudert. Dem wollen sie Einhalt gebieten. Mit der Einweisung in die Villa Waldfriede soll ihre Unzurechnungsfähigkeit festgestellt und sie entmündigt werden. Sie versprechen sich damit, jetzt und sofort an das Vermögen zu kommen. Pia aber hatte nach dem Tod ihres Mannes anderes im Sinn: Sie wollte nun ganz nach ihren eigenen Vorstellungen leben. Dazu gehört, einen Kindheitstraum umzusetzen, Theaterstücke zu schreiben, selbst zu schauspielern, sich netten Menschen zuzuwenden.

Nicht den Normen entsprechen

Auch rein äusserlich hat sie nicht die Absicht, vorgegebenen Normen für ältere Damen zu entsprechen. Sie liebt schicke Kleidung, blaue Haare und einen grossen Teddybären als Wegbegleiter. Sie ist mitfühlend, freigiebig, klug, sympathisch und hilfsbereit; gründete eine Stiftung, die, wie sie sagt, die «verzweifelte Sehnsucht nach Unsinn und unerfüllte Wünsche von Menschen» unterstützen soll. Die Übersicht darüber verliert sie da allerdings auch schon mal.

In der Villa Waldfriede wird sie herzlich von den fünf Mitbewohner begrüsst. Von Flora (Sabrina Müller), die ihren nichterfüllten Kinderwunsch mit der Puppe Hans-Thomas kompensiert, von der freundlich anschmiegsamen Maja (Mirjam Müller), von der schweigenden, mürrischen Frau Pfister (Christa Leber), die malend Grosses vollbringen will, von Hannibal (Marc Frey), der so gern ein berühmter Musiker wäre und von Alfred (Rolf Gärtner), der wunderbar Klavier spielt, doch nach einem Trauma nur noch heimlich. Alle diese liebenswerten Mitinsassen sind ein wenig spleenig und auch wenn sie sich manchmal etwas sonderbar verhalten, so sind sie noch lange nicht auf den Kopf gefallen. Im Gegenteil: Sie sorgen für jede Menge hintergründigen Humor.

Hilft die Wahrheitsdroge?

Dr. Bucher (Frank Stoll), Arzt im Hause, wird von Pias Stiefkindern bedrängt, der Zweitmutter mit einer Wahrheitsdroge das Geheimnis zu entlocken, wo die viele «Kohle» versteckt ist. Er hat Bedenken, ebenso wie Pflegerin Frau Willi (Käthi Keller), die ein brisantes Geheimnis hütet. Listig führt Pia die drei Erbschleicher auf eine falsche Fährte, blamiert sie damit öffentlich. Ihre Stiefkinder finden das natürlich ganz und gar nicht lustig und werden rabiat.

Das Stück ist eine spöttisch kluge Komödie, die durch intelligenten Wortwitz, Schlagfertigkeit, schräge Einlagen, unerwartete Wendungen und Tiefgründigkeit überzeugt.

Weitere Vorstellungen in der Turnhalle Hottwil jeweils um 20 Uhr: Mittwoch, 16. März 2016, Freitag, 18. März 2016 und am Samstag, 19. März 2016