Frick

Spezielle Erfahrung für die Zuhörer: ein Konzert im Dunkeln

Nach dem Konzert im Dunkeln: Sandro Schneebeli (l.) und Max Pizio. psc

Nach dem Konzert im Dunkeln: Sandro Schneebeli (l.) und Max Pizio. psc

Zwei Musiker nahmen das Publikum im Meck in totaler Dunkelheit mit auf eine musikalische Weltreise.

Ins Schwarze getroffen hat das Meck in Frick mit zwei Konzerten im Dunkeln, dargeboten von den beiden Tessiner Musikern Sandro Schneebeli und Max Pizio. Das Duo hatte zwar nicht volles Haus, dafür ein aufmerksames Publikum, das sich anders als bei den meisten Konzerten üblich verhielt – nämlich mucksmäuschenstill. Damit entsprach es dem Wunsch der Künstler, nicht nach jedem Stück zu applaudieren. Denn: «Die Stille hat eine grosse Kraft», wies Schneebeli die Gäste vor dem Anlass hin.

Was er sonst noch forderte: Alle Mobiltelefone komplett ausschalten, ausserdem die Uhren mit Leuchtziffern in die Taschen verstauen und vorher aufs Klo gehen. Damit während des Konzerts keine Störung aufkommt und die Dunkelheit dunkel bleibt.

Rita und Patrick, beide blind, führten das Publikum in Fünfergruppen ins Innere des Hauses. Selbst wer da schon hundert Mal ein- und ausgegangen ist, musste gestehen, dass es ohne Licht verflixt schwer ist, sich nicht an einer Wand oder Kante zu stossen.

Komplette Dunkelheit

Die Überraschung, dass die Augen, so sehr sich das Gehirn auch bemühte, nichts in der Dunkelheit ausmachen konnten, war dann gross. Es war wirklich stockdunkel. Schneebeli, Pizio und die Helfer hatten jede Öffnung, jede Ritze im zentralen Raum mit schwarzer Folie verdeckt. Mit dem Ergebnis, dass keine Bewegung, kein Schatten, keine Silhouette zu sehen war, nur eben Schwärze. Brillenträger konnten die Brillen ruhig ausziehen, denn sie nützten ihnen nichts. Wer etwas notieren wollte, musste sich kritzelnd übers Papier tasten. Fotografieren war sowieso tabu. Also blieb es beim sich in die Musik ergeben. Die ja durchaus hätte von einer CD abgespielt werden können, es hätte keiner etwas gemerkt. Aber nein, alles war live. Spätestens in dem Moment, als eine Gitarre scheppernd abstürzte, war klar: Die spielen echt. Und gut.

Spielen mit geschlossenen Augen

Echt waren natürlich auch die Instrumente: Gitarren, Perkussion, chinesische Flöten, ein Effektgerät war auch im Spiel. Schneebeli und Pizio nahmen die Gäste auf eine musikalische Weltreise mit. Führten sie ans Meer zur rauschenden Brandung, aufs Land zu muhenden Kühen, in einen Basar und auf einen Zug. Mit hinreissenden Melodien und amüsanten Dialogen machten sie es möglich, dass die Zeit wie im Flug verging.

Nach einer Stunde erhellten dann zwei Kerzen den Raum. Das Publikum war überrascht, dass es in einem Kreis um die Musiker herum sass. «Ich bin froh, dass ich nichts gesehen habe, es hätte mich sonst abgelenkt», berichtete eine Zuhörerin nach dem Konzert, «man ist 100 Prozent mit der Musik». Frage an Schneebeli: «Hast du die Augen zu, wenn du spielst?» Antwort: «Meistens.» Und wie geht das Musizieren ohne Licht? Schneebeli: «Vertrauen ist sehr wichtig. Und keine Angst vor Fehlern.» Wer das Konzert verpasst hat: Bald gibt es eine CD. Titel: «Blu notte».

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