Kaisten

Spektakulärer Fund der Archäologen im Fricktal

Fundstücke, darunter eine Bronzenadel aus der Mittelbronzezeit um 1500 v. Chr. Geri Hirt

Fundstücke, darunter eine Bronzenadel aus der Mittelbronzezeit um 1500 v. Chr. Geri Hirt

Verschiedene Fundstücke, die bei Grabungen an einer Baustelle gefunden worden sind, beweisen: An der Herrengasse in Kaisten wohnten schon vor 6000 Jahren Menschen.

Als einen «ganz speziellen Fund, der für den Aargau einzigartig ist», bezeichnete Kantonsarchäologe Georg Matter das Grabungsresultat einer Baustelle an der Herrengasse in Kaisten. Es sind weniger die Fundstücke aus einem Zeitraum von rund 6000 Jahren, die im Vindonissa-Museum in Brugg ausgestellt sind, als vielmehr die Schichtabfolge, die zeigt, dass während dieser Zeitspanne an diesem Ort stets Menschen gewohnt haben.

«Dieser Umstand macht die Grabung so wertvoll», fügte Matter bei und unterstrich die Bedeutung mit der eindrücklichen Feststellung, dass in Kaisten bereits Menschen wohnten, als in Mesopotamien die ersten grossen Siedlungen entstanden. «Kaisten hat als attraktiver Siedlungsplatz über Jahrtausende Menschen angezogen – und dies ohne Standortmarketing», scherzte Matter.

In der Tat ist Kaisten eine dynamisch wachsende Gemeinde, so entsteht am Fundort an der Herrengasse eine Überbauung mit fünf Mehrfamilienhäusern, wie Gemeindeammann Franziska Winter an der Vernissage erklärte. Sie sei selber überrascht von der grossen Geschichte, die aufgrund des Bauprojektes ans Tageslicht kam.

Das Team der Kantonsarchäologie stiess an der Herrengasse auf 18 verschiedene Erdschichten, von denen mindestens fünf von Menschen geschaffen worden sind, wie Grabungsleiterin Luisa Galioto erläuterte. Ein seltener Glücksfall für die Archäologie. Ein im Vindonissa-Museum präsentiertes Steinbeil wird um 4300 vor Christus datiert. 3,5 Meter unter dem heutigen Terrain ist ein Rodungshorizont aus der Jungsteinzeit entdeckt worden. Darüber folgten Siedlungsüberreste aus der mittleren und späten Bronzezeit.

Als kleine Sensation wird der Keramikfund der frühen Eisenzeit um 450 vor Christus bewertet, der zur frühesten scheibengedrehten Keramik im Aargau gezählt wird. Die Archäologen legten auch den Grundriss eines zirka 7 auf 9 Meter grossen römischen Holzhauses frei, das aus den ersten Jahrzehnten nach Christus stammt. Auch dieser frühe römische Holzbau wird von den Fachleuten als «sehr selten» bezeichnet, da solche Bauten in der Regel durch jüngere römische Gebäude zerstört wurden.

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