Laufenburg
Spaziergang mit schaurigen Geschichten durchs nächtliche Städtchen

Dem Charme der Altstadt von Laufenburg ging am Samstagabend eine Gruppe von Kindern nach. Von Nachtführer Adelbert Ruoss hörten sie manch schaurige Geschichte.

Peter Schütz
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Nachtführer Adelbert Ruoss (Mitte) weihte die Kinder am Rösslibrunnen und im Schein der Laternen in die Geheimnisse der Laufenburger Altstadt ein. Peter Schütz

Nachtführer Adelbert Ruoss (Mitte) weihte die Kinder am Rösslibrunnen und im Schein der Laternen in die Geheimnisse der Laufenburger Altstadt ein. Peter Schütz

Peter Schütz

Adelbert Ruoss mag es pünktlich. Um 18 Uhr verteilte er die Laternen an die sechs Kinder und deren Begleitung. Dann rief er: «Mir nach, Marsch.» Die Altstadt-Nachtführung für Kinder begann am Burgmattparkplatz auf der Schlossbergseite, zeitgleich mit dem Glockengeläut der römisch-katholischen Kirche Johannes der Täufer.

Der Heilige spielte in der eineinhalbstündigen Nachtführung jedoch keine Rolle. Viel mehr standen die seltsamen Geschichten, die sich um die Laufenburger Altstadt ranken, im Mittelpunkt. Und natürlich die alten Gemäuer, der Schlossberg, das zu Verteidigungszwecken angelegte unterirdische Gewölbe an der Kirche, das Zehntenhaus, der Rösslibrunnen und der Rhein.

Schaurig, aber ohne Angst

Für Adelbert Ruoss war es die zweite Nachtführung für Kinder. «Der Weg ist derselbe wie mit den Erwachsenen, nur die Themen sind anders», erklärte er. Will heissen: Die ganz schlimmen Ereignisse liess er weg, es ging ja nicht darum, die Kinder in Angst und Schrecken zu versetzen. Obwohl: Ein wenig schaurig durfte es schon sein. «Es kann ja sein, dass wir das eine oder andere Gespenst antreffen», sagte er. Und tatsächlich: In den mit Kerzen beleuchteten Kasematten auf der Ostseite des Schlossbergs entdeckte die Gruppe zuhinterst ein Gespenst. Zwar nur aus Stein, aber immerhin.

«Angefangen habe ich mit meinen Nichten und Neffen», blickte Adelbert Ruoss zurück, «da habe ich Mumm bekommen, es mit anderen Kindern zu machen.» Die Altstadt-Nachtführung hatte vor einigen Jahren Benjamin Schwitter auf den Weg gebracht. Seit zwei Jahren ist Ruoss im Boot, abwechselnd mit Erwin Achermann. Ruoss und Achermann kennen viele Geschichten und Sagen aus längst vergangener Zeit und können beim Gang durch die Gassen von Laufenburg deren Vergangenheit spannend erzählen.

Auf dem Schlossberg brachte Ruoss den Kindern die Geschichte von der armen Frau, die drei Mal den gleichen Traum hatte, nahe. Klar, dass der Hinweis auf einen verborgenen Schatz für Aufregung sorgte. Am Rösslibrunnen erzählte er vom Friseur, den alle als «Schabi» kannten, ein paar Meter weiter erklärte er, dass es in der Altstadt früher einen verheerenden Brand gegeben hat. Im Schein seiner Laterne folgten ihm die Kinder zum alten Gefängnis im Wasentor und dort die Treppen hinauf. Noch ein Blick auf den Schwertlisturm – die 90 Minuten waren wie im Flug vergangen.