Ha!», denke ich, «diesmal passiert es mir nicht.» Ich stecke den Knirps, den ich beim Spaziergang mit Willy Schürch im Auto vergessen hatte (az vom Mittwoch), vorsorglich in die Manteltasche, bevor ich aus dem Büro stürme.

Wieder einmal (zu) spät dran, schimpfe ich mit mir, steige in mein Cabrio – natürlich mit geschlossenem Verdeck, wo denken Sie hin! – und brause Richtung Wölflinswil davon. Ich biege in die Schulstrasse in Frick ein, bin in Gedanken versunken, überlege mir, was mich mit Wölflinswil verbindet, dem Ort, an dem Köbi Brem die letzten acht Jahre als Gemeindeammann gewirkt hat und nun auf Ende Jahr abtritt.

Bremsen. Stau. Stau? Auf der Schulstrasse? Ach ja, es ist ja Schulbeginn und da pflegen die Helikopter-Eltern in ihren feissen Offroadern und SUV herbeizzufliegen, pardon: zu flitzen, um ihre Schützlinge vor dem Schulhaus abzusetzen. Eine Unsitte ist das, denke ich bei mir, tippe mit dem Finger nervös auf dem Lenkrad herum, denn, wie gesagt: Ich bin spät dran.

Es geht weiter, ich fahre an der stehenden Kind-Eltern-Karawane vorbei, äuge in ein Fahrzeug. Luxuskarosse, Pelzmantel, rot lackierte Fingernägel. Ich setze meinen Tadelblick auf, schüttle dazu unterstützend den Kopf und sondere «tz, tz»-Geräusche ab, was ja seinerseits echt stupid ist, denn hören kann mich niemand.

Weiter gehts. Gipf-Oberfrick. In Gedanken bin ich bereits in Wölflinswil, dem Ort, an den ich und meine Frau vor ein paar Jahren beinahe hingezogen wären. Ich biege beim Brügglihof Richtung Wölflinswil ab, der Regen wird stärker. «Ausgerechnet jetzt!», ärgere ich mich, werfe einen gar bösen Blick gegen den Himmel. Als ob mich der da oben verstanden hätte – lässt er es noch stärker regnen. Bindfäden. «Danke vielmals!», rufe ich gen Himmel.

Ich parkiere beim Gemeindehaus, warte auf Köbi Brem, der mit dem Postauto von der Arbeit kommt. Jeden Tag fährt er mit dem Bus nach Frick und von da mit dem Zug nach Baden, wo er bei der ABB arbeitet. «Das wäre nichts für mich», denke ich mir, weniger der Job (von der Materie habe ich schlicht keine Ahnung), als der tägliche Pendelweg von zweimal 50 Minuten.
Smalltalk zur Begrüssung: Ich: «Hallo.» Er: «Hallo.» Ich: «Sauwetter.» Er: «Ja.» Ich: «Wollen wir wirklich???» Er: «Ja, wollen wir?» Ich: «Ja.» Er: «Also los.»

Köbi Brem, ich dachte bislang: In Wölflinswil scheint immer die Sonne.

Köbi Brem: (lacht) Ich staune auch. Normalerweise scheint bei uns die Sonne! Nur zu unserer Verteidigung: Es ist im Winter oft so, dass der Nebel bei uns aufreisst und dass man wieder im Nebel versinkt, wenn man Richtung Aarau oder Frick fährt.

Vielleicht weint der Himmel ja, weil es Ihr Abschiedsspaziergang als Ammann durchs Dorf ist.

(lacht) So gesehen hat der Regen etwas Gutes.

Wie fühlt sich der Rücktritt an?

Es sind gemischte Gefühle. Einerseits freue ich mich auf das Neue, das da kommt, auf den Ballastabwurf auch. Andererseits hat mir das Amt immer viel Spass gemacht. mDas «immer» unterstreicht Köbi Brem mit einer kreisenden Handbewegung, so, als wolle er sein Dorf umarmen. Wasser spritzt vom ebenfalls kreisenden Schirm, ein Tropfen klatscht mitten auf mein linkes Brillenglas. Ich fokussiere das Auge darauf – und stolpere fast über einen Randstein. Ein Auto nähert sich. Recht rasant, finde ich. «Lassen Sie uns die Strassenseite wechseln», sage ich und denke: «Ich mag ja Wölflinswil; aber als Graffiti möchte ich doch nicht enden.»

Wissen Sie schon, was Sie mit der freien Zeit machen?

Sehr genau sogar, meine Partnerin und ich gehen auf Reisen.

Gut, und dann?

Nichts und dann.

Wie «nichts und dann»?

Ich habe meinen Job auf Ende April gekündigt, und wir gehen auf grosse Reise. Wir erfüllen uns einen Lebenstraum und wollen auf einen längeren Segeltörn. Puh, denke ich, das ist genial – und auch ganz schön mutig. Mit 57 Jahren den Job kündigen und auf grosse Reise gehen. Ich hätte Angst, nein: Respekt vor dem Danach.

Haben Sie keine Angst davor, nach Ihrer Rückkehr keinen Job mehr zu finden?

Den brauche ich hoffentlich nicht mehr. Wir haben vor, mehrere Jahre auf Reisen zu gehen. (lacht) Bis zur Pensionierung – und drüber hinaus.

Mutig!

Alles, was man im Leben macht, braucht Mut. Viele Leute sagen sich immer: «Das wollen wir später einmal machen, dann, wenn wir pensioniert sind.» Doch was später ist, weiss niemand. Deshalb gehen wir jetzt. Ein Hund bellt, springt vom Bauernhof auf uns zu. Bleib, wo du bist, denke ich. Tatsächlich: Er stoppt. Nun gibt es zwei Deutungen: Meine Erscheinung ist furchteinflössend (ich weiss, ich weiss: Hier ist der Wunsch Vater des Gedankens). Oder: Ihm ist es zu nass, denn er stoppt just an der Dachkante.

Wir sind nun bereits am dritten Bauernhof vorbeigekommen. Wölflinswil ist noch ein richtiges Landdorf!

Ja – und darauf sind wir auch stolz. Wir haben noch rund 30 Bauernbetriebe. Brem bleibt stehen, zeigt, nach links, zeigt nach rechts. «Wir sind eines der Dörfer mit der grössten Bauernhofdichte im Aargau», mutmasst er. «Wow», sage ich und denke unwillkürlich an die 30 potenziellen Begegnungen mit Hofhunden.

Ist Wölflinswil ein bauernschlaues Dorf?

Aber sicher! Allerdings schauen die Bauern heute mehr für sich selber und bringen sich kaum mehr in die Dorfpolitik ein. Das ist schade. Es hat unter anderem auch damit zu tun, dass viele ausgesiedelt sind und nicht mehr im Dorf direkt wohnen.

Dafür kümmern sich andere um die Dorfpolitik. Sie hatten vier Kandidaten für zwei freie Sitze im Gemeinderat. Wie machen Sie das?

Vom Himmel gefallen sind die Kandidaten nicht. Der Gemeinderat ging aktiv auf die Parteien zu und forderte sie auf, sich Gedanken zu machen. Wir mussten einige Male nachstupfen, dann aber klappte es. Es haben sich zuerst drei Kandidaten gemeldet und kurz vor den Wahlen noch ein vierter.

Wie erleben Sie die Wölflinswiler?

Sie sind sehr aktiv, machen in Vereinen mit, arbeiten in Kommissionen mit oder leisten Nachbarschaftshilfe. Die Dorfgemeinschaft funktioniert bestens.

Eine verschworene Gemeinschaft also. Haben es Zuzüger damit schwer, sich zu integrieren?

Ganz und gar nicht. Natürlich muss man den Kontakt suchen und offen sein. Aber wer will, ist schnell integriert. Ich rate Zuzügern immer: Geht in einen Verein; dann seid ihr sofort mittendrin. Auch die Vereine gehen aktiv auf die Zuzüger zu. (Lacht.) Wer das erste Mal durch das Dorf läuft, kann sich schon beobachtet vorkommen. Sobald die Leute wissen, in welchem Haus jemand wohnt, ist er schon ein halber Einheimischer. Wir spazieren der Siedlungszone entlang, dort, wo die neueren Einfamilienhäuser stehen. Eine Frau – blond, längere Haare, um die 30 – steht in der Küche, wirft mir einen Blick zu, nur kurz, dann vertieft sie sich wieder in ihre Arbeit. Im Wohnzimmer spielen zwei Kinder. Was sie wohl macht?, frage ich mich, denn den Küchentisch kann ich von der Strasse aus nicht sehen. Guetsli? Oder einen feinen Braten? Oder vielleicht eine Rüeblitorte, meinen absoluten Kuchen-Favoriten? Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, ich schaue mich um nach etwas, was mich wieder erdet. Die Kirche.

Steht die Kirche in Wölflinswil noch im Dorf?

Sie steht am Rand des Dorfes, schön drapiert auf dem Kirchenhügel. Von hier aus gibt es auch immer schöne Fotos – wenn es nicht gerade regnet.

Wie erleben Sie die Kirche?

Zusehend mit weniger Gewicht. Die Kirche wird künftig noch mehr Mühe haben, die Leute zu halten und sich zu finanzieren. Die Kirche ist für die Leute nicht mehr sonderlich attraktiv – und räumt nicht wirklich mit ihren alten Geschichten auf.

Nicht im Dorf ist die Kirche, wenn man so will, bei den Finanzen. Sie mussten an Ihrer letzten Gemeindeversammlung als Ammann eine happige Steuerfusserhöhung um sechs Prozent beantragen. Wie ist das?

Unangenehm, aber nötig. Als ich vor 13 Jahren in den Gemeinderat kam, setzte ich mir ein Ziel: die Steuern nicht zu erhöhen, sondern zu senken. Ich konnte es all die Jahre durchhalten – und jetzt, im letzten Amtsjahr, musste ich – vor allem wegen der Bedingungen mit dem neuen Finanz- und Lastenausgleich – die Kröte doch noch schlucken.

Das wurmt!

Sehr sogar, aber es ging nicht anders. Ich sehe aber gleichwohl nicht schwarz für unsere Gemeinde. Wir sind eine attraktive Wohngemeinde und werden auch mit dem höheren Steuerfuss wachsen. Der Steuerfuss ist nicht matchentscheidend.

Wölflinswil liegt aber auch nicht gerade am Weg.

Sagen Sie das nicht! Wer schon hier war, staunt, wie schnell er in Aarau ist oder in Frick. Die Lebensqualität wiegt diese paar Minuten problemlos auf.

Auch mit dem Maximal-Steuerfuss bleibt Wölflinswil eine finanzschwache Gemeinde. Kann man da auf Dauer alleine leben?

Das ist eine Frage der Optionen. Wenn nun eine gut situierte Gemeinde käme und sagen würde: «Wir wollen euch unbedingt!», dann, so denke ich, würden die Wölflinswiler zustimmen.

Das könnte nur Gipf-Oberfrick oder Frick sein.

Eine Fusion mit Gipf-Oberfrick würde nichts bringen. Wenn schon, bräuchte es eine Grossfusion des ganzen Benkentals mit Frick. Aber daran hat Frick wohl kaum Interesse, denn was hätte die Gemeinde davon?

Ein zusätzliches Wohngebiet?

Das reicht als Argument nicht. Denn damit müsste Frick auch die gesamte, nicht eben billige Infrastruktur übernehmen, etwa unser grosses Strassennetz.

Wölflinswil wächst auch alleine sukzessive. Wie wichtig ist Wachstum?

Sehr wichtig, denn zusätzliche Steuereinnahmen sind für uns die einzige Möglichkeit, uns finanziell etwas mehr Luft zu verschaffen. So abgedroschen der Satz tönen mag: Sparen können wir wirklich nicht mehr weiter.

Sie müssten einen Roger Federer oder zumindest einen FCB-Star nach Wölflinswil locken.

Das wärs. (lacht) Oder auch nicht, denn wenn man auf einen einzelnen reichen Einwohner setzt, so hat man zum einen ein Klumpenrisiko, zum anderen ist man ihm auch ausgeliefert. Beides möchte ich nicht.

Eingangs Dorf soll eine Wohnsiedlung mit 35 Wohnungen entstehen. Was bedeutet das fürs Dorf?

Finanzielle Luft, hoffe ich. Wenn die Wohnungen über einen guten Ausbaustandard verfügen und entsprechend gut verdienende Zuzüger anlocken, können wir vielleicht sogar in fünf bis zehn Jahren mit dem Steuerfuss wieder etwas runter.

Sie geben den Stab Ende Jahr weiter. Haften daran viele Pendenzen?

Ganz und gar nicht. Es sind nur etwa deren vier – und in die meisten ist der Kanton involviert. Köbi Brem schüttelt den Kopf. «Beim Kanton gibt es einfach zu viele Leute mit zu viel Zeit und mit zu wenig Praxiserfahrung», sagt er. Ich widerspreche, denn schliesslich war ich sechs Jahre lang persönlicher Mitarbeiter von Regierungsrat Roland Brogli und damit so ein «Kantönler». Brem überhört mein Veto, redet sich in Fahrt, erzählt von den «viel zu langen und zu komplizierten Schreiben», die der Kanton dauernd rauslasse, erzählt von den «Beamten, die von ihrem Bürotisch aus entscheiden», schüttelt den Kopf. «Haarsträubend, was da an Papier und Leerlauf kreiert wird.» Wir kommen zur Treppe oberhalb des Schwimmbades – und wie ein Flashback ist sie da, die Erinnerung. Ich muss schmunzeln, obwohl mir damals gar nicht zum Schmunzeln war. Nach einem Maienzug – ich war in einer Mittelschulverbindung – nahm ich den letzten Benkenbus. Auf der Passhöhe war mir so etwas von schlecht (ja, ja, ich war selber schuld), dass ich ausstieg – und zu Fuss nach Hause lief. In Wölflinswil läutete ich bei einem Kollegen. Die Mutter öffnete, starrte mich fassungslos an, worauf ich ein «Entschuldigung» stammelte. Sie holte dann, den Kopf schüttelnd, ihren Sohn. Der Kollege hatte Erbarmen mit mir und lieh mir für den Rest des Heimwegs nach Frick sein Velo.

Trifft man Köbi Brem auch mal im Schwimmbad an?

Auf das Bad sind wir mächtig stolz. Es ist klein und fein und man hat noch Platz. Sehr beliebt bei Familien, da es jederzeit überschaubar ist. Ich habe leider in den letzten Jahren wenig Zeit gehabt, es zu geniessen. Wenn ich nach unserem Segeltörn nicht genug habe vom Wasser, werde ich bestimmt ein Dauergast. Neben dem Schwimmbad liegt die Schule. Ein heikles Thema, vor allem, was die Oberstufe betrifft. Oberhof, Wittnau und Wölflinswil schicken ihre Oberstufenschüler seit vielen Jahren nach Gipf-Oberfrick. Vor gut zwei Jahren präsentierten die Gemeinderäte von Frick und Gipf-Oberfrick dann ein Zusammenschlussprojekt. Die Opposition in Gipf-Oberfrick war riesig. Die IG «Pro Oberstufe» formierte sich mit dem Ziel, dass die Oberstufe in Gipf-Oberfrick eigenständig bleiben muss. Sie setzte sich durch.

Verstehen Sie die Opposition gegen den Zusammenschluss in Gipf-Oberfrick?

Überhaupt nicht. Es macht pädagogisch keinen Sinn und bürdet uns ein finanzielles Risiko auf. Denn wenn die Mindestschülerzahlen einmal nicht mehr erreicht werden, müssen die Schul-Gemeinden die Kosten für die Lehrperson selber tragen. Wir haften da mit.

Sie können den Vertrag ja kündigen.

Das ist nicht so einfach. Die Kündigungsklausel sieht vor, dass alle anderen Gemeinden mit dem Austritt aus dem Verband einverstanden sein müssen. Wir sind also quasi angebunden. Der Regen prasselt nach wie vor auf uns nieder. Trotz Schirm ist inzwischen auch die Jacke nass. Die Schuhe pflatschen bei jedem Schritt. Eine jüngere Frau kommt uns entgegen, grüsst, eilt zum nächsten Hauseingang. Wir gehen weiter, dem Bach entlang, der heute ordentlich Wasser führt, kommen zurück auf den Dorfplatz, kommen zu den beiden Strassenlaternen mit ihren Betonfüssen, die im und über das Dorf hinaus für viel Gesprächsstoff sorgten. «Der Stein des Anstosses», sagt Brem, lacht. «Sie haben genau das gebracht, was sie sollten: den Verkehr verlangsamen und lenken.» Und, nein, all die Prophezeiungen, dass es bereits im ersten Winter kachle, seien nicht eingetroffen. «Es gab noch nie einen Unfall.» Im Landgasthof Ochsen brennt Licht. Ein älterer Mann kommt eben hinaus, schaut mit offenen Mund zu uns herüber. Nicht wegen mir, sondern wegen des Herrn Ammann. Dieser stellt sich für das Foto mitten auf den Platz, wirft den Schirm zur Seite und beschwört mit beiden Händen den Himmel. Genützt hat es nichts; an seinen Medizinmann-Qualitäten muss er noch arbeiten.

Wie wichtig ist es, dass Wölflinswil noch ein Restaurant hat?

Sehr wichtig, auch wenn das Feierabend-Bier und das Politisieren am Stammtisch nicht mehr den gleichen Stellenwert haben wie früher. Aber für uns Wölflinswiler ist der «Ochsen» dennoch ein zentraler Treffpunkt – und erst noch eine erstklassige Adresse, um zu essen.

Ausgegessen hat Wölflinswil, wenn man so will, bei der Bank: Sie schliesst Ende April. Ist das ein herber Verlust?

Alles, was man verliert, ist ein Verlust. Allerdings halte ich persönlich die Bankschliessung für nicht allzu tragisch. Heute sind ohnehin die meisten per Online-Banking unterwegs – und der Bankomat bleibt ja erhalten. Viel schlimmer wäre es, wenn der Volg schliessen würde. Aber dafür gibt es zum Glück keinerlei Anzeichen. Ich finde, das Team macht es hervorragend. Diese Rückmeldung bekomme ich oft, gerade auch von älteren Menschen, die auf den Laden angewiesen sind.

Was fehlt Wölflinswil?

Finanzen. (lacht) Unsere Infrastruktur ist gut im Schuss und es gibt auch nichts, was wir dringendst bräuchten. Aber es wäre schon schön, wenn wir etwas Luft hätten. Von der Luft habe ich langsam genug, denke ich mir, die Feuchtkälte hat sich in allen Gliedern festgesetzt und die Füsse fühlen sich an, als würden sie in einem Eimer waten. Wie seine Bilanz aussehe, will ich von Köbi Brem wissen. Es sei eine «gefreute Zeit» gewesen, sagt er, eine spannende und lehrreiche auch. Von hinten naht ein Postauto, Köbi Brem läuft mir davon – und erst jetzt realisiere ich, dass ich ja mitten in der Busspur stehe. Ich lächle verlegen, wate weg und hebe die beschirmte Hand zum Gruss. Der Chauffeur grüsst zurück, etwas grimmig, finde ich.

Was wünschen Sie der Gemeinde und Ihrer Nachfolgerin, Barbara Fricker?

Dass sie das gleiche Wohlwollen erfährt, das ich all die Jahre über erhalten habe. Und dass sie auch eine glückliche Hand hat. Ich hatte in meiner gesamten Amtszeit keine einzige negative Schlagzeile. Köbi Brem, inzwischen wieder beschirmt und ähnlich durchnässt wie ich, blickt mich an. «Dabei bleibt es hoffentlich auch nach diesem Spaziergang?», fragt er spitzbübisch. Es bleibt dabei.