Wer Spargeln anbaut, braucht Geduld. Das weiss auch Landwirt Roger Schmid aus Wölflinswil. «Heute vor einem Jahr haben wir die ersten Spargeln schon verkauft», sagt er. Heuer ist es anders. Es herrscht kein optimales Spargelwetter. «Bei diesen Bodentemperaturen geht nichts», sagt Schmid.

Der Landwirt vom Beerenhof hat drei Spargelfelder – alle an einem anderen Hügel im Dorf. Und alle Felder sehen noch brach aus, kein einziger austreibender Spargel ist zu erkennen. Schmid zückt sein Smartphone und wirft einen Blick in die Wetter-App. «Wirklich warm wird es in den nächsten Tagen nicht. Ich denke, die Spargeln werden erst Ende April so weit sein», sagt er.

Das Wetter ist bei den Spargeln der entscheidende Faktor. «25 bis 28 Grad wären für das Wachstum am besten» sagt Schmid. Viel wärmer wäre aber auch nicht gut. «Dann gehen die Spargelköpfe auf. Dem Geschmack schadet dies zwar nicht, doch optisch geben die Spargeln nicht mehr so viel her.»

Zweimal ernten pro Tag

Wenn die Temperaturen ein gewisses Niveau erreicht haben, geht es ganz schnell. Bei optimalen Bedingungen kann ein Spargel an einem einzigen Tag bis zu zehn Zentimeter wachsen. «Wenn es sehr warm ist, fahren wir zweimal täglich auf die Felder, um Spargeln zu ernten», erzählt Schmid.

In der anstrengenden Spargelsaison packt auf dem Beerenhof die ganze Familie mit an. Auch für ein paar Saisonarbeiter wird das Spargelmesser zum meistgebrauchten Werkzeug.

Roger Schmid schätzt, dass auf seinen total ein Hektar grossen Feldern rund zwei Tonnen grüner Spargel geerntet werden können. Neben der Direktvermarktung im eigenen Hofladen verkauft er auch in den VolgLäden im Benker- und Staffeleggtal, in anderen Hofläden und über einen Marktfahrer in Aarau.

Viele Kunden brennen in den Wochen vor dem ersten Schnitt mit dem Spargelmesser regelrecht auf das Frühlingsgemüse. Deshalb bestehe auf dem Beerenhof trotz den günstigeren Angeboten aus dem Ausland nicht die Gefahr, auf den Spargeln sitzen zu bleiben. Nur etwas ärgert Bauer Schmid manchmal. «Wegen der Werbung für Import-Spargeln bei den Grossverteilern denken manche Leute, dass wir hier auch schon Spargeln ernten können.»

Elektrowägeli als Erntehelfer

Wenn die Spargeln, wie von Schmid prognostiziert, Ende Monat bereit für die erste Ernte sind, werden die Arbeiter froh sein um ein Elektrowägeli als Erntehelfer. Dieses bietet einerseits eine Sitzmöglichkeit, andererseits ist man damit doppelt so schnell wie zu Fuss. «Leider haben wir nur ein solches Wägeli», sagt Schmid und lacht. Die Aussicht auf einen Tag im Sitzen besteht also jeweils nur für eine Person.

Die Zeit der Spargelernte ist zwar intensiv, aber auch relativ kurz. «Am Johannistag ist die Spargelsaison vorbei» sagt Schmid. Oft hört er schon ein paar Tage vor dem 24. Juni mit dem Ernten auf, um den Pflanzen noch mehr Regeneration zu ermöglichen. «Man sollte die Spargeln früh genug ruhen lassen, damit sie genügend Reserven fürs nächste Jahr einlagern können.»