Forstwirtschaft

Spätfolge des Hitzesommers – Borkenkäfer befällt geschwächte Bäume

Im Möhliner Wald wurden diese Woche vom Borkenkäfer befallene Bäume gefällt. Nadine Böni

Im Möhliner Wald wurden diese Woche vom Borkenkäfer befallene Bäume gefällt. Nadine Böni

Fricktaler Forstbetriebe kämpfen mit den Spätfolgen des Hitzesommers – das Käferholz können sie kaum verkaufen

Der Hardwald in Birsfelden und Muttenz ist seit rund einem Monat für die Öffentlichkeit gesperrt. Der Grund: Viele Bäume sind als Folge des letztjährigen Hitzesommers abgestorben und müssen gefällt werden und trockene Äste könnten jederzeit herunterfallen und auf Waldwegen Spaziergänger treffen. Ursprünglich ging man von einer Sperrung von zwei bis drei Monaten aus, doch diese Woche wurde bekannt, dass das Fällen der rund 2000 toten Bäume länger dauert. Der Wald bleibt sicher bis Ende Jahr gesperrt.

Nicht einmal zehn Kilometer entfernt vom Hardwald beginnen die Fricktaler Wälder. Wie eine Umfrage bei verschiedenen Förstern der Region zeigt, gibt es hier keine gesperrten Waldstücke. «Sperrungen sind derzeit auch nicht vorgesehen», sagt der Laufenburger Förster Sebastian Meier. Doch auch im Laufenburger Wald mussten schon Bäume gefällt werden, die abgestorben sind und umzukippen drohten. Und: Eine absolute Sicherheit, dass keine Äste herunterfallen, gebe es im Wald nie, sagen mehrere Förster.

«Zahl der Borkenkäfer ist massiv»

Doch auch wenn man im Fricktal bislang ohne Sperrungen für die Öffentlichkeit auskommt und die Schäden weniger grossflächig sind als im Baselbiet, der letztjährige Hitzesommer macht sich auch hier deutlich bemerkbar. So zeigten sich etwa Schäden an Buchen, der natürlichen Hauptbaumart der Region, wie der Rheinfelder Stadtoberförster Kurt Steck sagt. «Buchen galten bislang als ideal für unser Klima, nun haben auch sie gelitten.» Allgemein seien die Bäume durch die Hitze und den Wassermangel im vergangenen Jahr geschwächt.

Neu bereiten zudem auch die Weisstannen den Fricktaler Förstern Sorgen. «In diesem Jahr mussten wir bereits 400 Kubikmeter Weisstannen ausserplanmässig fällen», sagt Philipp Küng, Betriebsleiter des Forstbetriebs Thiersteinberg, der Waldungen in den Gemeinden Eiken, Frick, Gipf-Oberfrick, Oeschgen, Sisseln, Wegenstetten und Wittnau bewirtschaftet. Auch in Laufenburg, Möhlin und Rheinfelden tritt das Phänomen auf. Die Schäden seien auf den Hitzesommer zurückzuführen, sagt Küng. «Dadurch wurden die Weisstannen anfälliger auf den Borkenkäfer.»

Die Zahl der Borkenkäfer sei ohnehin «massiv», sagt Urs Steck, Leiter der Forstverwaltung Möhlin. «Wir finden jeden Tag neue Käfer.» Kurt Steck doppelt nach, die Zahl der Borkenkäfer sei im Vergleich zum letzten Jahr exponentiell gewachsen. Und dies, obwohl der Kälteeinbruch im Frühling die Borkenkäferpopulation noch etwas gebremst hatte. Entsprechend mussten die Förster im Fricktal bereits viele befallene Bäume fällen.

Hoffen auf gemässigteren Sommer

«In diesem Jahr sind schon 300 Kubikmeter Käferholz angefallen», sagt der Laufenburger Förster Sebastian Meier. Noch höher sind die Zahlen in Rheinfelden und Möhlin. Letztes Jahr fielen laut Kurt Steck in Rheinfelden rund 4000 Kubikmeter Käferholz an «und dieses Jahr sind es bereits wieder über 1000 Kubikmeter». Die gleiche Menge wurde dieses Jahr auch in Möhlin bereits gefällt. «Die 1000 Kubikmeter entsprechen etwa 15 bis 20 Prozent des für dieses Jahr vorgesehenen Hiebsatzes», so Urs Steck. Und es müssen weiterhin befallene Bäume gefällt werden. Gerade diese Woche war im Möhliner Wald deshalb wieder der Vollernter unterwegs.

Verkaufen lässt sich das Käferholz kaum und wenn, dann nur zu deutlich tieferen Preisen als Holz von gesunden Bäumen. «Ganz Europa ist betroffen», sagt Sebastian Meier. «Die Lager sind voll.» Um das befallene Holz aus dem Wald zu schaffen, richten die Forstbetriebe ausserhalb Lager ein, um das Holz allenfalls später noch zu verkaufen oder zu Holzschnitzeln zu verarbeiten.

Klar ist für die Förster eines: Mit einem weiteren trockenen und heissen Sommer verschärft sich die Situation weiter. An langsame klimatische Veränderungen könnten sich die Bäume gewöhnen, so Kurt Steck. «Veränderungen in kurzer Zeit können sie aber nur schwer verkraften.» Er hofft deshalb, dass «es nicht knüppeldick kommt» und der bevorstehende Sommer gemässigtere Temperaturen und mehr Regen bringt. Gleich klingt es bei Urs Steck. «Mit einem ähnlichen Sommer wie letztes Jahr sieht es bei uns nächstes Jahr wohl ähnlich aus wie jetzt im Hardwald in Birsfelden.»

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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