Die Spitallandschaft im Fricktal ist im Umbruch. Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF), das in Laufenburg und Rheinfelden je ein Spital betreibt, hat vor einer Woche unmissverständlich klar gemacht: So wie es jetzt ist, kann es angesichts der Umwälzungen im Gesundheitswesen nicht weitergehen. Sprich: Vorab am Standort Laufenburg wird sich in absehbarer Zeit einiges ändern.

Wie viel, das will das GZF bis Ende Juni klären. Zur Diskussion stehen primär zwei Szenarien: Beim ersten wird die stationäre Chirurgie aus Laufenburg abgezogen (die drei Ärzte haben ohnehin gekündigt), beim zweiten zusätzlich die stationäre Medizin. Laufenburg blieben dann nur das Pflegeheim und die ambulante Sprechstunde.

In der Region Laufenburg ist man über diese Aussichten beunruhigt. Es drohe eine Unterversorgung, wird befürchtet – gerade auch, was die Notfallversorgung anbelangt. Denn die Notfallstation in Laufenburg steht ebenfalls zur Disposition; bei Szenario 2 spricht das GZF maximal von einem «Notfall light».

Eine Idee, die man oft hört, wenn man mit Laufenburgern und Politikern über die Zukunft des Spitals redet, ist die eines Ambulatoriums. Dieses könnte vom GZF oder einer anderen privatwirtschaftlichen Trägerschaft als Tagesklinik betrieben werden. «Das Beispiel Brugg zeigt, dass es funktionieren kann», sagt CVP-Grossrat und Gesundheitspolitiker Andre Rotzetter.

Das Beispiel Brugg. Hier sorgte der damalige Gesundheitsdirektor Ernst Hasler im Herbst 2003 für einen Aufschrei der Empörung, als er ankündete, der Regierungsrat wolle das Bezirksspital in Brugg schliessen. Wut war spür- und hörbar und entlud sich nicht zuletzt in einer grossen Demonstration. Genützt hat es nichts, das Spital ging zu – und der Schliessungsentscheid kostete Hasler fast die Wiederwahl.

Dennoch: Am ehemaligen Spital Brugg wird weiter operiert. Eine Gruppe von «mutigen Unternehmern», wie die AZ einmal schrieb, fand sich zusammen – mit der Vision, eine privatwirtschaftlich organisierte Klinik auf die Beine zu stellen.

Otto H. Suhner, der unermüdliche Promotor der Vision «Klinik», brachte mit Gleichgesinnten über 750 Privatpersonen, Institutionen, Gemeinden und Firmen dazu, Aktien zu zeichnen. Und siehe da: Das «Medizinische Zentrum Brugg, wie das Kind getauft wurde, nahm im Juli 2005 seinen Betrieb auf – und ist seither auf Erfolgskurs.

«Das Medizinische Zentrum kratzt an der 5000er-Marke», bilanzierte die AZ vor wenigen Tagen. Gemeint ist die Zahl der Operationen (siehe Box). Das Erfolgsrezept: eine ambulante Klinik im Belegarztsystem. Das MZB sei ein Beispiel dafür, was bei einer Spitalschliessung möglich sei und habe in der Schweiz wegweisenden Charakter, bilanzierte Verwaltungsratspräsident Otto H. Suhner 2015 vor dem Zehn-Jahr-Jubiläum.

Da stellt sich die Frage: Wäre ein solches Modell, wie von Fricktaler Politikern propagiert, auch in Laufenburg möglich? Dazu will sich Sandra Weingart, Geschäftsleiterin des MZB, nicht äussern. «Ausgangslage und Problemstellung sind anders als bei der Umwandlung des Spitals Brugg in ein ambulantes Zentrum», sagt sie.

Entsprechend könne sie die Frage nicht beantworten, da ihr aus der Ferne die nötigen Fakten fehlten. Dass das MZB im Fricktal aber als leuchtendes Beispiel dafür, was mit privater Initiative möglich ist, angesehen wird, «macht mich natürlich sehr stolz». Solche Aussagen zeigen, so Weingart, «dass sich das Medizinische Zentrum Brugg in der Spitallandschaft etabliert hat».

Fokussierung als Erfolgsfaktor

Als zentralen Faktor für den Erfolg sieht Weingart die konsequente Fokussierung auf den ambulanten Bereich. Überlegungen, sich auf den stationären Leistungsauftrag zu bewerben, habe man zwar auch gemacht. «Aufgrund des kleinen Mengengerüstes und des im stationären Bereich grossen administrativen Aufwands wurde diese Idee jedoch verworfen.»

Im Nachhinein ein weiser Entscheid – erst recht jetzt, wo der Bund die Strategie «ambulant vor stationär» mit Hochdruck fährt. Etwas stolz, das merkt man, ist man in Brugg schon, dass man dieses Konzept bereits vor über zehn Jahren implementiert hat – zu einer Zeit, in der noch deutlich mehr Operationen stationär ausgeführt wurden und in der Spitäler für die Eingriffe noch längere Spitalaufenthalte verrechnen konnten. «Wir sind ein Pionierbetrieb», sagt Weingart.

Die heutige Forcierung von «ambulant statt stationär» kommt in Brugg denn auch gut an. «Zu begrüssen wäre es, wenn man sich schweizweit auf eine einheitliche ambulante Eingriffsliste einigen könnte», sagt die Geschäftsleiterin. Sie ist zudem überzeugt: Künftig werden noch weitere Operationsfelder ambulant angeboten. Die Marktchancen des MZB beurteilt sie denn auch als gut – gerade auch, weil man schon viel Erfahrung im ambulanten Bereich habe.

Als Herausforderung sieht Weingart den Erhalt der Qualität bei sinkenden Preisen und steigenden Konkurrenzangeboten. Und die Akquisition von genügend Ärzten. «Neue Belegärzte zu akquirieren, ist nicht einfach. Es bedingt eine gute Vernetzung, grosses Engagement und viel Überzeugungsarbeit», so Weingart.

Dies dürfte in einer kleinräumigeren Region wie dem oberen Fricktal sogar noch schwieriger sein. Auch die Grösse des potenziellen Einzugsgebietes hinterlässt Fragezeichen, ob eine privatrechtliche ambulante Klinik funktionieren könnte. Weingart jedenfalls weiss: «Das Einzugsgebiet mit einer guten Erschliessung ist von zentraler Bedeutung.»

Wichtig sei zudem die Kooperation mit Partnern, da so verschiedene Synergien genutzt werden können. Durch regionale und überregionale Kooperationen – etwa mit dem Kantonsspital Baden oder der Klinik Barmelweid – könne man auf dem Areal in Brugg ein breites Angebotsspektrum anbieten. So seien gerade für Chemotherapiepatienten und Dialysepatienten die kurzen Fahrtzeiten zur Therapie eine grosse Erleichterung.

Auf eine Erleichterung ganz anderer Art hoffen die Laufenburger – auf jene nämlich, dass das GZF zumindest nicht Szenario 2 umsetzt. Denn damit wäre Laufenburg als stationäres Spital Geschichte. Bei Szenario 1 bliebe immerhin die stationäre Medizin in Laufenburg.

Auch im Fricktal denkbar?

Die Frage, die sich in den nächsten Monaten stellt, ist die: Braucht eine Region von der Grösse des Fricktals zwei Spitäler? Ja: Kann sie sich das leisten? Und: Ist eine ambulante Klinik eine Option – ganz egal, ob sie nun vom GZF oder einer anderen, privaten Trägerschaft geführt wird?

Die Meinungen gehen weit auseinander. Martin Steinacher (CVP) hofft, dass zumindest ein Teil des heutigen Angebots in Laufenburg erhalten bleibt und mahnt, man solle die Auslegeordnung so breit wie möglich machen, denn: «Wenn das Spital zu ist, ist es zu.» Für Gertrud Häseli (Grüne) dagegen gehen die Überlegungen des GZF in die richtige Richtung. Für sie ist klar, dass der Standort Laufenburg als Akutspital spätestens in vier Jahren Geschichte sein wird.

Wer hat recht? On verra. Am Zug ist nun das GZF. Spätestens Ende Juni will das Gesundheitszentrum aufzeigen, mit welcher (Laufenburger) Strategie es in die Zukunft gehen will.