Mettauertal/Leibstadt
Sonnentanz-Festival: Bevölkerung ärgert sich über späte Information

Das E-Musik-Festival in Mettauertal am 6. August mit bis zu 30'000 Besuchern stösst auf wenig Freude bei der Bevölkerung – auch bei Nachbarn aus Leibstadt. Gemeindepräsident Peter Weber hat die Bevölkerung nun näher informiert.

Susanne Hörth
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Für die aufwendig dekorierten Themenwelten am Sonnentanz muss tonnenweise Material herangeschafft werden. ZVG

Für die aufwendig dekorierten Themenwelten am Sonnentanz muss tonnenweise Material herangeschafft werden. ZVG

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Starker Gegenwind blies am Dienstagabend dem Mettauertaler Gemeindepräsidenten Peter Weber und dem Sonnentanz-Organisator Thomas Kolar entgegen. Sie hatten eingeladen, um die Bevölkerung über das E-Musik-Festival, das im Gebiet Bossenhaus zwischen Wil und Leibstadt vom 6. bis 9. August über die Bühnen gehen soll, zu informieren.

Ganz besonders die direkt betroffenen Bossenhaus-Bewohner (Mettauertaler wie Leibstädter) störten sich daran, dass sie im Vorfeld nicht informiert wurden. Hierzu erklärte Thomas Kolar, dass er mehrfach vergebens versucht habe, die Leute an der Haustür oder per Telefon zu erreichen. Er verstand aber auch den Ärger eines Leibstädters, der aus der Zeitung vom Grossanlass erfahren hatte und vor dessen Haus, nur wenige Meter entfernt, die Toilettenanlagen zu stehen kommen.

Peter Weber, Gemeindepräsident von Mettauertal: «Ich habe die grosse Hoffnung, dass am Schluss alle sagen, Gott sei Dank haben wir es gemacht.»

Peter Weber, Gemeindepräsident von Mettauertal: «Ich habe die grosse Hoffnung, dass am Schluss alle sagen, Gott sei Dank haben wir es gemacht.»

Susanne Hörth

«Ist es schlau, eine solche Lärmveranstaltung an einem Ort durchzuführen, an dem so etwas nicht üblich ist?», formulierte Peter Weber die Frage, die vielen Anwesenden auf der Zunge brannte. Sie hätten sich intern in Gemeinderat dafür entschieden, weil man mehr Chancen als Risiken für Mettauertal sehe.

Soll der Anlass doch dazu beitragen, dass die Gemeinde in positiver Hinsicht bekannter wird. Zwischen der im März erfolgten Anfrage und der Bewilligung für den Grossanlass lagen gerade einmal drei Tage. Infolge der kurzen Entscheidungszeit sei keine Absprache mit den umliegenden Beteiligten möglich gewesen, entschuldigte sich Weber.

Als «nicht glücklich» bezeichnete er selbst den Umstand, dass gleichzeitig mit dem Sonnentanz das Räbhüslifest in den Rebbergen unterhalb des Festivalgeländes durchgeführt wird. Die ebenfalls zeitgleich stattfindende Jurapark-Weinwanderung wird am Räbhüslifest abgeschlossen.

Weiter steht an diesem Wochenende in der Region ein Radrennen auf dem Programm und in Brugg rollt der slowUp über die Strassen. Das spielt insofern eine Rolle, als von Brugg aus das Gros der Festivalteilnehmer durch den Mettauertaler Ortseil Wil mit Shuttle-Bussen zum Festareal gefahren wird.

Eindrücke vom Sonnentanz Festival 2014 im st.gallischen Jonschwil:

Die Wegfahrt, ebenfalls nur mit Shuttlebussen möglich, passiert in Richtung Leibstadt. Die Zufahrtsstrassen, ausgenommen für Bossenhaus-Anwohner, sind gesperrt. Eine Versammlungsteilnehmerin führte an, dass auf diesen Strassen auch zahlreiche Fussgänger Richtung Räbhüslifest unterwegs seien.

Für diese bestehe ein erhöhtes Sicherheitsrisiko durch die vielen Shuttlebusse, die auch für die Jurapark-Wanderung verkehren. Die Sicherheit wurde mehrfach hinterfragt. Thomas Kolar erklärte, dass das ganze Gelände eingezäunt sei. Ein Grossaufgebot an Sicherheitsleuten sei rund um die Uhr im Einsatz, es werde patrouilliert und kontrolliert. Auf Letzteres wurde auch bei der Frage nach möglichem Drogen- und Alkoholkonsum verwiesen.

Speziell am Sonnentanz sind die dekorationsreichen Themenwelten. An die 1000 Tonnen Material müssen angeliefert werden. Die Zufahrtsstrassen sind laut Peter Weber nicht für grosse, in diesem Fall aber notwendige Sattelschlepper ausgerichtet.

Die Versorgung der Leute wird mit kleineren Lieferwagen erfolgen. Vier Bühnen sind geplant, eine davon auch in der angrenzenden Kiesgrube. Diese ist aber aus Naturschutzgründen – hier befindet sich ein Biotop – wie auch wegen des geländebedingt höheren Unfallrisikos noch in Abklärung.

Laut Programm wird am 6. August ab 18 Uhr mit einem Warm-up gestartet. Am Freitag und Samstag wird auf den Bühnen von 14 Uhr bis 2 Uhr nachts Dance, House und Electronic geboten. Kosten entstehen für die Gemeinde keine, so Weber. «Ausser, wenn die Organisatoren bankrott gingen und sie alles zurücklassen und sich aus dem Staub machen würden.»

Bis zum 12. Juni müssen die Veranstalter dem Mettauertaler Gemeinderat verschiedene Konzepte – Verkehr, Blaulichtorganisation, Sicherheit, Bodenschutz, die Entsorgung – vorlegen. Werden die Auflagen nicht erfüllt, wird auch keine definitive Bewilligung erteilt, erklärt Weber.

Damit ginge für das Festival die Sonne wahrscheinlich ganz unter. Einen anderen Durchführungsort zu finden, ist für die Sonnentanz-Veranstalter, die von einem Budget von 1,5 bis 2,5 Millionen Franken ausgehen, sehr schwierig. Weber ist sich bewusst, dass es viele Leute gebe, denen der Anlass in der Gemeinde nicht passe.

Genauso viele Leute gebe es aber auch, die sich auf den Sonnentanz freuen. Weber betont denn auch: «Ich habe die grosse Hoffnung, dass am Schluss alle sagen, ‹Gott sei Dank haben wir es gemacht›.»

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