Gut Ding will Weile haben. Das Sprichwort passt perfekt zum Sonnenbergturm. Am 7. und 8. September findet zu Ehren des Turms ein grosses Fest statt. Denn seit genau 100 Jahren steht der Turm frei zugänglich auf dem höchsten Punkt der Gemeinde Möhlin: auf dem Sonnenberg auf 636 Metern über Meer. Bis es aber so weit war, gingen über 15 Jahre ins Land.

Nur eine kurze Freude

Schon 1867 schrieb sich der neu gegründete Rheinfelder Kurverein die «Hebung Rheinfeldens als Badeort» auf die Flagge. Für die Kurgäste, die immer zahlreicher ins Zähringerstädtchen strömten, sollte der Aufenthalt so angenehm und abwechslungsreich wie möglich gestaltet werden. So wurden in der Region neue Spazier- und Wanderwege mit attraktiven Aussichtspunkten angelegt. 1875 konnte auf den Sonnenberg der erste Turm eingeweiht werden, eine Holzkonstruktion, die etwa 600 Franken gekostet haben dürfte.

So schnell dieser erste Turm gebaut war, so schnell zerfiel er auch wieder. Denn offenbar fühlte sich niemand so recht für den Unterhalt verantwortlich. Und so musste bereits 1890 – also gerade einmal 15 Jahre nach der Eröffnung – über den Bau eines neuen Turms nachgedacht werden.

Lehrer sammelt Geld

Hans Jäger, ein Lehrer aus Maisprach, strebte auf eigene Faust einen Neubau an und begann, Geld zu sammeln. Ein Konzert des Männerchors, des Töchterchors, der Musikgesellschaft sowie einiger Solisten brachte 50 Franken. Jäger bat finanzkräftige Leute in den umliegenden Gemeinden um eine Spende. Bei der Ersparniskasse in Rheinfelden eröffnete er im Namen des Männerchors ein Konto zugunsten des geplanten Turms. Dann aber zog er nach Allschwil. Und mit dem Wegzug des Lehrers 1898 geriet auch das Projekt Sonnenbergturm ins Stocken.

Erst 1903 schien es wieder vorwärtszugehen. Im Möhliner Restaurant Sonnenberg traf sich der Verschönerungs- und Verkehrsverein Möhlin (VVVM). Dieser übernahm von Jäger das Turmprojekt. Es wurde ein Komitee gegründet, dem die Leitung des Projekts anvertraut wurde. Was blieb, war die Frage des Geldes.

8000 Franken für 20 Meter

Beim VVVM ging man davon aus, dass für die Errichtung eines 20 Meter hohen Turms mit einem Aufwand von etwa 8000 Franken zu rechnen sei. Auf dem von Lehrer Jäger eröffneten Konto lagen allerdings erst knapp 1500 Franken. Der Verein hoffte auf Beiträge der umliegenden Gemeinden sowie Spenden von Hoteliers und Wirten, von Brauereien, Salinen und Banken. Mit dem Sammeln harzte es aber noch immer. In zehn Jahren kamen nur etwas über 3000 Franken zusammen.

Erst im Februar 1913 war es – auch dank eines Darlehens der Rheinfelder Ersparniskasse – dann doch so weit: Auf dem Sonnenberg wurde eine Hütte mit Küche erstellt. Mit Bewilligung des Gemeinderates von Maisprach durften auf dem Sonnenberg Bausteine gebrochen und daraus der Turm erstellt werden.

99 Treppenstufen zur Aussicht

Am 25. Mai 1913 konnte der Turm eröffnet werden. Mit dabei war auch Lehrer Jäger, der so hartnäckig für den Turm gearbeitet hatte. Die «Volksstimme» berichtete: «Auf dem Sonnenberg ist ein Bau entstanden, der seinesgleichen im ganzen Schweizerlande kaum finden und an dem jeder Naturfreund seine helle Freude haben wird.» 99 hölzerne Treppenstufen führen seither auf die in 22 Metern Höhe gelegene Aussichtsplattform. Von dort ist der Blick frei – an klaren Tagen sogar bis in den Schwarzwald oder die Alpen.